EDIT: Bevor hier im Diskussionsthread zur Handlung einer Episode wieder jemand wegen Spoilern rumheult: In diesem Post spoiler ich alles! Ich finde nicht, dass wir dafür Spoilertags brauchen, ansonsten könnten wir ja gleich 2 Threads pro Folge öffnen..
Sooo, ich hatte große Erwartungen und sie wurden
fast erfüllt:
Der Grund für Ezras Ausflug nach Tatooine war nachvollziehbar und wirkte nicht so erzwungen wie ich es befürchtet hatte. Der ganze Plan Mauls, den er seit der Suche nach dem Holocron auf Malachor verfolgt hatte, erreicht seinen Höhepunkt: Ezra war einerseits nur ein Werkzeug um an das Holocron zu kommen und Obi-Wan ausfindig zu machen und andererseits um seinen alten Feind hinaus in die Wüste zu locken - alles lief darauf hinaus, dass er Obi-Wan Kenobi ein letztes Mal konfrontieren wollte, den Mann dem er es zu verdanken hatte seinen Platz an Darth Sidious' Seite zu verlieren.
Bedeutend interessanter finde ich aber die eigentliche Motivation, die dahinter steckt. Auf die ganze Charakterdynamik zwischen dem alten Jedi-Meister und dem Ex-Sith wird ein ganz anderes Licht geworfen, wir sehen Maul mit anderen Augen. Er macht Obi-Wan nicht wirklich für den Misserfolg seines gesamten Lebens verantwortlich, sondern Darth Sidious, der Mann der ihn in seiner Jugend entführte, ihn zu seinem Sklaven erzog, als hirnlosen Attentäter ausnutzte, nach seiner ursprünglichen Niederlage gegen Obi-Wan auf Naboo ganz einfach ersetzte (immerhin war er ein entbehrliches Werkzeug) und dann, als er im Laufe der Klonkriege versuchte sich seinen Platz zurückzuerarbeiten, erneut von seinem alten Meister gefoltert und ausgenutzt wurde, was zum Tod seiner Mutter führte. Mauls Geschichte ist tragisch und sein wahrer Feind Imperator Palpatine/Darth Sidious. In dieser Folge wird erst so richtig klar, dass es ihm seit Naboo nicht unbedingt darum ging sich an dem Jedi zu rächen, der ihn seinen Posten als Sith-Schüler gekostet hatte, sondern vielmehr darum dass die Schicksale von Maul und Obi-Wan verflochten sind - sie beide sind Opfer desselben Sith-Lords und tragen (gewissermaßen beide, immerhin hat Obi-Wan Qui-Gon und Satine an den Zabrak verloren) als Sündenböcke ihren Frust aneinander aus.
Die Sequenz in der Maul in Obi-Wans Armen stirbt hat das mMn sehr schön zum Ausdruck gebracht und unterstrichen, dass es sich um zwei alte und zutiefst verletzte Männer handelt - einer orientierungslos und verzweifelt und der andere mit seiner letzten Kraft einer wichtigen Aufgabe nachgehend. Ein sehr schönes Ende, bedeutend besser als ein simpler Kampf der in Mauls epischem Tod geendet hätte.
Die Tusken waren übrigens auch eine schöne Überraschung.
Ich frage mich jetzt nur, was es mit der Sache bezüglich des Auserwählten auf sich hat: "Tell me... is it the Chosen One?" - "He is."
Ursprünglich war Anakin der Auserwählte und trotz seinem Fall zur Dunklen Seite war er es, der Darth Sidious und damit die Sith schließlich tötete, Luke habe ich da eher als eine Art Wegweiser verstanden, auch wenn er Anakins Sohn ist. Aber Obi-Wans Antwort lässt darauf schließen, dass Luke nun der Auserwählte ist, also was bedeutet das für Star Wars im Allgemeinen? Bezieht sich die Prophezeiung auf den Kampf gegen die Dunkle Seite im Allgemeinen? Wenn ja, ist Luke als Auserwählter mit seiner Aufgabe noch nicht fertig und muss noch gegen Snoke antreten, um die Prophezeiung endgültig zu erfüllen? Oder suche ich da nur zu stark nach einer Verbindung zur ST und die ganze Skywalker-Linie ist in irgendeiner Form auserwählt?
