Doppeposting (oder so) wegen Zeichenbeschränkung ^^
Fortsetzung aus dem letzten Posting...
Nach drei Tagen der Reise kamen sie im unwegsamen Grenzgebiet zwischen Comshell und Tarleen an. Dichter Wald machte das Vorrankommen kompliziert, unwegsamer, zerklüfteter Boden das finden des Ausbildungsstätte trotz geheimer Karte zu einer kleinen Herausforderung.
Doch gaben bald auch Fußspuren im Moos und Kampfeslärm die Lage des heiligen Ortes preis und als die Gefährten mit ihren Reittieren aus dem Unterholz schritten, war vor ihnen eine gerade mal mannshohe Mauer mit einem kleinen, stählernen Tor zu sehen, hinter dem einige einfache Häuser und eine Kapelle des Gottes Heironeous aufragte.
Nach einem zaghaften Klopfen kam ein verschwitzter und nur in Leinenhose und Leinenhose bekleideter Knabe auf sie zugeeilt und öffnete ihnen das Tor, fragte, was sie hier wollen würden. Kreiia sagte, sie wollten Sir Hagard sprechen. Erstaunt sah sie der Knabe an und fragte, wie sie sie hier her gekommen seien.
Kreiia zeigte auf den Wald und sagte, daß sie zu Fuß und mit Pferden gereist seien, woraufhin sich der junge Mann nur verlegen über die kurzen Haare fuhr und stotterte, daß er dies nicht gemeint hatte; wie hätte die Gruppe vom Standort dieser Stätte erfahren.
Kim meinte nun, daß der Paladin Lantern in der schönen Stadt Dural die Lokation für nur ein Goldstück verraten hätte, was von den anderen sofort und fast schon panisch berichtigt wurde und Kreiia endlich das rettende Losungswort aussprach, das den jungen Paladin doch davon überzeugen konnte, daß es hier mit rechten Dingen zuging.
Er ließ die Gefährten durch das Tor und führte sie zur Kapelle, verschwand dann darinnen, um Sir Hagard zu holen. Auf dem Platz hinter der Mauer waren gerade einige Auszubildende damit beschäftigt, von einem älteren Paladin durch den Staub gejagt, geschliffen und geworfen zu werden und da allgemein bekannt war, daß Paladine sehr wohl die Gesinnung ihrer Mitmenschen fühlen und interpretieren könnten und zudem Jagd auf alles Böse dieser Welt machten, zog sich Liss ihre dunkle Kapuze tief in's Gesicht. Ihre Reittiere banden sie an einem der rustikalen Häuser an und machten sich auf einige Minuten Wartezeit gefasst.
Aber schon trat ein breiter, alternder Mann aus der Tür des heiligen Hauses heraus und blickte die Gefährten mit prüfendem Blick an. Schnell begrüßte ihn Kim und sprach zu Hagard, daß sie im Auftrag von Brugosh Feueraxt gekommen waren und wollte schon fortfahren, als der Hühne auf sie zuschoß und sie am Kragen packte, hochhob und mit donnernder Stimme eine Erklärung verlangte. Woher würden sie diesen Namen kennen? Wer waren sie?
Ulfgar legte seine kräftige Hand schlichtend auf den Unterarm des Paladins und er senkte die nach Luft schnappende Kim hinab auf den Boden. Tief durchatmend meinte er, daß man solche Dinge besser in der Sicherheit von vier Wänden besprechen sollte und fragte dann testend, ob jemand Probleme mit einer Kapelle hätte, woraufhin Liss nur mit einem hellen "hier!" anwortete. Hagard schaute Liss' durchdringend an und Kim, die von ihrer geliebten Schurkin ablenken wollte, meldete sich zu Wort und fragte nach, unter welchem Gott nochmal diese Kapelle stände. War das Pelor? Oder wer...?
