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Stavro Dryska
Gast
.::: Koradin Sektor ::: Abridon System ::: Abridon ::: Capital City ::: I.P.O.F. “Gloria Imperialis”::: Büro des Gouverneurs ::: Stavro Dryska, Thumel Koltem, allein :::.
Da war sie, die gläserne Decke der Informationsfreigabe. Als Commander Thumhel Koltem nach genaueren Zahlen und Informationen fragte, blinzelte der Gouverneur und setzte ein dünnes Lächeln auf. Für einen kurzen Moment war sogar seine Aufmerksamkeit passé, denn die Worte, welche die fehlenden Informationen beklagten, waren für ihn irrelevant, sie hatten nicht den Nerv getroffen, den er benötigte, er hatte nicht erhalten, was er haben wollte. Zugegeben, eine belastbare Einschätzung der Lage wäre ohne diese Daten schier unmöglich, den wer konnte schon blind qualifizierte Aussagen zu einem solch komplexen Sachgebiet machen, doch hatte der Gouverneur auf mehr gehofft. Doch es war nicht hoffnungslos, hatte es doch Koltem geschafft selbst mit den dürftigen Informationen, die er hatte etwas zu sagen, dass das Interesse Dryskas erregt hatte. Bevor er jedoch auf diesen Gedankengang eingehen konnte, musste er klarstellen, wie weit der Kommandant der Cato Neimodia hier einen Einblick in solch diffizile, weil geheime und damit höchst sensible Daten erhalten konnte.
„Die genauen Zahlen, über die uns zur Verfügung stehenden Soldaten unterliegen natürlich, wie Sie verstehen dürften, der Geheimhaltung und können daher an dieser Stelle nicht preisgegeben werden.“
Wie bereits auch in einer anderen Situation gegenüber Second-Lieutenant Toblakai, dem Kommandanten seiner eigenen Leibwache, musste Stavro Dryska in die Rolle des Verneiners schlüpfen, der Ressourcen und Informationen vorenthalten musste, weil sie ihm entweder nicht zur Verfügung standen und Abridon keine Priorität für die verteilenden Organe hatte. Statt dem imperialen Offizier diese Information zu geben, erhielt Koltem ein entschuldigendes, und doch gewinnendes Lächeln, dass die makellosen Zähne des Gouverneurs offenbarten. Selbst wenn er gewollt hätte, die Wände hatten Augen und Ohren in diesem Komplex, auch wenn ihm der ISB etwas anderes versichert hatte. Er würde mit ungefähren, zwischen den Zeilen zu lesenden Angaben dienlich sein, mehr konnte er dem Offizier zu diesem Zeitpunkt nicht offerieren.
„Was ich Ihnen jedoch offen legen kann ist, dass wir neben der großen Anzahl an Streitkräften der imperialen Armee auch über ein gewisses Kontingent an Sturmtruppen verfügen. Unterstützt werden diese Einheiten von den überaus loyalen Kräften der CompForce.“
Von einigen Militärs als kognitiv bodenständiges Kanonenfutter diffamiert, waren sie für Stavro Dryska das Werkzeug der Wahl um die großen urbanen Gebiete zu sichern. Ihre weißen Rüstungen weckten Erinnerungen an die Sturmtruppen, die Elite des Imperators, und sorgten so dafür, dass normale Bürger des Galaktischen Imperiums sich sicher fühlten oder zumindest weitestgehend entmutigt werden würden ihren Unmut auf die Straße zu tragen. Doch sie würden nur die Spitze des Eisberges sein, eine Speerspitze für das, was noch kommen sollte. Für das, was KOMENOR als Plan für diesen Planeten ausgewählt hatte und ihn als Exekutive dieses Plans auf Abridon installiert hatte.
„Des Weiteren soll in Kürze eine eigene Streitmacht aufgestellt werden, bestehend aus imperialen Bürgern, die als planetare Sicherheitsstreitkräfte dafür sorgen sollen, das Bedrohungspotenzial zu minimieren.“
„Und jeder dieser Männer und Frauen werden auf meinen Namen, als Beschützer des Planeten, eingeschworen.“ Dachte der Gouverneur den Gedanken zuende. Nach dem Vorbild zahlreicher paramilitärischer Einheiten, planetarer Sicherheitskräfte und den berühmten Sicherheitsdivisionen des Korporationssektors, welcher aus einem automatisierten Zweig KOMENORs hervorgegangen war, würden diese Einheiten das Fußvolk der Streitkräfte Abridons darstellen. Zwar nicht vergleichbar mit der weißen Elite des Imperiums, würden diese Männer und Frauen, aus dem gesamten Supersektor rekrutiert, um einem Schicksal aus Armut und Elend zu entkommen, bereit sein ihre Blaster gegen die Widerstandsnester Abridons zu führen. Besonders hilfreich würden die seit der Ausrufung des Kriegsrechts abrufbaren Fonds sein, welche die Koalition für Fortschritt bereitstellen würde.
