Es ging also sehr schnell und schneller als ich es vermutet hätte - demnach sollte man auch für Episode IX größere "Charakter-Sprünge" mit einkalkulieren und wenig als gesetzt betrachten.
Defintiv .Ich werde auch versuchen für alle Optionen und Möglichkeiten offen zu bleiben.
@Saquesh
Sehr cleverer Beitrag! Du hast das ziemlich genial analysiert; vor allem den Teil mit Luke Skywalker. Das erinnert mich erneut daran, dass manche Ansätze im Film mit die stärksten der ganzen Saga waren - könnte ich doch nur mit dem gesamten Film so zufrieden sein...
Das freut mich zu hören. Ich bin auch nicht komplett glücklich mit dem Film,aber ich behaupte mal das das Luke Rey Kylo Dreiecksverhältnis zu den tiefgreifendsten Sachen gehört die die Star Wars Filme hatten.Falls Interesse besteht würd ich auch noch Max Frisch Text über das Bildnis lesen,über ihn bin ich insbesondere auf das Thema gestossen.
https://genius.com/Max-frisch-du-sollst-dir-kein-bildnis-machen-annotated
Gerade auch die Lukeprojektion und das Machtband ist richtig genial gemacht und vielschichtig interpretierbar.Ich lese da zB auch Ansätze von Platons Ideenlehre heraus .Die Lukeprojektion ist die Reinform der platonischen Idee ,das Ideale ,Unerreichbare ,die Idee der Jedis,des perfekten Jedis ohne Verfehlungen gegen die Unvollkommene Wirklichkeit in der sie ein Werkzeug des Bösen geworden sind. Man kann noch viel mehr rauslesen.
http://platon-heute.de/ideenlehre.html Hier kommt auch wieder das Band ins Spiel. Wieder nur eine Projektion einer idealen Welt in der sie zusammen leben ,arbeiten was auch immer können, zerbrochen am Willen der Macht. Jap, ich meine damit Nietzschen Willen zur Macht. Auch Nietzsche kann ich in Ansätzen insbesondere bei Luke finden. Nicht nur die berühmte nietzscheianische Beschwörung des Todes der Religion sondern auch eine Metamorphose vom apathischen,konfliktscheuen letzten Menschen(vielleicht auch deshalb der Filmtitel) zum ideelen Übermenschen.Überhaupt die Übermenschenthematik ist eigentlich sehr stark verankert in der Mythologie von Star Wars.
Ansonsten gibt es noch ein anderes philosophisches Thema ,das insbesondere Dreiecksverhältnis betrifft und man anschauen muss um die Charaktere zu verstehen.Ich habe schon in einem anderen Thread erwähnt eines der anderen Motive und Themen im Film und sicherlich auch generell in Star Wars ist der Kampf gegen seine eigenen Dämonen. Kylo wurde als Antiluke aufgebaut. Das ist tatsächlich auch sehr schön gemacht worden.Nicht nur dadurch das er eben seinen Vater umbringt und bei seinen leiblichen Eltern lebt sondern auch das der junge Ben beim alten Luke in Obhut kommt. Das gipfelt sich dann darin das sein Onkel ihn vorzeitig versucht umzubringen und er dann schließlich den Thronsaal überlebt und den Platz vom gestürzten Imperator einnimmt. Kylo ist ohne Zweifel Lukes innerer Dämon und sein schlimmster Albtraum,der Albtraum das er Vader erschaffen hat oder ist lebt durch ihn weiter.Am Ende stellt er sich ihm dann ja auch tatsächlich,als er die wahren Lehren der Jedi aufgenommen hat. Kylos innerer Dämon ist nicht Snoke. Das wurde auch clever aufgebaut. In TFA projizierte er sich noch als weiser Mentor der dunklen Seite und in TLJ nimmt er dann endgültig Gestalt an und zwar enstellt ,er ist damit zum einen Projektionsfläche für die reine dunkle Seite und entspricht ungefähr dem Archetypen einer entstellten dämonischen Gestalt ,sondern ist auch für die FO ein Ersatzimperator. Aber sein Tod ändert nichts . Kylo ist immer noch er selbst,weil das nicht sein Dämon ist,wie schon erwähnt ist Kylo Rens Dämon Ben Solo, die Angst das die helle Seite wieder nach ihm ruft ist immer präsent. Ben Solos Dämon ist Kylo Ren. Der Konflikt ist mit Snokes Tod noch lange nicht aufgelöst,er war ebenfalls nur eine Projektionsfläche.