Mit zornigen Augen packte Hagard erneut Kim am Kragen und schüttelte sie kräftig durch, während er auf das heilige Zeichen des Gottes Heironeous deutete, das die Fenster der Kapelle zierte, doch wieder beruhigte ihn Ulfgar mit einer kurzen Berührung und einem eindringlichen Blick. Hagard befahl, daß Kim zusammen mit Liss draußen bleiben sollte und führte die anderen in die von Kerzen beleuchtete Kapelle, während Kreiia Ulfgar nur sagte, er solle das Unausweichliche das nächstemal einfach geschehen lassen, während sie auf Kim deutete.
Kim und Liss blieben blinzelnd vor der nun geschlossenen Türe stehen und als Kim ein Ei aus ihrer Tasche zog und fragte, ob Liss etwas Spaß erleben wolle, nickte die Rothaarige grinsend.
In seinem kleinen Schreibzimmer bot Hagard den anderen einfache Stühle an und setzte sich dann selbst hinter seinen Tisch. Genau ließ er sich alles erzählen, was die Gefährten von Brugosh Feueraxt, dem magischen Stein und Sionis wußten und stöhnend fragte er nach, ob der Zwergenkrieger wirklich seinen Teil des Steines in seine Axt gesetzt hatte. Er gab zu, daß dies zu ihm passen würde, auch wenn es eine dämliche Idee gewesen sei. Er selbst zog nun einen roten Steinsplitter unter seinem Leinenhemd hervor, der mit einer Kette um seinen Hals hing und fragte, ob dies wie das Herz der Act Brugoshs aussah. Die Gefährten nickten.
Hagard lehnte sich nach hinten und seufzte tief. Er erklärte, daß man alle fünf Splitter benötigte, um den Höllendämonen Sionis aus seinem Gefängnis zu befreien und nur mächtige Diener des Bösen könnten solche Ziele verfolgen. Aber wer wollte eine solche Plage auf das Land loslassen? Oder ging es nur darum, Sionis anzulocken, um dann mit ihm einen dämonischen Vertrag zu schließen und sich somit jeglichen Wunsch erfüllen können?
Kreiia fragte irritiert, ob dies denn gehen würde, woraufhin Hagard nur in Gedanken versunken nickte. Kreiia starrte in's Leere und ließ ihrer Fantasie freien Lauf... jeder Wunsch und das, indem man einen Pakt mit diesem Höllendämonen einging. Ihre Augen fingen an zu glänzen...
Draußen hatte Liss ein Ei auf die Wand der Kapelle geworden und die beiden lachenden Frauen waren ein Stück weit gelaufen, bis sie feststellen mußten, daß sie eh niemand dabei gesehen hatte. Zudem merkte Liss an, daß ein solcher Streich mit frischen Eiern eh sinnlos war, man bräuchte schon verrottete Exemplare, damit sich die Sache lohnen würde.
Leider konnte Kim keine faulen Eier anbieten und so fassten sie einen neuen Plan: in Sichtweise der trainierenden Paladinschüler stellten sie sich an die Mauer und fingen an, sich mit Zungenküssen und gierigen Händen zu liebkosen.
Dies endete jedoch damit, daß Schreie laut wurden, daß man diese Hexen verbrennen müsse und daß die Sünde aus diesem Wald zu tilgen war. Damit hatten Kim und Liss nun nicht gerechnet und schleunig gaben sie Fersengeld, zu ihrem Leidwesen dicht gefolgt von einer aufgebrachten Horde Heironeous Anhänger.
Inzwischen hatte Hagard eine Entscheidung getroffen: er wollte die anderen Mitglieder seiner früheren Gruppe warnen und die nun hier versammelten Gefährten sollten ihm dabei helfen. Er selbst wüßte, wo Ishira sich zur Ruhe gesetzt hatte und würde auch den Standort der Magierschule von Tania kennen. Seine frühere Kameradin Finjana sei wohl zurück zu den Elfen gegangen. Elenar fragte, ob diese auch einer der Waldläuferinen sei und als Hagard dies bejahte, erzählte sie, daß es in ihrer Heimat Gerüchte und Geschichten über eine allein umherwandernde Elfin mit dem Namen Finjana gebe. Vielleicht war es wirklich Hagards alte Weggefährtin...
