Es ist für die meisten Leute wohl wirklich zu kompliziert, zu verstehen, dass "erlaubt sein" nicht gleichbedeutend ist mit "ungefährlich sein". Dass es bei vielen Dingen nicht darum geht, dass sich
der Einzelne nicht anstecken kann, sondern dass im Fall der Fälle die Ansteckungen zahlenmäßig überschaubar und persönlich nachverfolgbar sind, so dass man hofft, dass die Verbreitung nicht außer Kontrolle gerät, wenn man es erlaubt.
Soviel übrigens auch zum Thema "Eigenverantwortung", nach der ja viele Corona-Verharmloser bzw. "Grundrechts- und Freiheitskämpfer" gerne rufen. Es funktioniert einfach nicht, dass die Leute von sich aus sagen, OK, ich darf jetzt zwar wieder andere treffen, aber ich beschränke mich sowohl in der Häufigkeit als auch im Gesamt-Personenkreis und sorge dafür, dass durch die Umstände wie Abstand und Draußen das Risiko so weit wie möglich minimiert wird.
Stattdessen läuft es in der Tat so, wie hier schon von euch beschrieben, man trifft den und die, geht auf diese und jene Feier, fährt da- und dorthin und das wird von Woche zu Woche immer mehr und mehr, denn es ist ja bisher nichts passiert, also fühlt man sich sicher. Keiner denkt daran bzw. versteht, dass man das Risiko damit kumuliert und kumuliert und kumuliert und sich außer den Leuten, die man direkt trifft, auch gegenüber all den Leuten öffnet, die die wiederum getroffen haben.
Das Blöde ist, anders als mit neuen ganz strikten Kontaktsperren und Veranstaltungsverboten wird man das nicht in den Griff kriegen, und das ist natürlich wirklich ein schwerer Hammer. Es wäre ja nicht zu kontrollieren, wenn als "mildere" Variante jeder einen festen Personenkreis von 10 regelmäßig treffen dürfte oder einmal im Monat zu einer Feier gehen dürfte oder ähnliches.
Es ist echt zum Mäuse melken.. Der Onkel meiner Freundin feiert Ende August mit ca. 60-70 Leuten seine Hochzeit. Meine Freundin möchte verständlicherweise gerne dahin, ich musste ihr die Tage dann erklären, dass ich nicht mitkommen werden.

Ich fühle mit Dir! Wir hatten ja auch eine Einladung zu einer Hochzeit für das nächste Wochenende, und ich war
so erleichtert, als wir uns, durchaus nach schmerzlichem Ringen, einigen konnten, dass wir absagen. Insbesondere, nachdem wir erfahren hatten, dass es keine überschaubare und halbwegs kontrollierbare Feier im Familienkreis wird, sondern eine richtig fette Party mit DJ und Tanz.
Abgesehen von unserer Nicht-Teilnahme kann ich es nach wie vor nicht fassen, wie man so wenig Verantwortungsgefühl haben kann, sowas im Moment überhaupt zu veranstalten...
Aber noch absurder: Wir wollten dann wenigstens zum Standesamt kommen, um zu gratulieren. Es hat sich jedoch herausgestellt, dass das Paar eine Erklärung unterschreiben musste, dass es dort keine Ansammlungen oder Aktionen gibt. Aber im Privaten ist eine Feier (ich glaube, bis 100 Personen) ohne jede Regeln erlaubt, außer, dass man weiß, wer da war. Wo ist denn da die Logik?
Micah