[Äußerer Rand | Cronese-Mandat | Argai-System | Argai | Stadtrand | Cormil Sanpass Museum für Raumfahrt und Technologie | Etara alias Lifera, Spectre alias Sinaesh, Noak, Maalraas, Jevan
Etara konnte nicht wirklich behaupten, dass sie sich in ihrem bisherigen Leben sonderlich für Museen interessiert hatte. Genauer gesagt hatte sich die junge Chiss so gut wie gar nicht für muffige alte Ausstellungsobjekte, gähnend langweilige Führungen und überteuerte Souvenirs in Touristenfallen begeistern können. Die Aussicht darauf, im Cormil Sanpass Museum einen Hinweis auf einen legendären Piratenschatz zu finden, sorgte allerdings dafür, dass sich Etara doch mehr und mehr für diesen Ort erwärmte, sich neugierig umsah und hier und da auch mal ein bisschen länger verweilte. Außerdem ging es hier um Raumfahrt, das war doch mal zumindest ein spannendes Thema, das direkt ihre Lebenswirklichkeit betraf. Etara ertappte sich dabei, wie sie überlegte, ob eines der uralten Schiffe hier noch flugtauglich war. Ein Ausflug mit so einem Relikt wäre wahrscheinlich sehr unterhaltsam, aber so, wie es schien, waren hier überwiegend nur Teile von Schiffen oder Nachbildungen, entweder als Holo oder physisch, vorzufinden. Damit konnte man sicher auch lustige Dinge anstellen – beispielsweise in Kombination mit Sprengstoff und einer Menge hochprozentigen Alkohols. Ein bisschen Feuer und Anarchie würden so einem verstaubten Laden mal richtig gut tun, aber die Blauhäutige schob diesen netten Gedanken schließlich zur Seite und konzentrierte sich auf das, was anstand. Sie war nicht zum Vergnügen hier, es gab etwas zu erledigen. Also hielt Etara Augen und Ohren offen, gab hie und da ein angemessen interessiert-beeindrucktes „Ah“ oder „Oh“ von sich, nickte, wenn ihre Assistentin (Spectre) etwas Kluges sagte, und machte auch sonst den Eindruck, zwar mit Credits und gutem Aussehen, aber nicht übermäßig viel Verstand gesegnet zu sein. Es war ziemlich unterhaltsam, sich ein wenig doof zu stellen, und was verwöhnte Gören aus dem guten Haus anging, hatte Etara genug Erfahrung gesammelt, um die Rolle glaubwürdig zu verkörpern. War ja nicht so, dass man unbedingt geistreiche Gespräche führen musste, um sich zu amüsieren. Etara schmunzelte kurz vor sich hin und bedauerte den eklatanten Mangel an für solchen Zeitvertreib geeigneten Lebewesen hier, von Spectre natürlich abgesehen. Wobei, für einen Moment erhaschte sie einen Blick auf einen ziemlich schnuckeligen jungen Menschen (Noak) mit dunklen Haaren, der ein wenig nervös herum huschte und dann in einer Gruppe Gossams unterging. Der war ja wirklich niedlich, dachte sich die Chiss, der Typ wirkte aber auch ganz schön angespannt – als würde er jeden Moment damit rechnen, von einem garstigen Schurken mit vorgehaltener Vibroklinge angesprungen zu werden. Manche Leute sahen wohl überall Gefahren und dann auch noch Risiken statt dornigen Chancen. Na, jeder, wie es ihm gefiel, fügte die Chiss mit einem mentalen Schulterzucken hinzu, sie warf noch einen kurzen Blick in Richtung des appetitlichen Zeitgenossen – wobei ein keckes Lächeln über ihr Gesicht huschte – und war dann froh, nicht mitten in der Führung gelandet zu sein.