„Ihre Idee externer Kämpfer mit einer Spezialisierung in diesem Bereich erscheint mir durchaus lohnend.“ begann der Gouverneur, dem noch während er diese Worte aussprach bereits erste Ideen durch den Kopf schossen. „Ein solches Vorgehen könnte auch suggerieren, dass gewisse Teile der Bevölkerung selbst tätig geworden sind, um dem Widerstand die Stirn zu bieten.“
Ein wunderbarer Nährboden für etwaige propagandistische Filme, die den Heldenmut imperialer Bürger im Angesicht der zerstörerischen Kräfte des Widerstandes darstellen würden. Es war alles eine Frage des Blickwinkels und eine Inszenierung dieses Ausmaßes läge in der Kragenweite der entsprechenden Abteilungen KOMENORs. Vielleicht würde gar Legat Beaurant die Aufgabe erhalten eine entsprechende Ausarbeitung dieser Idee zu finalisieren. Schließlich war Kultur und Aufklärung der imperialen Bürger genau sein Metier, warum sollte der engagierte Imperiale also nicht das neugewonnene Talent dieses Mannes direkt einsetzen? Er machte sich hierzu einen Vermerk und wandte sich, nachdem er einige flüchtige Notizen mit seinem Stilo notiert hatte und das Schreibstück weggelegt hatte, wieder dem Kommandanten der Cato Neimodia zu.
„Ich danke Ihnen, für diesen Hinweis, Commander.“
Ein gütiges, geradezu dankbares Lächeln entblößte die weißen, makellosen Zähne des imperialen Gouverneurs, ein anerkennendes Nicken des Bürokraten sollte dem Militär signalisieren, dass sein Hinweis wohlwollend aufgenommen werden würde. Natürlich würde er im Hinterkopf behalten, wer ihm diesen Hinweis gegeben hatte, doch wenn es dazu käme die Früchte des Erfolgs zu ernten, würde Moff Callron seinen Namen mit diesem Plan verbinden müssen. Dafür würde Dryska Sorge tragen.
Das breite, gewinnende Lächeln des bärtigen Mannes von Voltare wurde ein Stück eisiger, als der Kommandant die Sicherheitslage über den Wolken der Hauptstadt erwähnte. Nicht, dass sich Stavro Dryska um Piratenangriffe oder andere kriminelle Elemente Sorgen machen musste, bisher waren die Berichte in diesem Bereich friedlich und zufriedenstellend. Doch die Schmach eines so kleinen Sicherheitsaufgebotes, mit dem er den Planeten sichern musste, obwohl Abridon auf der für diesen Sektor wichtigen Lipsec Run liegt, war für Dryska unverständlich. Zugegeben, dieser Sektor befand sich gerade erst im Aufbau, lediglich wenige Milliarden Lebewesen waren hier der imperialen Jurisdiktion untergeordnet, demnach kein Vergleich mit dem Mid oder gar Inner Rim, doch war das in den Augen des Gouverneurs keine Begründung für diesen eklatanten Mangel. Sie hatten nicht einmal einen schweren Kreuzer! Mit einem säuerlichen Unterton, dem Versuch erliegend die Fassung zu wahren, setzte Stavro Dryska zu einem kleinen Bericht für den imperialen Offizier an, um ihn ins Bild zu setzen.
