[Tizon - Stratosphäre - Innenraum eines Lamdba-Klasse Shuttles] Captain Aurelian Julius - Legat Ciril Keytan, einige Sturmtruppen]
Der Innenraum des Lambda-Shuttles kam Captain Aurelian Julius so bekannt vor, als wäre es sein eigenes Zimmer, und wenn er genau überlegte, konnte es sogar gut sein, dass er mittlerweile mehr Zeit in imperialen Raumschiffen verbracht hatte als jedem der vielen Apartments, die er seit dem Beginn seiner Karriere bei der Imperialen Armee bezogen hatte. Die Lambda-Klasse war seit vielen Jahren ein Aushängeschild des Imperiums mit ebenso symbolischem Wert wie die ikonischen AT-AT-Kampfläufer oder auch die TIE-Fighter der Flotte. Zusammen mit dem auf Bastion zusammengestellten Führungsteam hatte er die Fähre vor wenigen Minuten an Bord des Sternzerstörers „Lupus“ betreten und würde in ebenso kurzer Zeit endlich seinen für die nächsten Monate auserkorenen Bestimmungsort, die Welt Tizon, betreten.
Die Reisezeit von Bastion aus hatte er genutzt, um den mit ihm abgestellten Imperialen Legat Ciril Keytan, auf dessen Arbeit er nicht unwesentlich angewiesen war (wie dieser auf seine), besser kennenzulernen. Der Legat war deutlich angenehmer, als der Captain es vermutetet hatte, auch wenn sie persönlich wohl eine Menge trennte. Auch wenn Aurelian die Konventionen und Förmlichkeiten der hochgestellten Funktionäre aus Offizierskorps und Politik, zu denen der Legat sich zweifellos zu zählen versuchte, durchweg beherrschte, war ihm in dem ein oder anderen Gespräch aufgefallen, wie verroht er durch die Jahre im Feld geworden war. Wenn Laserstrahlen und Schrapnelle links und rechts um einen einschlugen, jede Sekunde der Tod eintreten könnte und man Tag für Tag vertraute Gesichter leblos im Schlamm sah, ging schnell in Vergessenheit, wie sauber und formal die Welt für einige (einst auch für ihn) doch war. Dem Legaten musste dies ebenso bewusst geworden sein, als er ihm von den Erlebnissen auf Denon und Corellia erzählte, die Namen toter Soldaten nannte und in wenigen Sätzen seine Eindrücke schilderte, verließ er die Gespräche doch meistens etwas nachdenklich, auch wenn er immer wieder aufs Neue interessiert war. Ciril Keytan hatte für einen Mann ohne allzu adlige Herkunft einen respektable Karriere hingelegt, und aus den vielen Unterhaltungen hatte Aurelian mitgenommen, dass er sich erst am Anfang seiner Laufbahn sah, die ihn bis weit nach oben führen sollte. Am Anfang hatte er dies als etwas übermütigen Ehrgeiz abgetan, und auch jetzt hielt er die hochgesteckten Ziele für einen Mann seines Standes ein wenig übertrieben, aber der Legat strahlte ein Potential aus, welches er nicht verleugnen konnte. Neben dem Wissensschatz, den der Legat an ausgewählten Stellen durchblicken lies, wirkte er wie jemand, der absolut überzeugt von seinen Idealen war, jemand der absolut hinter seiner Arbeit für das Imperium stand. Mit dieser Überzeugung meinte er noch nicht einmal vaterländischen Eifer für das Imperium, auch wenn er das wohl offen nicht sagen konnte. Es war viel eher ein nüchterner Pragmatismus, dem sich Keytan zu verschrieben haben schien, ein Kodex, nach dem er stets das Richtige für sich und seinem Dienstherren zu tun gedachte, da Letzterer seinen Aufstieg und eine Ordnung garantierte, in der er sich entfalten konnte. Vielleicht verspürte er sogar wirklich eine tiefere Treue für den Imperator und sein Reich, aber bisher wirkte eher wie ein abgeklärter Karrierist mit klaren Grundsätzen, doch ohne Arroganz und Überheblichkeit, wie so viele seiner Amtskollegen teilten. Aurelian konnte sich mit dieser Denkweise irgendwie identifizieren, auch wenn er sie ein Stück weit für gefährlich hielt, wenn der Falsche sie als solche erkennen würde. Dass der Legat ihm diese offenbart hatte, denn er war sich sicher, er hätte sie auch verstecken können, wertete der Captain als eine Art Vertrauensbeweis, angesichts der kurzen Zeit ihrer Bekanntschaft sogar als Vertrauensvorschuss. Er hatte nicht vor, dieses Vertrauen mit Füßen zu treten, und wer wusste schon, ob sich eine solche gute Beziehung nicht irgendwann als sehr kostbar herausstellen würde.
„Captain Julius, in wenigen Augenblicken erreichen wir den Landeplatz. Die Bodenkontrolle hat bereits angekündigt, dass ein Empfang bereits auf uns wartet“, riss ihn der Pilot aus seinen Gedanken.
Dem Briefing nach war ein Sergeant Gilad Pellaeon neben Major Finn Tellios vom 117th Linien-Battalion für die lokale Sicherheit sowie die Ausbildung des Regiments verantwortlich; sie beide würden Teil des Empfangs sein, ebenso wie einige Vertreter der Bevölkerung und die leitenden Beamten der Verwaltung. Es war absehbar, dass sie einen Großteil der ersten Tage damit verplempern mussten, Hände zu schütteln und Präsenz zu zeigen, aber es gehörte eben dazu und war vor allem wichtig, um deutlich zu machen, dass das Imperium hier nun mit voller Aufmerksamkeit aktiv war. Er wollte mit Sicherheit nicht, dass skeptische und aufmüpfige Individuen in wichtigen Positionen ihm von der ersten Stunde an das Leben schwer machten; das konnte später auch so noch passieren.
Als das Shuttle langsam aufsetzte, erhoben sich der Captain sowie der über den Flug hinweg schweigsame Legat (sie hatten sich vorab gut abgesprochen), in stiller Erwartung auf das Herabsenken der Ausstiegsrampe und dem Beginn der nächsten Episode ihrer beiden Karrieren.
[Tizon - Stratosphäre - Innenraum eines Lamdba-Klasse Shuttles] Captain Aurelian Julius - Legat Ciril Keytan, einige Sturmtruppen]