Reys innerer Dämon ist wohl erst mal sie selbst.Dafür ist der Spiel gut geeignet. Er zeigt nicht nur womöglich unser Selbstbild sondern kann auch ein Zerrbild der Realität sein. Bei Rey ist es auch insbesondere, das sie keine vorgegeben Vergangenheit und auch keine Zukunft hat,da ist nichts außer sie selbst.Das bedeutet sie hat zunächst keinen Anhaltspunkt warum sie was tun sollte ,außer einen losen Moralkodex.Das resultiert in der Konfrontation das sie zugeben muss das ihre Eltern niemande waren und sie damit auch sogesehen ein Niemand ist. Das heißt die Suche nach einem Rudel muss weiter gehen. Der Widerstand bietet zwar moralisch gleichen Grund ,aber sie wird andere Jedis brauchen. Vielleicht in Lukes Schüler aber ich würd sagen die sind schon verdorben und werden ihr dann Teppich unter den Füßen wegziehen.Damit wurde auch der Gedanke der in TFA geteigt wurde das womöglich Kylo ihr Nemesis und Dämon ist wiederlegt ,oder eigentlich eher gleich wieder im Film selbst (TFA) endgültig gelöst.Wobei Rey natürlich auch den Vorteil hat das sich ihre Dämonen teils direkt vor ihr visualisieren.Dadurch das sie auf einer Welt wie Jakku aufgewachsen ist,ist sie jeden Tag mit dem schlechtesten was die Leute zu bieten haben konfrontiert. Sie reagiert darauf aber nicht indem sie sich anpasst sondern indem sie sich abschottet und in ein Schneckenhaus zurückzieht und eine Maske aufsetzt sei es in Form eines Helmes oder in Form von Lügengeschichten oder blinder Naivität. Allerdings muss man dabei auch bedenken das sie dabei trotzdem ihre Erfahrung aus Jakku einfließen lässt.Sofort zu unterscheiden wer Freund oder Feind ist ist lebensnotwendig,genauso wie jegliche Kooperations und Überlebensmöglichkeit anzunehmen.
Bei Finn wäre Phasma wohl der Dämon,als perfekter Sturmtrupp,Anführer der Soldaten und vielleicht noch in der Entführung verwickelt gewesen.Bleibt nur noch er selbst und seine Flucht und Ablehnung der Vergangenheit ,bzw. sein andres Ich,der Sturmtrupp.
Poes innerer Dämon oder eher Albtraum ist Holdo. Holdo ist stark antithetisch zu Leia. Beide sind Aristokraten ,Leia ist aber eher eine Frontfrau,rüstig und ständig für ihre Leute da. Holdo ist eher jemand der einen zum Tee einlädt,zurückgezogen und herablassend ,aber trotzdem eine hochrangige Militär. Ich würde darin auch teils einen Republik gegen Widerstand Konflikt lesen.Poes Motivation die FO zu bekämpfen ist davon natürlich unbelastet weil ihm das direkt schon Kind auf in die Wiege gelegt wurde.Es wird sich zeigen ob er jetzt zum Extremist wird oder gelernt hat den Mittelweg zu gehen.
Das sind alles Sachen die man wohl berücksichtigen sollte denk ich wenn man jetzt die Charakterentwicklung für Teil neun in Angriff nimmt. Es gibt da noch einige andere Sachen die man berücksichtigen muss ,insbesondere die salomonsche Teilung des Lichtschwerts und die religiösen Motive die sich durch beide Filme ziehen,ich versuch das später zu machen,zusammen mit der Neuinterpretation des FO vs Widerstand-Konflikt um möglichst einem generischen Konzept aus dem Weg zu gehen.
^ Nun die Prophezeiung ist wohl mehr oder weniger Canon und Anakin ist ein Prophet der Macht. Luke vermutlich auch und Kylo vielleicht ebenfalls oder zumindest stark besselt mit der Macht. Es gibt auch schon in TFA einige religiöse Anspielungen.Kylos Outfit ist wenn mich nicht alles täuscht lose an Kreuzrittern angelehnt, sein Kreuzschwert natürlich auch und natürlich sein eigener Ritterorden. Wichtig ist dabei noch das das der Punkt ist wo das Schwert zum Artefakt wird. Aber noch interessanter ist wohl wie TLJ das weiterspinnt. An dem Punkt wird nämlich spätestens Vader sinnbildlich für eine Art Erbsünde für die die nachfolgenden Generationen büßen müsen . Gerade Kylo leidet ziemlich unter dem Gedanken wie es scheint das er alles schlechte geerbt hat und mithin für alles was passiert ist leiden muss und damit reagiert es gar nicht erst zu versuchen etwas gutes zu tun .Leias schlecher Umgang mit Vader und insbesonderes Lukes dogmatischer Umgang mit der dunklen Seite tun ihr übriges. Wie in einem anderen Thread erwähnt liegt hier mithin der Knackpunkt. Seine absolute Angst und Dämonisierung führt zu seinem Untergang weil er etwas unmenschliches verlangt. Der Imperator instrumentalisiert das geschickt indem er ihm