Wintersonnenwende
Freut mich, dass dieser Thread so verhältnismäßig großen Anklang gefunden hat

. Einige der hier vorgestellten Bücher habe ich mir auch aufgeschrieben, vielleicht äußere ich mich dann auch mal dazu.
Nun möchte ich ebenfalls eine Empfehlung abgeben:
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The Dark Is Rising</center>
Susan Cooper war mir schon länger ein Begriff, zwei ihrer späteren Romane hatte ich gelesen (eines davon, 'King of Shadows', auch als Zehntklass-Lektüre letztes Schuljahr). Irgendwie fand ich jedoch nie die Zeit, mich näher mit dem Werk zu befassen, das sie bekannt gemacht hat: dem 'The Dark Is Rising'-Zyklus.
Fünf Bände hat er, von denen im Dt. leider nur noch eins im Druck ist. Und das ist eine Schande, denn die Zielgruppe kann üblicherweise kein Englisch. Gerichtet sind die Bücher nämlich vornehmlich an ältere Kinder, 10-13 würde ich sagen. Wenigstens können die beiden ersten auch separat gelesen werden, und da 'Wintersonnenwende' letztes Jahr neu aufgelegt wurde, geschieht das vielleicht in Bälde auch mit den anderen Titeln.
Doch genug des Vorlaufs, worum geht es eigentlich?
Der erste Band, 'Over Sea, Under Stone', beginnt harmlos genug. Die Familie Drew, Vater, Mutter, und drei Kinder, macht Urlaub in einem größeren Fischerdorf in Cornwall. Das Haus besorgt hat ein mysteriöser Uni-Professeur höheren Alters, der bekannt dafür ist, ständig irgendwelche archäologischen Schätze auszugraben (bevor hier jemand das R-Wort in den Mund nimmt: die Romane entstanden in den 60ern und 70ern, Indy war damals noch nicht mal eine Idee, und die Gemeinsamkeiten sind ohnehin nur sehr oberflächlich); die Drews haben ihn ihr ganzes Leben gekannt, und die drei Kleinen nennen ihn liebevoll "Onkel Merry". Unwissentlich treten Simon, Jane und Barnabas eine Lawine los, als sie auf dem Dachboden des Hauses ein uraltes Dokument entdecken, das verdächtig nach Schatzkarte ausschaut, und sie, das große Abenteuer vor Augen, Erkundungen anstellen.
Seitdem ist nichts mehr so, wie es sein sollte; der örtliche Vikar entpuppt sich als sehr bedrohlicher Charakter, Onkel Merry lässt sich nie blicken, wenn Papa Drews Bekannte, die mit ihrer Yacht an der Küste des Städtchens vor Anker liegen, zum Essen kommen, die Kinder kommen sich verfolgt vor, wenn sie auf den Straßen des Dorfes wandern, und die ältliche Hausverwalterin streift des Nachts in den Korridoren des Hauses herum, klar auf der Suche nach etwas. Als dann auch noch eingebrochen wird und man feststellt, dass die Wertgegenstände in Ruhe gelassen und nur Karten gestohlen wurden, bekommen Simon und die anderen es wirklich langsam mit der Angst zu tun. Sie vertrauen Onkel Merry ihr Geheimnis an der eine Inschrift auf dem Pergament übersetzt...
Und jetzt erst beginnt die Schatzsuche wirklich. Von einem Hinweis zum anderen stolpern die drei, die "bösen Menschen", Diener des "Dunkel", wie Merry sie nennt, ihnen beständig auf den Fersen, bestrebt, zu verhindern, dass sie - bzw. eigentlich Merry, dem es verboten ist, selbst auf die Suche zu gehen - ein Objekt großer Macht zu finden, das Merry den "Gral" nennt...
Ein Tag vor Mittwinter. Südengland, an der Themse. Heimat von Will Stanton, seinem Vater, seiner Mutter, und seinen Geschwistern.