„Wie Ihnen vielleicht beim Sprung ins System aufgefallen ist, verfügte Abridon vor seiner Befreiung über ein eigenes Werftsytem für Kleinstschiffe. Nach der Neutralisierung dieser Werften durch die damalige Regierung sowie den Frieden mit der Neuen Republik wurde die Sicherheitslage im Orbit als „befriedet“ eingestuft, sodass ein Großteil der hiesigen eingesetzten Schiffe dem Konflikt im Norden der Galaxis, gen Koornacht Sternenhaufen verlegt wurde. Selbst die beiden Lancer Fregatten, die zunächst als Verstärkung der Allsicherheit vorgesehen waren, wurden abberufen.“
Nur schwerlich konnte der Gouverneur seine Verbitterung über diesen Affront verbergen, versuchte diesen jedoch partiell wegzulächeln. Auch wenn er es nicht wahrhaben wollte, die Position Abridons im Süden der Galaxis, vor den Toren der Neuen Republik, machte den Planeten zwar zu einem günstigen Aufmarschgebiet für etwaige zukünftige Kampagnen, war aber insgesamt nur schwer als lohnendes Ziel für imperiale Bestrebungen das System auszubauen zu begeistern. Die Trennung des imperialen Raums entlang der horizontalen Achse erschwerte die Versorgung, sodass der südliche Teil des imperialen Gebietes im Ernstfall zunächst auf sich allein gestellt war. Welten wie Thyferra würden in so einem Fall bevorzugt werden, Platz für Abridon würde dort nicht bleiben. Stavro Dryska akzeptierte diesen Stand, vorerst, gab jedoch seine Bestrebungen diesen Planeten zu einer imperialen Festungswelt auszubauen nicht auf. Doch dafür musste er zuerst den Frieden auf der Oberfläche garantieren. Alle diese Ziele waren miteinander eng verzahnt, sie alle bedingten einander und ohne einen Knoten zu lösen, könnte er nicht den nächsten Knoten angehen.
„Dank unserer guten Verbindungen zu KOMENOR konnte die imperiale Zollbehörde jedoch zwölf leichte Korvetten dem planetaren Defensivverbund zuteilen, sodass wir vor Angriffen krimineller Elemente geschützt sein sollten.“
Ohne KOMENOR war auf Abridon kein Krieg zu gewinnen, die Verbindung die seine Schutzmacht, seine Gönner und Förderer hier aufgebaut hatten, würden ihm seine Position sichern, solange er sich der Organisation gegenüber weiterhin als treu und fähig erweisen würde. Doch reichten seine Ambitionen weit über das hinaus, was hier geschah, sodass er KOMENORs Hilfe auf der einen Seite als einen Segen empfand, andererseits aufpassen musste die Früchte seines Erfolgs nicht an irgendeinen gesichtslosen Bürokraten auf Bastion zu verlieren, der die entsprechenden Hebel in Bewegung setzte und über sein Schicksal in Form des Budgetplans für das nächste Jahr entschied.
Was den Kommandanten der Cato Neimodia betraf, erwies sich der schneidige Offizier als ein Mann von Format. Geradlinig, ehrlich und diszipliniert. Vor allem aber erwies er sich als fähig Befehle auszuführen und zwar bis an seine Belastungsgrenze, wie das Aufeinandertreffen mit dem Legaten bewiesen hatte. Manch ein Offizier knickte vor den Mitgliedern dieses Apparatus ein, in der Sorge vor ihrer Karriere, dem goldenen Bantha, dass sie hüteten. Doch nicht dieser Offizier und das machte ihn in den Augen von Stavro Dryska zu einem vertrauenswürdigen Imperialen, der ihm helfen würde den Frieden zu sichern und vor allem seiner Karriere den nötigen Schub zu geben.
„Mit ihrem Patrouillenkreuzer stellen sie das kampfstärkste Schiff dieses Verbundes dar, Commander. Sehen sie sich daher als Erster unter Gleichen an, wenn sie mit den Kommandanten dieser Schiffe in Kontakt treten, um eine Sicherheitsstrategie für den Planeten zu konzipieren.“
Eine informelle Aufforderung des Gouverneurs sich um die entsprechende Planung eben jener zu kümmern. Der Blick des Gouverneurs suggerierte auch eine implizite Aufforderung erste Ideen in den Äther des Büros zu schleudern, sollten ihm spontane Einfälle kommen. Koltem hatte sich bisher als kluger Kopf erwiesen, vielleicht würde er dem Gouverneur erneut helfen können, vielleicht würde dies gar zur Spezialität des Mannes mit dem scharf geschnittenen Gesichtszügen werden. Moff Callron würde sich irgendwann zu einem Zwischenstand melden und er wollte so viele Neuigkeiten dem kahlköpfigen Bürokraten liefern können wie möglich.
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