einredet wenn er seinen Hass verwendet oder überreagiert würde er fallen. Vaders Schatten liegt immer über ihn,auch wenn er seine mechanische Hand verbirgt. Dieser unoffene Umgang hat ihn direkt regressiv werden lassen und niemals Kylo helfen können ohne ihn gleich zu verteufeln oder zu isolieren. Erst gegen Ende kann er sich seine Versündigung eingestehen und geht auf seine Fehler zu. Abgesehen davon hege ich noch immer den Verdacht das Snokes Größe lose an der Figur des Goliath angelehnt ist ,entgegen meiner Erwartung übernimmt dann Kylo eine Davidähnliche Rolle und wird König seines Reiches. Zudem erwähnte jemand mal lose Parallelen zur Spaltung des Meeres und dem Steineheben. Möglich,zumindest ist das Führen des Widerstands auf den Falken schon eine interessante Parallele .Ich schließe deshalb nicht aus das wir eine Art gelobten Planeten finden werden in Teil neun oder ein Teil des Plots um die Suche nach diesen geht. Anch-To würde sich da gut anbieten, ich sehe das jetzt schon als eine Art sicheren Hafen und Heiligtum .Nicht auszuschließen das es dann im nächsten Teil um die Vertreibung und Zerstörung jenes geht,wobei wir einen zerstörten Tempel schon in TFA hatten.Und ja natürlich das Skywalkerschwert das sich in zwei Hälften spaltet,ich sehe starke Anleihen an die biblische Geschichte um die Teilung des Kindes,nur diesmal waren beide tatsächlich zu stur.
Unterm Strich gehe ich sehr stark davon aus das uns wieder das ein oder andere religiöse Motive begegnen wird oder gar eine lose Handlungsparallele bestehen wird.
Überhaupt der Plot von Teil sollte etwas sehr simples und einfach gehaltenes sein. Das Zwischenmenschliche und die Interaktion sollten ähnlich wie in TFA den Hauptteil bilden.
Anbieten könnte sich dabei wieder ein McGuffin.Sofern Leia schon tot ist würde ich die Suche nach ihren Erbe nicht ausschließen.Letzendlich geht diese Trilogie auch um das Skywalkererbe. Ansonsten würde sich vielleicht diesmal statt einer Verfolgung eine Belagerung anbieten.So etwas würde ähnlich wie die Verfolgung in TLJ recht gut anbieten die angesprochenen Stärken und Schwächen der Charaktere richtig auszuspielen und sie nicht nur Richtung Finale zu schieben.
Das hängt aber auch davon ab wie der Konflikt aussehen wird. David Goliath Reverse würde jetzt nicht mehr passen,zwei gleich große Parteien wäre stark aufgesetzt,lieber das klassische David gegen Goliath. Aber lieber einen sehr kleinen,zusammengeschrumpften Goliath ,damit das ganze persönlicher wird. Was also die Antagonistenfrage betrifft so würd ich zunächst beim dualen System bleiben. Nur denke ich nicht das das wieder mit der totalen Zerstörung der FO enden muss. Eher kann die FO parallel zu Kylo langsam die Seite wechseln,bis sie am Ende ein zahnloser Tiger ist. Ich spreche mich dabei auch gegen das Einführung einer neuen Figur ein oder das unnötige Vergrößern von Randfiguren. Viel mehr würde ich mich dabei an Endzeitdramen und postapokalyptischen Werken orientieren. Namentlich Walking Dead,Fear the Walking Dead, Logan und Mad Max .Die ersten beiden haben die meiste Zeit (bei Walking Dead zumindest als die Serie noch gut war) keinen richtigen Antagonisten außer endlose Zombiehorden und eben das Zwischenmenschliche. Die letzten beiden haben zwar Antagonisten ,aber nur als Randfiguren.Der Schwerpunkt liegt bei den Figuren und mit ihnen gemeinsam auf eine Reise zu gehen. Ich spreche mich deshalb dafür aus den Schwerpunkt auf die Militärmaschinerie der FO zu legen und zu zeigen mit was für beeindruckender Technologie und Militärischer Allmacht sie unsere Helden jagt ,während wir diese miteinander inteagieren und auf die schwere Situation reagieren sehen. Hux kann dabei problemlos als Randfigur auftauchen, aber eingekesselt von ähnlich denkenden Militärs am besten. Kylo ,ja ,ist da irgendwo zwischen den Stühlen wie die meiste Zeit. Aber sicher nicht der Hauptgegner. Und sollte Disney nicht den Wunsch haben ihn umzubringen um die Skywalker aus dem Weg zu haben und ihre eigenen Sachen groß zu machen so denk ich das wir ihn entweder im Exil sehen oder ähnlich wie in TDKR mit einem Scheintod womit er ein komplett neues Leben anfängt.Aber die Sache sollte auf jeden Fall zu Ende sein,keine Sachen mehr in der Schwebe oder ähnliches,einfach ein sauberer Schlussstrich.