Sein bisheriges Leben war eigentlich ganz normal verlaufen -- so normal, wie das Leben halt verlaufen kann in einer Familie mit bis zu neun Kindern, von denen man das jüngste ist. Doch vor seinem elften Geburstag erhält Will hat Will einige unheimliche Begegnungen, erhält ein seltsames Geschenk und begegnet am Morgen einem alterslosen, hochgewachsenen, hakennasigen Mann namens Merriman, der Will seine eigentliche Bestimmung kund tut: Will sei einer der "Alten", in vergangen Tagen auch Zauberer genannt, unsterblich, Beschützer der Menschheit, loyal zu der mysteriösen "Dame" und König Artus, und der Macht des "Lichts" ergeben. Merriman zufolge gibt es jedoch auch ein Gegengewicht, das "Dunkel" und seine Diener, die beabsichtigen, über die Menschheit zu herrschen, ein Ziel, dem Merriman und die anderen Alten mit aller Macht widerstehen. Seit Jahrtausenden schon wütet dieser für sterbliche Menschen unsichtbare Konflikt, doch mit Wills Geburt wurden die letzten Jahre des Kriegs eingeläutet. Denn er ist der letzte der Alten, der "Zeichensuchende", und nach elf Jahren ist sein Talent erwacht. Und, so Merriman, es sei Wills besondere Aufgabe, seine Queste, die "Gegenstände der Macht" aufzuspüren, an einem Ort zusammenzubringen und das Dunkel für immer zu besiegen und so der Menschheit endlich Freiheit zu bringen.
Doch das wird gar nicht so einfach sein, denn das Dunkel gewinnt zusehends an Kraft in 'The Dark Is Rising'...
'Greenwitch' bringt diese beiden Plots zusammen, in 'The Grey King' wird die Suche nach den heiligen Objekten fortgeführt und in 'Silver on the Tree' zu einem grandiosen Abschluss gebracht.
Susan Coopers Schreibstil ist einzigartig. Unglaublich atmosphärisch, trotz des an sich recht geringen Wortschatzes, und längst nicht nur für Kinder geeignet.
Für die Autorin spricht auch, dass Will zwar ziemlich mächtig ist, und trotzdem nicht wie ein x-beliebiger Erwachsener daherkommt, aber eben auch nicht wie ein x-beliebiger Elfjähriger.
'Seawards' war nett, 'King of Shadows' hervorragend, und obwohl beide psychologisch tiefgehender sind, ist 'The Dark Is Rising' klar das bessere Werk, es hat einfach die bessere Story (die gar nicht so unkompliziert ist, wie man von einem Kinderbuch erwartet) und sorgfältiger entwickelte Charaktere (was natürlich nicht so verwunderlich ist, wenn man bedenkt, dass alle fünf Bände zusammen fast 1000 Seiten haben).
Unverständlich bleiben mir allerdings die Wahlkriterien der Newberry-Stiftung, die das amerikanische Äquivalent zum Deutschen Jugendbuchpreis vergeben... der beste Band ist meiner Meinung nach der serientitelgebende zweite, gefolgt vom letzten und vom ersten, und dann erst kommen der graue König und die Grünhex. Während 'Rising' jedoch mit einem ziemlich bedeutungslosen Ehrenpreis abgespeist wurde, bekam 'King' die Medaille -- nicht unverdient gemessen an der Qualität, wohlgemerkt, aber im Vergleich zu den drei anderen fällt es einfach ab. Naja, ist wohl wie bei den Oscars auch...
Erhältlich ist die Reihe auf Englisch in einer Pappbox (0-020-42565-1); die Titel der dt. Übersetzung sind 'Bevor die Flut kommt', 'Wintersonnenwende' (3-570-30000-5), 'Greenwitch', 'Der graue König' und 'Die Mächte des Lichts'.
Netterweise hat Bertelsmann einen
Auszug online gestellt, wessen Interesse geweckt wurde, der kann ja mal reinschauen. Wer vergleichen möchte, fast genau den gleichen Text kann man auf Englisch
hier abrufen.