Covid-19

Derartige Aussagen höre ich in Teilen meines Bekanntenkreises mittlerweile auch, freilich in abgeschwächter Form und nicht so knallhart ehrlich wie der oben zitierte Kommentar.
Ich befürchte halt, dass sich bei vielen die Geduld so langsam dem Ende entgegen neigt.
 
Es gibt ja viele Politiker, die sich momentan für eine Öffnung der Wirtschaft einsetzen. Da kann man jetzt vollkommen dagegen sein oder nicht, ich bin auch dagegen. Aber bei fast allen schwingt zumindest immer noch Respekt vor dem menschlichen Leben und der Würde mit, auch wenn sie vielleicht unpopuläre und objektiv gesehen falsche Positionen vertreten. Aber was dieser Herr absondert, ist menschenverachtend und so ziemlich das widerlichste, was ich in diesem Zusammenhang bisher gehört habe. Wie Steven bereits sagte, wer oder was gibt diesem Kerl das Recht darüber zu urteilen, wie schützenswert das Leben einer riesigen Menschengruppe hier im Land ist?

Bei sowas hoffe ich auf einen bittersüßen Rückschlag der Demokratie in diesem Land. Und das heißt, dass die Wähler hoffentlich zeitnah seine politische Karriere beenden.
 
“preußische Tugenden..”

naja, ob ein Deutschland in der wilhelminischen Ära in einer Krise wie dieser so viel Rücksicht auf die alten und schwachen genommen hätte?
 
Dass ich echt mal Palmer verteidigen muss, den ich gar nicht leiden kann, passt mir gar nicht, aber journalistisch ist es von vielen Medien gerade echt arm, die zitieren nämlich nur den ersten Teil des Satzes.

Man kann das Video ja auch einfach mal ansehen.

Schäuble hatte gesagt: "Nicht alles muss vor dem Schutz von Leben zurücktreten"
Palmer wird explizit zu seiner Interpretation dieser Aussage befragt.

Er sagt dann, dass Corona hauptsächlich Menschen über 80 tötet, die ohnehin grob im Sterbealter sind, während der Shutdown die Weltwirtschaft so schwächen wird, dass die UN davon ausgeht, dass 1 Millionen Kinder zusätzlich sterben werden. Wegen dieser "Nebenwirkung" plädiert er dafür den Shutdown, wie ein Medikament, richtig zu dosieren.

Er spricht sich also nicht einfach so und aus dem Blauen heraus dafür aus, dass man jetzt Alte einfach sterben lassen sollte, sondern weist auf ein globales Dilemma hin. Im Grunde geht's hier ja ganz klassisch um ein Weichenstellerproblem. Auf der einen Seite alte Leute, die ihr Leben größtenteils gelebt haben. Auf der anderen Kinder, die es noch vor sich haben.
Wenn man die Zahlen der UN berücksichtigt (also wenn er sie richtig wiedergibt), dann tut sich dieses Dilemma für die Politiker an den Schaltern ja leider auf. Welche Maßnahme wird wen das Leben kosten? Denn dass weitere Menschen durch dieses Virus sterben, direkt oder indirekt, das steht ja außer Frage.

Finde daher die Aufregung ein wenig unverständlich, vor allem, wenn sie aus so reduzierter Wiedergabe resultiert.
 
Bei dem warte ich eigentlich wöchentlich auf die Nachricht, dass er in die AfD eingetreten ist.

C.

Wah, er hat AfD gesagt!

Wieso sind jetzt eigentlich nicht sämtliche unserer Probleme beseitigt? Die Grenzen sind dicht, neue Asylbewerber kommen auch nicht mehr nach, Europa ist pausiert. Wir kümmern uns um uns selbst und besonders heiter sind die Aussichten trotzdem nicht.

Wo sind denn die ganzen wohldurchdachten Geistesblitze von Gauland, Weidel und Konsorten, für die man ganz dringend diese Alternative bräuchte? Diese Bande ist nur froh, jetzt genau gar nichts tun zu müssen und für nichts die Verantwortung zu haben, um nach der Krise erneut das Maul aufzureißen. Corona macht deutlich, was man im Krisenfall von der AfD zu erwarten hat, nämlich absolut nichts.
 
“preußische Tugenden..”

naja, ob ein Deutschland in der wilhelminischen Ära in einer Krise wie dieser so viel Rücksicht auf die alten und schwachen genommen hätte?

Preußen war so viel mehr als die wihleminische Ära.