Also sollte er Ishira aufsuchen und die Gefährten Richtung Emerald ziehen, wo der magische Turm Tanias stünde. Insofern konnte Zeit gespart und der Wiederkehr Sionis' eventuell verhindert werden. Ulfgar, Kreiia und Elenar willigten ein und baten nur darum, nochmal mit ihren immer noch draußen wartenden Gefährten Rücksprache halten zu können. Sie schritten nach draußen und sahen keine Liss, keine Kim, keine Oselle, keinen Scirocco... und auch keine übenden Paladine.
Kim und Liss liefen immer noch durch den Wald, die Paladine langsam aufholend. Oselle und Scirocco hatten sich bereits in die Lüfte erhoben und waren der Gefahr so ausgewichen, doch hatten die beiden Frauen wirkliche Probleme, die gut trainierten Kämpfer abzuhängen.
Dann drang ein überwältigender Geruch nach Schimmel und Fäulnis an die Nasen der beiden Flüchtlinge heran und lautes Knacken durchbrach die Geräuschkullise des Waldes. Die Paladine, die die Frauen beinahe eingeholt hatten, blieben mit großen Augen stehen, stießen Stoßgebete und Flüche aus und rannten dann zurück in Richtung des Ausbildungsstätte. Kim machte augenblicklich Kehrt und lief den Kriegern hinterher, während Liss noch wie erstarrt dastand und versuchte, etwas zu erkennen. Kim rief ihr panisch zu, ihr zu folgen.
Dann brach ein gewaltiges Wesen aus dem Dickicht und brach mit einem einzigen Schritt einen dicken Baum aus dem Boden. Über fünf Meter war der sich bewegende Kadaver hoch und seine muskulösen Arme und Beine waren mit verrosteten Rüstungsteilen besetzt. In seinen riesigen Pranken hielt er zwei zackige Knochengriffe, an deren Enden Ketten hingen, die je eine menschenkopfgroße Kugel mit spitzen Dornen zierte. Der Kopf des Kadavers war grässlich anzusehen, seine Augen und der Mund grobschlächtig vernäht, seine Ohren abgeschnitten, das fleckige Haupt durch einen angenietete Helm weiter verstümmelt. Fauliges Wasser tropfte aus den vielen Stellen, wo sich die Haut zurückgeschoben hatte, um graues Fleisch zu zeigen, das Fliegen in Scharen anlockte.
Allen Mut zusammen nehmend erhob Liss ihre Hände und forderte das untote Ungetüm auf, nun ihrem Worte zu gehorchen, doch schritt der Kadaver nur mit zwei riesigen Schritten auf sie zu und splitterte mit einem Schlag eines geschwungenen Morgensternes einen in der Nähe stehenden Baum.
Hagard und Trudwin standen auf einem der Übungsplätze des Ordensgehöfs, ihr Ausbilder nur wenige Schritte vor ihnen. Erst vor einigen Stunden hatten sie sich kennen gelernt, durch das Schicksal und die Ideen ihrer Eltern zusammengeworfen und nun unter dem wachsamen Auge der Heiligen des Gottes Hieroneous. Was würde auf die beiden zukommen? Nur die Zeit könnte dies verraten...
...Hagard stand mit gespreizten Beinen und dem Holzschwert in der Hand gegenüber seinem neuen besten Freund und grinste ihn durch die mit Schweiß an sein Gesicht geklebten Haarsträhnen an. Trudwin beantwortete dies mit einem sardonischen Grinsen seinerseits, blickte kurz und nur mit einer schnellen Augenbewegung über die Schulter Hagards, schoß dann wie ein Pfeil auf den nun abgelenkten und sichtlich überraschten Jungen zu...