Technisch ist anzumerken dass die Regie wieder durchgehend erstklassig war! So eine Darstellung ist für einen Samstagmorgencartoon ganz einfach ungewöhnlich und erfrischend.
Alec Guinness' Stimme ist fast perfekt imitiert worden und ich habe mich beim Schauen mehrmals mit einem breiten Grinsen erwischt. Sam Witwer hat mal wieder grandiose Arbeit geleistet, da gibt es mMn absolut garnichts zu bemängeln. Ihm haben wir es überhaupt zu verdanken, dass Maul sich in TCW und Rebels zu einem interessanten Charakter entwickelt hat, hinter dem mehr steckt als coole Choreographien. Im Kontext des Allgemeinwerks verbessert das für mich sogar einen Aspekt der PT.
Zu bemängeln habe ich eigentlich wirklich nur den Kampf am Ende selbst. Ich bin froh, dass man der Handlung und den Charakteren Vorrang vor der Action gegeben hat und wollte kein zweites Duel of the Fates, gerade in dem Alter Obi-Wans hätte das lächerlich ausgesehen und nicht zu seinem finalen Kampf gegen Vader gepasst, der ja nicht lange nach dieser Folge stattfinden dürfte. Aber mehr als drei Hiebe hätten es dann doch trotzdem sein dürfen, das wirkte dann doch arg kurz und dadurch antiklimaktisch. Ein positiver Aspekt des Kampfes war aber die typische Haltung, die Obi-Wan zunächst einnimmt - die kennen wir ja bereits aus TCW und der PT, es ist seine Standardkampfhaltung. Interessanterweise wechselt er aber kurz darauf zu Qui-Gons Kampfhaltung über und provoziert Maul damit, lässt zu dass der Zabrak ihn unterschätzt, immerhin hat er Obi-Wans Meister bezwungen als er dieselbe Haltung einnahm. Sehr interessantes Detail.
Ein kleiner Epilog mit Obi-Wan und Ezra wär vielleicht ganz nett gewesen, so war Ezra nämlich eigentlich nicht viel mehr als ein bloßer Tourist, wirklich viel gelernt hat er ja nicht. Dafür war der Abschluss mit der Lars Farm aber trotzdem ein sehr schöner Touch.
Also im Großen und Ganzen war es eine tolle Folge, auch wenn hier und da ein paar vertane Chancen bestehen.
Dann bin ich mal gespannt wie der Angriff auf Lothal laufen wird. Ich hoffe ja auf einen bittersweet Victory für die Rebellen - vor Scarif sollten sie nicht allzu viel gewinnen und ein, zwei dramatische Tode wären mMn angebracht (ich tippe auf Kallus und eventuell Kanan), aber als kleiner Wermutstropfen könnten die Rebellen auf ihrer Flucht irgendeine wichtige Erkenntnis davontragen, die ihr im weiteren Verlauf des Krieges irgendwie helfen könnte. Aber das ist nur meine Meinung, man wird sehen...
Diese Folge hätte mit Leichtigkeit eine 10/10 werden können, da so viel richtig gemacht wurde, aber aufgrund dieser kleineren Mängel gibt es von mir 9/10 Dewbacks mit feuerresistenten Rücken (Chopper muss dem Tier doch wehgetan haben!!)
EDIT2: Neben der Lichtschwerthaltung ist mir noch eine kleine Sache bei mehrmaligem Schauen aufgefallen: Dies ist das dritte Mal, dass jemand in Obi-Wans Armen stirbt. Erst waren es Qui-Gon und Satine - beide Opfer Mauls - und diesmal Maul selbst. Neben der Ironie dass die ersten beiden Personen die Opfer und die dritte Person der Täter sind, unterstreicht das den guten und fürsorglichen Charakter Obi-Wans, der wahrlich Frieden gefunden hat und ein wahrer Jedi-Meister geworden ist.
Mein Gott, so viele tolle versteckte Aspekte, diese Folge ist wie Poesie!