Ich krieg ja persönlich das Kotzen, wenn ein Mensch meint das Leben eines anderen auf diese Art abzuwerten. :mad:

Nun ja, wir haben in der letzten Woche auch abgewogen ob es Sinn hat den Vater meiner Frau, immerhin mein Schwiegervater, künstlich am Leben zu erhalten. Und wir haben auch die Frage zur Diskussion gestellt ob es nicht u.a. sinnvoll wäre den Platz auf der Intensivstation für jemanden frei zu machen der größere Chancen zum Überleben hat.
Wir haben selbstverständlich nicht sein Leben abgewertet. Aber wir haben trotzdem die Frage in den Raum gestellt, ob sein Tod, der sicher war, es nötig macht ihn zu verlängern, wenn sein Tod wenn er früher eintreten würde vielleicht einen anderen Menschen retten könnte.
Und glaube mir, die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen.
 
Nun ja, wir haben in der letzten Woche auch abgewogen ob es Sinn hat den Vater meiner Frau, immerhin mein Schwiegervater, künstlich am Leben zu erhalten. Und wir haben auch die Frage zur Diskussion gestellt ob es nicht u.a. sinnvoll wäre den Platz auf der Intensivstation für jemanden frei zu machen der größere Chancen zum Überleben hat.
Wir haben selbstverständlich nicht sein Leben abgewertet. Aber wir haben trotzdem die Frage in den Raum gestellt, ob sein Tod, der sicher war, es nötig macht ihn zu verlängern, wenn sein Tod wenn er früher eintreten würde vielleicht einen anderen Menschen retten könnte.
Und glaube mir, die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen.

Das glaube ich, dass die Entscheidung nicht leicht war. Aber nehmen wir mal die Triage in Deutschland als Beispiel: Da ist das Alter ausdrücklich nicht das alleinige Entscheidungskriterium.
Der Unterschied dabei ist doch auch der, dass dein Schwiegervater schon in einer schwierigen Situation war und ihr dann darüber nachgedacht habt. Ich möchte das ungern Näher ausführen, weil ich dir da auch nicht zu nah treten möchte, aber ich hoffe du verstehst welchen Unterschied ich bei deinen/euren Gedanken und der Äußerung von Palmer sehe.

Das was Palmer und zum Teil Schäuble da geäußert haben setzt aber an einem ganz anderen Punkt an und folgt einer ganz eigenen abartigen Logik nämlich der, dass Risikogruppen anscheinend generell kein erhaltenswertes Leben haben, weil es ja eh "bald" zu Ende ist. :nope::facep:
 
Das was Palmer und zum Teil Schäuble da geäußert haben setzt aber an einem ganz anderen Punkt an und folgt einer ganz eigenen abartigen Logik nämlich der, dass Risikogruppen anscheinend generell kein erhaltenswertes Leben haben, weil es ja eh "bald" zu Ende ist.

Wenn du entscheiden musst, ob ein 10 Jähriger oder ein 80 Jähriger vom Zug überrollt wird, entscheidest du dich für den 10 Jährigen, weil 80 Jährige für dich nicht lebenswert sind? Ich denke der Grund ist ein anderer.
 
Er sagt dann, dass Corona hauptsächlich Menschen über 80 tötet, die ohnehin grob im Sterbealter sind, während der Shutdown die Weltwirtschaft so schwächen wird, dass die UN davon ausgeht, dass 1 Millionen Kinder zusätzlich sterben werden. Wegen dieser "Nebenwirkung" plädiert er dafür den Shutdown, wie ein Medikament, richtig zu dosieren.

Statistiken sind kein Maßstab, dem sich die Würde des Menschen unterzuordnen hätte. Letztere ist unantastbar. Und was der Palmer da von sich gibt, tritt diese Würde mit Füßen. Es geht darum, die Wirtschaft am laufen zu halten und Menschen dafür zu opfern. So ehrlich dürfen wir hier doch bitte mal sein und dieses Kind ist somit auch ganz klar beim Namen zu nennen!
 
Wenn du entscheiden musst, ob ein 10 Jähriger oder ein 80 Jähriger vom Zug überrollt wird, entscheidest du dich für den 10 Jährigen, weil 80 Jährige für dich nicht lebenswert sind? Ich denke der Grund ist ein anderer.

Der 10 Jährige hat Leukämie im Endstadium und der 80 Jährige hätte noch 20 Jahre glücklich gelebt. Sowas weiß ich vorher wenn ich mich entscheide?

Darüber hinaus bin ich gespannt wie das Bundesverfassungsgericht da entscheiden würde. Der Abschuss einer entführten Maschine um Menschenleben zu retten ist ja immer hin auch nicht erlaubt. Leben gegen Leben aufwiegen ist nun mal nicht so einfach.
 
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