TomReagan
weiser Botschafter

JOST KAISER | POLITIK
Linke für Frauenversklavung
Ein desaströses politisches Wochenende
Samstag ist der Tag, an dem man sinnvolle Dinge tun kann. Man verschläft einfach den Nachmittag. Man hört die Bundesliga-Konferenz im Radio. Man stürmt ein neues Berliner Einkaufszentrum bis die Polizei kommen muss und kauft sich dort "Black Hawk Down" für vier Euro. Das Leben hat so viele tolle Möglichkeiten.
Andere haben anderes vor am Samstagnachmittag. Zum Beispiel dafür zu demonstrieren, dass Mädchen in Afghanistan nicht mehr in die Schule gehen dürfen. Oder dass endlich wieder Hinrichtungen im Fussballstadion von Kabul stattfinden können. Oder dass dekadenter Indien-Pop, ja dass überhaupt alle Musik in Afghanistan wieder verboten wird.
Die Demonstration "Frieden für Afghanistan – Bundeswehr raus" trat für all das ein. Die Teilnehmer – eine gespenstische Ansammlung von DKP und Linke-Leuten und ihre üblichen Hilfstruppen aus GEW-Lehrern, ATTAC-Studenten, verwirrten Gymnasiasten mit Wursthaaren auf dem Kopf, Chavez- und Castro-Fans, hysterischen protestantischen Omas und SED-Nostalgikern – würden das so natürlich nicht sagen. Aber sie meinen es so.
Denn wie ein Rückfall Afghanistans in die Barbarei verhindert werden soll, außer mit der Waffe in der Hand, das wird man auf solchen Veranstaltungen niemals erklärt bekommen.
Wir müssen endlich oder wieder mal zur Kenntnis nehmen, dass hinter all dem hochmoralischen Gedröhne der Linken nichts anderes steht als ein Zynismus, der über Leichen geht. Die Bürgersöhne und Töchter, die sich als hochmoralische Gegner "des Krieges" an sich geben, wollen sich in Wahrheit in eine eingebildete deutsche Idylle träumen, in der wir nichts zu tun haben mit dem, was sonst so vor sich geht in der Welt. Es ist ihnen egal. Es geht ihnen um Ruhe. Ihre eigene natürlich. Sie glauben, wer nichts tue, würde auch nicht schuldig.
Dabei kennt jeder Laien-Jurist die Schuld durch Unterlassung.
Dass die Linke also nicht für Emanzipation und Freiheit, sondern für Versklavung demonstriert, diese Bankrotterklärung beweist erneut, wie weit es mit dieser Linken gekommen ist.
Meistens haben sie eine Fahne ("Pace"), denn sie sind besoffen von der eigenen Existenz als guter Mensch. Dieses Gefühl ist ihnen viel wichtiger als das Schicksal von Menschen in Afghanistan oder anderswo. Die Demonstration am Samstag erhüllte erneut die fiese Fratze von Wohlstandsbürgern, denen jede Fähigkeit abgeht sich mit etwas anderem zu beschäftigen als ihrem Seelenkitsch. Die ihre Dummheit auch noch zur Schau stellen, eine Dummheit, die darin besteht zu glauben, der Friede auf Erden würde schon kommen. Wenn man ihn nur oft genug mit "Pace"-Fahnen fordert.
Damit sind sie das, was sie anderen so gern vorwerfen.
Denn genau dies, das Ausblenden der Welt, die zusammenphantasierte Idylle mit festen, unverrückbaren Glaubenssätzen ("No war!") – das ist der Tabestand des Kleinbürgerlichen, des Spießers.
Spießer und dumpfe Kleinbürger erkennt man heute daran, dass sie "Pace"-Fahnen schwenken.
Dann folgten am Samstag auch noch die Grünen. Die Strategie der Parteiführung, den Afghanistan-Einsatz in zwei Komponenten aufzuspalten, den guten Aufbau-Einsatz (ISAF) und den bösen Ami-Krieg ("Operation enduring freedom") ist ihnen um die Ohren geflogen. Zu Recht, weil diese Aufspaltung verlogen ist.
Es gibt keinen Wiederaufbau Afghanistans ohne flankierenden Antiterror-Krieg. Das Verlogene dabei ist, dass auch die Bundesregierung diese Wahrheit nicht kommuniziert und dass wir die Drecksarbeit die Amerikaner allein machen lassen, um unser gutes Gewissen als "Friedensmacht" zu behalten.
Das Misstrauen der "Pace"-Deutschen gegen deutsche Aufklärungs-Tornados ist hoffentlich berechtigt. Hoffentlich gibt es wirklich die Weitergabe von Aufklärungsbildern an die Amerikaner. Alles andere wäre widersinnig.
Die Grünen versuchten mit diesem Rest-Anti-Amerikanismus (böser Antiterrorkrieg, gute deutsche Aufbauhelfer) wenigstens die Zustimmung der Partei zu ISAF zu retten.
Mit der gestrigen Abstimmungsniederlage sind die Grünen geistig im Lager der Zyniker um Linke, Attac und DKP angekommen. Man kann nur hoffen, dass sie sich dort wohl fühlen.
Das große Verdienst der Grünen war bisher, dass sie als einzige Gruppierung, die ihre Wurzeln bei den Linken hat, eine wahrhaftigere Definition dessen probiert haben, was Emanzipation und Eintreten für die Freiheit heute heißen kann.
Es hieß nach dem 11. September 2001 die Befreiung Afghanistans von der Barbarei. Das war LINKS und nicht das, was die angebliche LINKE heute will.
Auf die Linke soll man keine Hoffnung mehr setzen. Lasst sie uns vergessen.
Jeder noch so kleine Bundeswehrsoldat, der in Afghanistan einen Stempel auf Feldpostkarten drückt, ist ein größerer Held im Kampf für Frauenrechte und Durchsetzung des Humanen in der Welt als die widerlichen Demonstranten in Berlin-Mitte.
Franz-Josef Strauss hatte schon 1981 recht: "Die größte Friedensbewegung ist die Bundeswehr."
Noch mehr: Die Bundeswehr ist heute der wahrhaftigere Träger linker Ideen von Freiheit, Emanzipation und Humanismus.
Streichen wir die Linke endgültig aus unserem Gedächtnis. Es lohnt nicht mehr, ensthaft mit diesen Zynikern zu diskutieren
- Vanity Fair