Immerhin hatte sie ihre eigene Führerin in Form von Spectre, und diese schien mit ihren exzellenten und vom Imperium geschulten Sinnen wohl etwas bemerkt zu haben, denn Etara merkte, wie ihre Freundin sie unauffällig, aber ziemlich energisch in eine bestimmte Richtung lenkte. Die Chiss hatte gelernt, sich auf die andere Frau zu verlassen, also ließ sich brav bugsieren, mit hoch erhobenem Kinn, wiegenden Hüften und einer gebieterisch ausgestreckten Hand stolzierte die junge Blauhäutige weiter. Es dauerte einen Moment, aber dann bemerkte auch Etara, warum ihre Freundin in diese Richtung wollte. Dort standen zwei alte Bekannte: Der verwegene Captain Vassic, dessen markante Hörner ihm das Aussehen jener Sagengestalt verliehen, die gemeinhin als „Teufel“ bezeichnet wurde, und der schnittige junge Mensch, der Maalraas hieß. Sie hatten also ihre Nachricht bloß bekommen, sondern waren dem Aufruf auch gefolgt – sehr erfreuliche Neuigkeiten. Etara verkniff sich ein zufriedenes Grinsen und warf den beiden Männern lediglich einen kurzen Seitenblick zu, als Spectre die Aufmerksamkeit auf eine alte Chiffriermaschine lenkte, die wohl vor langer Zeit mal bei einem Konflikt wichtig gewesen war. Etara überflog rasch die Beschreibung und quittierte die Aussage ihrer Assistentin mit einem Schulterzucken, während sie ein wenig geringschätzig das Gerät taxierte.
„Wenn Sie das sagen, Sinaesh. Für sich genommen ist dieses Ding nun wirklich nichts anderes als ein exotischer Briefbeschwerer, und davon habe ich nun wirklich...reichlich. In Kombination mit der anderen Seite wäre es vielleicht sogar wirklich interessant. Stellen Sie sich das als grandiosen Gag auf einer Party vor...oh, ja, das gefällt mir. Staunende Gesichter rund herum!“
Die Chiss strich sich übers Kinn und beugte sich ein wenig nach vorne, um die Chiffriermaschine genauer in Augenschein zu nehmen, während Spectre die beiden Männer in der Nähe ansprach. Etara ließ sich Zeit, um sich ein wenig zu strecken und in Szene zu setzen – ein bisschen Spaß musste auch in einem Museum erlaubt sein – bevor sie sich wieder aufrichtete und ein wenig zu den beiden Herren umdrehte, die sie im Anschluss betont mäßig interessiert taxierte und dann zu ihrer Assistentin blickte. Der Blick ihrer roten Augen sagte ohne Worte kurz und bündig: „Du wirst nicht dafür bezahlt, Smalltalk zu führen.“ Innerlich freute sich Etara hingegen ausgesprochen darüber, dass diese beiden Ganoven hier aufgetaucht waren. Das hieß, dass sie an der Schatzsuche interessiert waren, und das wiederum hieß, dass sie zusätzliche Kräfte zur Verfügung haben würde, um diese Sache anzugehen. Die hübsche Nichtmenschin entschied, ein wenig Konversation mit sich selbst zu betreiben und laut zu überlegen, sie blickte in Richtung Decke, legte den Kopf schief und runzelte die Stirn, als müsste sie ihr ganzes - eher spärliches - geistiges Potential mobilisieren.
„Also wenn ich Pirat wäre oder etwas wichtiges transportiere, dann würde ich mir auf jeden Fall eine Möglichkeit überlegen, mit anderen von meiner Sorte kommunizieren zu können, ohne, dass jemand mithören kann. Oder dass es nur Kauderwelsch ist, mit dem andere nix anfangen können. Oh...sehen Sie mal, Sineash, der Ecken da glitzert so ein bisschen! Ist das Ding vielleicht aus einem Edelmetall? Edelmetalle machen alles besser.“
Etara grinste betont oberflächlich über beide Ohren und beäugte nun wieder gänzlich an materiellen Dingen interessiert das Ausstellungsobjekt. Ja, diese Rolle war wirklich spaßig.
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