...mit schmerzenden Gliedern, aber einem wohligen Gefühl im Leib, lagen die beiden Knaben auf den harten Liegen des Ordensgehöfs. Seit vielen Monaten teilten sie sich nun eine Stube und angenehm war die Anwesenheit des jeweils anderen. Hagard ließ einen tiefen Seufzer über seine Lippen fahren und flüsterte Trudwin über das allnächtliche Sprechverbot hinweg zu: "Freunde für immer?"
Trudwin antwortete mit einem Nicken seinerseits und den Worten: "Für immer!"...
...schwer harkten die Ork-Banditen auf die Getreidekarawane ein und der Schnee fiel wie ein dichter Vorhang auf die alte Heide, die im Halbdunkeln des Winternachmittages mit dem dampfenden Blut der Kämpfenden getränkt wurde. Rücken an Rücken standen Hagard und Trudwin in der Mitte des Ansturmes und hieben mit ihren Waffen auf jeden der behaarten, hässlichen Köpfe, der sich zu nahe an sie und die in der Nähe kauerten Händler wagte, ein.
Hagard hatte bereits mehrere Pfeile in den Ritzen seiner Schulterpanzerung hängen, doch der heiße Schmerz spornte ihn nur noch mehr an und über den Kampfeslärm hinweg rief er seinem Freund zu: "Es ist ein guter Tag für dieses Gezücht, durch unsere Klingen hier zu fallen. Findet Ihr nicht, Trudwin?"
Mit einem lauten Lachen durchtrennte sein Gefährte die Luftröhre eines großen, bulligen Ork-Plünderers und antwortete dann: "Für Wahr, Hagard Lichtbringer. Doch dies nenne ich noch keinen Kampf. Dies ist ein Spiel für Lehrlinge, nicht für Gotteskrieger. Doch eines Tages werden wir zusammen auf dem Schlachtfelde stehen und das Auge des Herren wird auf uns ruhen, solch ein Schauspiel werden wir ihm bereiten!"
Hagards begrüßte dies mit einem gellendem Ausruf und erschlug zwei Orks...
...tief war die Schlucht, in die Trudwin gefallen war und benommen standen die müden Kämpfer hoch auf der Klippe und starrten fassungslos auf den verdrehten Körper, dessen Leben zwischen die scharfen Steine in den Schatten floß.
Hagards Gesicht war in seinen Händen begraben und selbst der schwere Griff Golachs auf seiner Schulter konnte seinen Schmerz nicht lindern. "Wir müssen uns sputen. Keine Zeit, seine Leiche zu bergen, wenn der Dämon wirklich seinen Fuß in diese Welt gesetzt hat," flüsterte der Kleriker dem Trauernden zu. "Wir müssen gen Cruhn reiten, um Arowyn Kund zu tun, daß der Dunkle sein Gesicht offenbarte."
Langsam nickte Hagard, warf einen letzten Blick auf seinen toten Freund und schritt dann zu seinem Schlachtroß, das schon erwartungsvoll mit den Hufen scharrte. Sollte der Dämon nur ernten, was er zu sähen gedachte...
...langsam erwachte Trudwin aus der Schwärze des Nichts. Eine Stimme in seinem Kopf summte wie ein ferner Bienenschwarm und säuselte ihm Worte in die Gedanken, die er nicht verstand, die jedoch alle Erinnerungen an sein vorheriges Leben stahlen. Vorsichtig richtete er sich auf und hob seine Hand zum Gesicht. Eine riesige Klauenpranke öffnete und schloß sich vor ihm und mit einem grollenden Schnauben, das langsam in ein zorniges Brüllen umschwang, teilte er der Welt mit, daß nun seine Stunde gekommen war.
Er war nicht mehr Trudwin Hammersang, kein Paladin eines schwachen Gottes... nun war er mächtig und diente nur noch den Stimmen, die seine Glieder mit Kraft besprachen.
Er war der Todesbringer!
Fortsetzung im nächsten Posting...