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An der zeitlichen Nähe lag es wohl, dass ich noch keine Antwort erwartet hatte...





Eigentlich schade, denn ich finde, das ist durchaus relevant für diese Diskussion. Natürlich sollte daraus keine generelle Vader vs. Caedus-Abhandlung werden.


Aber wenn man mal die Bekehr- oder Rückholbarkeit bzw. des Bekehrversuchswillens des Umfeldes kurz gegenübstellt:


Vader: Ca. 20 Jahre als Sith. Diverse Greueltaten, davon einige für Luke "persönliche". Alle haben ihm eingetrichtert, dass er Vader töten muss. Und trotzdem setzt er alles auf eine Karte, sein Leben und die Zukunft der Galaxis, in dem unerschütterlichen Glauben, dass Anakin zurückkehren wird - und gewinnt am Ende alles. Eine starke und wunderbare Botschaft zum Abschluss der OT. *seufz* :)


Caedus: Vielleicht 1 Jahr als Sith. Diverse Greueltaten, die aber schon allein aufgrund der viel kürzeren "Wirkungsdauer" weniger sein müssen als bei Vader; auch hier wieder für Luke / die Familie "persönliche". Nach nur einem Gefangennahme- und einem halbherzigen Bekehrungsversuch beschließen alle, dass er getötet werden muss und tun das dann auch. Botschaft: Meh...


Wenn ich mir überlege, was mit mit einem Spritzer des OT-Geistes in LotF hätte gemacht werden können, kommt mir die Geschichte von Jacens Fall gleich nochmal schaler vor... Ein Familienmitglied, Luke, Jaina, Leia, Tenel Ka, was-weiß-ich, hätte mit der Luke-RotJ-Einstellung zu Caedus gehen können. Damit's der Parallelen nicht zu viel wird, hätte die Sache schiefgehen können - entweder, Caedus tötet denjenigen (und dann wäre es wesentlich plausibler gewesen, dass die restliche Familie beschließt, dass er sterben muss), oder derjenige kann sich im letzten Moment retten, indem er Caedus schweren Herzens doch tötet.


Wie viel kraftvoller wäre das gewesen!





Ich habe ja schon eingeräumt, dass es in einem gewissen Maße realistisch und okay gewesen wäre, aber LotF schoss weit über das Ziel hinaus. Und es war ja auch nicht nur eine Person, es waren viele, und mit Jaina auch mindestens eine, der man keine Alterskonservativität oder nachlassender Gehirnleistung vorwerfen kann (und abgesehen davon ist es sowieso seltsam, dass die gealterten Helden sich bei allen anderen Dingen noch einer vorzüglichen Gehirnleistung zu erfreuen scheinen ;)).


Und es ist ja auch nicht so, dass sie gar nichts bemerkt hätten. Sie haben die Sache ja diskutiert, aber eben nur halbherzig, und dann mit solchen hanebüchenen Gründen wie "Ärger mit Mädchen" abgetan (diese Aussage Maras steht zusammen mit Jainas perfekt manikürten Fingernägeln an der Spitze meiner Out-of-Character-Momente in LotF).





Natürlich gibt es Unterschiede zwischen dem OJO und dem NJO, aber willentlich einen Krieg anzetteln, eine Art Gestapo gründen und knallhart führen und auf die eigenen Eltern schießen lassen dürfte selbst nach den Maßstäben der NJO jenseits jeder Relativierung liegen (und das sind alles noch ziemlich frühe Taten Jacens).





Jacen ist zu diesem Zeitpunkt ja auch ein Jediritter, Ahsoka meines Wissens noch eine Schülerin. Ich glaube kaum, dass jemand vom NJO Ben allein ein Verhör hätte führen lassen (außer Jacen selbst natürlich ;)).





Man kann jemanden seinen eigenen Weg finden lassen, aber begleitend nebenhergehen bzw. immer wieder am metaphorischen Wegesrand stehen und Hilfe anbieten. Oder man lässt ihn einfach losmarschieren und geht selbst vollkommen uninteressiert in eine andere Richtung. Das Verhalten von Jacens engsten Familienangehörigen in LotF entspricht eher letzterem...





Es geht doch aber gar nicht darum, gegen irgendwas anzuargumentieren oder mit den Vong-Gefangenschaftserfahrungn "mitzuhalten", was auch immer das bedeuten soll.


Ein klein wenig mehr Kreativität und Einfühlungsvermögen sollte schon vorhanden sein, dass die Gesprächsmöglichkeiten nicht auf ein konfrontativ-unproduktives Zur-Rede-Stellen für eine "böse", dunkle Entscheidung beschränkt bleiben. Wie wäre es z.B. mit einem offenen "Was du da entschieden hast, kann ich nicht unmittelbar nachvollziehen. Würdest du mir deine Beweggründe erläutern?" Diese Vorgehensweise ist ein küchenpsychologischer Basistrick, den alle Erziehenden, Lehrenden und Führungskräfte draufhaben, und die meisten in Jacens Umfeld haben sehr wohl schon erzogen, gelehrt und/oder geführt, von Erfahrungen aus Politik, Diplomatie und Kriegsstrategie mal gar nicht zu reden.





*lol*, das ist ja mal ein lustiges Missverständnis! Mit dem "man" meinte ich natürlich die für die Handlung der Bücher verantwortlichen Personen, mit anderen Worten die Autoren und das LFL-Team. Und Buchautoren sollten auf jeden Fall eine gewisse psychologische Kompetenz haben, um glaubwürdige Charaktere schreiben zu können.


