[ Kelada | 10.001 Klicks nördlich von Colina | Steppe | in einem 93-B-Gleiter ]
Faith, Darth Kerbal, Tha'Klen
Faith lehnte sich gegen eine der abgenutzten Rückenlehnen der Passagierkuppel und lauschte dem tiefen Brummen des Gleiters, während er sich in Bewegung setzte. Arlens Stimme hallte durch das Intercom. Sein Tonfall war fast spöttisch, als er auf ihre Bemerkung über seinen Codenamen reagierte. Faith zog ein Knie an und legte den Arm darauf, während sie mit ihren Fingerspitzen über ihr Hosenbein fuhr. Draußen zog die Landschaft in monotoner Melancholie vorbei. Die Steppe hier war sogar noch karger als weiter südlich, das Gras spärlicher, der Boden steiniger und sah hart aus. Immer wieder schauten zerklüftete Felsformationen aus dem Boden. Die dunklen, scharfkantigen Gebilde sahen aus, als hätte sie jemand achtlos aus der Erde gezerrt und einfach liegenlassen.
“Schon klar”, murmelte sie und lächelte leicht, als sie den Schalter erneut betätigte. “JediJunge99 wär’ vielleicht ein bisschen übertrieben gewesen. Nicht ganz zweckmäßig.”
Der humorvolle Moment hielt jedoch nicht sehr lange an. Kaum hatte sie nach Grün-3 gefragt, da wurde Arlens Tonfall deutlich ernster. Faith bemerkte, dass er zögerte, bevor er sprach. Das ließ sie bereits ahnen, was für eine Art Antwort ihr bevorstand. Als sie dann tatsächlich kam, spannte sich ihr Kiefer an. Natürlich. Sicherheitsprotokolle. Abgeschottete, voneinander unabhängige Zellen. Geheimdienst-Kram. Es machte Sinn, war aber trotzdem nicht weniger frustrierend. Sie verstand die Notwendigkeit, Informationen zu beschränken. Je weniger jemand wusste, desto weniger konnte er auch preisgeben. Aber in diesem Moment war das doch nicht nur eine theoretische Überlegung. Da war ein echtes Leben, das auf dem Spiel stand. Wenn er nicht redete, würden sie ihn töten. Und nach ihrer eigenen Erfahrung quälten sie ihn vorher ohnehin, egal wie viel er wusste oder eben nicht wusste. Warum konnte Faith befreit werden? Weil der doofe Zufall es so wollte, dass ausgerechnet ihr in geheimer Mission befindlicher ehemaliger Mitschüler ihr Folterknecht sein sollte? Sie dachte daran, was sie in ihrer Ausbildung gelernt hatte. Zufälle existieren nicht. Die Alternative machte die Padawan noch unruhiger. War sie frei und er in Gefangenschaft, weil die Macht das so vorherbestimmt hatte? Mochte sein, dass dies alles seinen höheren Sinn hatte, aber rechtfertigte dieser, dass Faith sich davon machte, obwohl ein Freiheitskämpfer in genau der gleichen Lage steckte, in der sie sich zuvor noch befand?
Während die junge Frau ihren Gedanken nachging, verdichteten sich draußen die vereinzelten Felsen zu einer hügeligen Landschaft. Sie überquerten gerade einen Fluss an einer Furt, der aus dem Norden herunter floss. Das Wasser sah klar, aber auch eisig aus.
Doch Arlen war noch nicht fertig. Er wich der Frage nach einer möglichen Rettung aus, das war deutlich. Er versuchte es mit Logik und Strategie. Faith konnte nicht einmal behaupten, dass er damit falsch lag. Dennoch ballten sich ihre Finger vor Frustration leicht zu Fäusten.
“Das heißt also nein”, schloss sie. Es war keine Anschuldigung, kein Vorwurf, lediglich eine Feststellung. Sie hörte jedoch selbst, dass Bitterkeit in ihrer Stimme mitschwang. Zwar hatte sie nicht erwartet, dass Arlen sich Hals über Kopf in eine weitere Rettungsmission stürzen würde, aber ein Teil von ihr hatte irgendwie gehofft, dass er zumindest sagen würde, dass es den Versuch wert war. Seine kalte Logik überraschte sie. Als Antwort blieb sie zunächst still und hing weiter ihren Gedanken nach.
Die Stille zog sich einen Moment hin, unterbrochen nur durch das leise Summen der Maschinen und das Heulen des Fahrtwindes, der über die Kuppeln zischte. Faith ließ ihren Kopf gegen die Lehne sinken und starrte an die Kuppeldecke. Draußen war der Himmel relativ klar. Lediglich vereinzelte Wolkenfetzen bewegten sich gemächlich über ihnen hinweg.
Was war es, das sie so wütend machte? Dass Arlen nicht blindlings sein Leben riskieren wollte? Oder, dass er Recht hatte? Oder vielleicht die quälende Erkenntnis, dass sie selbst an seiner Stelle vielleicht genauso entschieden hätte? Sie atmete langsam aus. Sie wusste, dass sie sich in einer Realität befanden, die Opfer notwendig machte und in der sie nicht jeden retten konnte. Aber das hieß ja nicht, dass sie damit zufrieden sein musste.
Sie wusste aber auch, dass dies nicht der richtige Moment war, um diese Diskussion zu führen. Arlen schien dem Pragmatismus erlegen. Er plante längerfristig. Ob es ihr gefiel oder nicht, seine Priorität lag momentan darauf, dass sie nicht geschnappt wurden.
Nach einiger Zeit drückte sie den Schalter erneut.
“Schon gut”, raunte sie leiser. “Du hast Recht. Erstmal müssen wir schauen, dass wir überhaupt in der Lage sind, jemandem zu helfen.”
Sie schnaufte. “Auf diese Statue komme ich nochmal zurück.”
Die junge Frau schloss für einen Moment die Augen und ließ das leichte Schaukeln des Gleiters durch ihren Körper fließen. Vielleicht hatten sie gerade nicht die Möglichkeit, Grün-3 zu retten. Aber sie würde nicht einfach vergessen, dass so jemand da draußen war.
“Ich lasse die Sache nicht für immer auf sich beruhen”, fügte sie nach einer Pause hinzu.
Draußen senkte sich langsam die Dämmerung über Kelada. Die Wolkenfetzen am Himmel schienen sich schneller davon zu bewegen. Nein, ein Wolkenfetzen schien sich dort oben schneller zu bewegen. Und entgegen der Richtung aller anderen.
Sie hob verwirrt den Kopf und tastete blind und hektisch mit der rechten Hand nach dem Intercom-Schalter.
“ARLEN!”
[ Kelada | Entlang des Nordpolarkreises | in einem 93-B-Gleiter ]
Faith, Darth Kerbal, Tha'Klen