Ich denke, dass
@David Somerset hier ein brauchbares und vor allem flüssig handhabbares Verfahren beschrieben hat. Ich persönlich würde vielleicht ausführliche Grußformeln benutzen und danach ganz kurz und knapp, aber eben auch ausreichend explizit, den Geltungsbereich meiner weiteren Formulierungen definieren. Das würde mich prinzipiell noch nicht mal daran hindern, mal in einem Dokument das generischen Maskulinum zu verwenden und beim nächsten dafür dann einfach aus reiner Spaß an der Freud ein generisches Femininum zu definieren und dieses ausdrücklich auf alle Adressaten zu beziehen. Und wenn sich jemand hinterher drüber aufregt: Umso besser, dann hat man sich immerhin meinen Beitrag gemerkt!
Ja, eben.

Sowas finde ich sprachlich immer noch deutlich eleganter gelöst als Gendermarkierungen, die den Lesefluss schon arg beeinflussen können.
Und wer sich trotz expliziter Ausschreibung, ALLE Menschen ungeachtet ihres Geschlechts ansprechen zu wollen, immer noch an reiner Grammatik stören möchte, der wird ohnehin nie zur Gänze zufriedenzustellen sein, sondern immer ein Haar in der Suppe finden, aus dem er sich einen exklusiven Opferstatus spinnen kann.
(Jedenfalls ist das meine Sichtweise auf das Thema - obwohl ich weder superstraight, noch männlich bin).
Die Problematik ist in dem Videobeitrag von Quarks & Co (haha, so heißt das Format mittlerweile gar nicht mehr!) im ersten Posting eigentlich ganz gut umrissen worden. Da geht's dann immer noch um Details: Formal ist eine Stellenanzeige zwar nicht mehr diskriminierend im rechtlichen Sinne, real schließt man aber trotzdem immer noch Leute aus.
Inwieweit? Weil sich einzelne Personen nicht angesprochen
fühlen, oder weil sie tatsächlich nicht angesprochen werden?
Muss man sich denn unbedingt an sprachlichen Details festbeißen und dem Absender um jeden Preis diskriminierende Absichten unterstellen?
Wir hatten vor ein paar Wochen erst die Spinner, die unter der Bezeichnung "Super Straight" randaliert und die LGBT-Community plakativ angegriffen haben
Aber nicht jeder, der sich am Gendern stört, ist automatisch ein solcher Spinner. Genau darum geht's doch: indem dieser Schluss voreilig gezogen wird, impliziert man, dass Einwände am Gendern von vornherein nicht ernst zu nehmen sind, weil sie ja aus einer Ecke kommen, die man getrost ignorieren kann, bzw sogar
muss (möchte man nicht in die Schublade menschenverachtender Extremisten gesteckt werden).
Man muss bei dieser Diskussion IMO deutlich unterscheiden, wer aufgrund gegenwärtiger gesellschaftlicher Entwicklungen tatsächlich im Hintertreffen ist, oder eben nur so tut, um erstgenannten auch noch zusätzlich ans Bein zu pissen.
Das unterstellt aber auch wieder eine niedere Absicht, die so gar nicht vorhanden sein muss. Auch nicht diverse Menschen können sich benachteiligt fühlen, wenn sie den Eindruck haben, aufgrund ihrer Heteronormativität automatisch hinter den Ansprüchen anderer Menschen zurücktreten zu müssen. Jedenfalls kann diese Empfindung als ebenso "real" anerkannt werden wie der Eindruck, von Stellenausschreibungen ausgeschlossen zu werden, die sich dezidiert an männlich, weiblich und divers richten.
Im Grunde geht es als nur um ein Abwägung und Priorisieren von Empfindlichkeiten, die sich im Kern aber kaum voneinander unterscheiden.
Und echte Gleichberechtigung an einzelnen Worten festmachen zu möchten, erscheint mir wie ein Stellvertreterkrieg, der nur deshalb geführt wird, weil er plakative Lösungen anbietet, die den
Anschein von Egalität vermitteln.
Dadurch kann man aber Gefahr laufen, für konkrete Probleme zunehmend blind zu werden - denn eine Gesellschaft, die sogar sprachlich jede noch so diverse Lebensform im höchstmöglichen Maße würdigt, kann doch unmöglich noch diskriminierend sein?
Meine Beobachtung ist aber: Gendern schützt keineswegs vor menschenverachtendem Gedankengut und Diskriminierung, dagegen verstecken sich manche sogar ganz bewusst dahinter, um im Zweifel jederzeit einen Beweis der eigenen "Progressivität" zur Hand zu haben.
Ich möchte dieses Thema daher kritisch betrachten können, ohne den (impliziten) Vorwurf zu erhalten, entweder selbst ein Arschloch zu sein, oder zumindest mit solchen zu sympathisieren. Allenfalls ist es nämlich keine wirklich offene und gleichberechtigte Debatte mehr.
Ach, so einfach ist es nicht.
Ich hab nie behauptet, dass es "so einfach" ist.
Abseits des genderns aber trotzdem mit dieser Thematik verbunden fallen mir da z.B. "Feministinnen" ein, die sich absolut gegen die Gleichstellung von Tran-Menschen verwehren und diese überhaupt nicht als Frauen ansehen. Quasi nach dem Motto: Es seien ja schließlich nur Männer die sich als Frauen fühlen und gar keine echten Frauen. Trans Exclusionary Radical Feminist (TERF) nennt sich diese Fraktion.
Und auch da reicht die Spanne, laut Betroffenen, von simplen verletzenden Worten á la J.K. Rowling bis hin zu körperlichen Übergriffen und Gewalt.
Der Feminismus hat mittlerweile eine ganze Reihe von Strömungen hervorgebracht, die einfach nur toxisch sind, weil deren eigentliche Motivation im puren Hass auf (bestimmte) Menschen liegt - Männern allgemein, aber auch Frauen, die deren (angestrebten) Werte "verraten").
An Gleichberechtigung sind die so sehr interessiert wie der Islamische Staat an Religionsfreiheit.