Aber ansonsten traue ich auch den Charakteren offenbar mehr zu als Du (der Nur-Farmboy ist lange her, zumindest die "Mom" braucht einiges psychologisches Geschick, Jahrzehnte im Haifischbecken der Politik sprechen für sich und ohne das kleine Psychologie-Einmaleins kann man sich zwischen Gangstern und Spielern auch nicht so lange und erfolgreich durchschlagen). Und wenn sie nicht klarkommen, gibt es ja immer noch Spezialisten, die man zu Rate ziehen kann.


Ich konnte es ja sowieso noch nie begreifen, dass die Vongkriegs-Traumata nie professionell aufgearbeitet wurden. Meiner Meinung nach sollte psychologische Beratung (durch andere, speziell geschulte Jedi) gerade nach besonders schlimmen Erfahrungen ein selbstverständlicher Begleiter der Jedi sein. Aber die sind ja viel zu cool für sowas - bis es dann so richtig uncool in die Hose geht wie eben bei Anakin, Alema und Jacen...





Puh, das ist mir jetzt ehrlich gesagt zu mühsam. Aber oben habe ich ja schon Maras "Ärger mit Mädchen"-Ausrede genannt und es gab noch mehr solche Stellen, wo ich dachte, jetzt sind sie endlich aufgewacht, und dann haben sie sich doch wieder mit irgendwelchem Blödsinn selbst eingelullt oder von anderen einlullen lassen.





Genau das meine ich doch! Nichts davon ist grundsätzlich falsch, aber es ist einfach zu viel und zu durcheinander.





Richtig, diese nachgeschobene, vermeintliche Auflösung in FotJ hat die ganze Sache noch schlimmer gemacht, weil sie a) auch nicht nachvollziehbarer ist als die anderen Begründungen und b) in all den LotF-Szenen aus dem Jacen/Caedus-PoV keine Berücksichtigung fand.





Ich bin halt der Meinung, dass so ein episch-tragisches Ereignis wie sie Sithlord-Werdung des Enkels von Anakin Skywalker, letzten überlebenden Solo-Sohns und designierten Grandmaster-Nachfolgers keine plot-technischen Schwächen haben sollte...





Ja, das trifft es ziemlich genau. Wie ich schon oben geschrieben habe, so einen Plot kann man machen, aber für mich resultiert daraus eben kein interessanter Bösewicht, und das ist ja der Punkt, um den es in diesem Thread eigentlich geht. :p





Ich würde es Effizienz nennen. Eine besonders brutale Variante der Effizienz. Einen interessanten Bösewicht macht aber auch das in meinen Augen nicht, auch wenn er vielleicht besonders gut zum aktuellen effizienzhörigen Zeitgeist passt.





Man könnte jetzt natürlich Verschwörungstheorien aufstellen, inwiefern Denning sein "Baby" Alema mehr fördern wollte als die Zahn-Kreation Jacen. ;)


Aber ich lass' das mal, da sich hieraus ein anderer, für die Diskussion interessanter Punkt ergibt: Die Bedeutung von Jacens Fall wird auch dadurch geschmälert, dass Alemas gleichzeitig stattfindender Fall so viele Parallelen aufweist. Auch sie hat im Vong-Krieg ein Geschwister verloren, wurde schwer traumatisiert, war lange Zeit MIA, drehte irgendwann durch und wurde schließlich - allerdings nach mehr und engagierteren Bekehrungsversuchen - getötet, um im allerletzten Moment dann noch mal ihr wahres Selbst aufblitzen zu lassen.


Was mit Jacen passiert ist, ist also mitnichten einzigartig, und zumindest für mich ist Alemas Schicksal auch noch glaubwürdiger, nachvollziehbarer und dadurch auch berührender und tragischer. Als sie Jag ihr "Remember us..." einprägte, hatte ich Tränen in den Augen, als Jacen starb, fühlte ich... garnichts.


Natürlich ist eine solche Parallele ein legitimes erzählerisches Stilmittel, aber normalerweise ist der Reiz dabei ja gerade, dass es irgendeinen bedeutenden Unterschied gibt (z.B. räumlich oder zeitlich) und / oder die Stränge irgendwann doch noch auseinanderlaufen, wodurch irgendwas ausgesagt wird. In der Alema-Jacen-Parallele finde ich jedoch nur die Botschaft, dass es egal ist, ob man gar keine Familie mehr hat oder eine, zu der wechselseitig keine Beziehung besteht. :rolleyes:





Es ist offensichtlich eine plumpe Übertragung der Methoden Vergeres, ohne die Methoden Vergeres auch nur ansatzweise verstanden zu haben. Und Jacen, der diese Methoden am eigenen Leib erlebt hat, sollte eigentlich ein gewisses Verständnis dafür entwickelt haben...


(Wobei das reale Problem wohl darin liegt, dass Denning Stover nicht verstanden hat. :p)





Weil er zuvor intelligenter geschrieben worden war.





Das werde ich Dir bestimmt nicht übel nehmen, denn Du hast mich genau richtig verstanden.





Ähem, da hast Du mich wiederum genau falsch verstanden. :p


Ich fand Jacen keineswegs zu wenig wertvoll, sondern ich fand ihn als Figur zu wertvoll, um ihn für diesen Plot zu ver(sch)wenden.


Wie oben ausgeführt, man hat praktisch den gleichen Plot mit Alema vollzogen, und die eher niedrige "Wertigkeit" ihrer Figur war dafür angemessen.


Aber wenn man jemanden wie Jacen zerstört, dann muss da meiner Meinung nach wesentlich mehr 'rüberkommen.


Micah


Gib den zweiten Namen ein: kenobi anakin vader
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