So, nachdem ich mittlerweile knapp 60 Stunden in Assassin's Creed: Valhalla zugebracht habe, möchte ich mal (spoilerfrei) ein wenig darüber berichten.
Angesichts dessen, dass ich das Spiel auf der Xbox Series X spiele, vielleicht zuerst zur Grafik: Oh ja, man merkt, dass eine neue Konsolengeneration begonnen hat. Ich finde, dass Assassin's Creed-Spiele grafisch eigentlich fast immer mindestens auf der Höhe ihrer Zeit waren, und Valhalla hebt das hohe Niveau nochmals deutlich an. Alles sieht nochmal um ein ganzes Stück detaillierter und realistischer aus und insbesondere Gesichter in Zwischensequenzen (auch wenn nicht alle gleich gut gelungen sind), sind oftmals der Wahnsinn. Wenn ich bedenke, dass dies erst der Anfang von Next-Gen ist, bin ich gespannt, was da noch so kommt.
Aber erstmal zurück zum eigentlichen Thema: Die Hauptstory des Spiels soll wohl wieder um einiges kürzer als im Vorgänger Assassin's Creed: Odyssey sein. Um es kurz zu machen: Man spielt keinen Assassinen, jedoch kommt den Assassinen eine bedeutende Rolle in der Geschichte zu und man erhält auch wieder eine klassische versteckte Klinge. Ich finde das zeigt, dass sich die Entwickler durchaus Gedanken gemacht haben, wie man die Geschichte des Spiels denjenigen, die davon enttäuscht waren, dass sich die Reihe hinsichtlich Story immer weiter weg von den Assassinen bewegt hat, wieder schmackhafter machen kann. In meinen bisher wie gesagt knapp 60 Stunden bin ich mit der Hauptstory allerdings noch nicht durch. Ich denke das spricht für den Umfang des Spiels und die Beschäftigungsmöglichkeiten abgesehen von der Hauptstory. Anders als im Vorgänger ist die Spielwelt nicht mehr von Räuberlagern, Militäraußenposten etc. gesäumt (diese gibt es, werden als solche aber nicht mehr auf der Karte angezeigt), stattdessen gibt es in jedem Gebiet der frühmittelalterlichen England-Karte (und auch in Norwegen, wo das Spiel seinen Anfang nimmt und wohin man auch später wieder zurückkehren kann) Reichtümer, Rätsel und Artefakte zu finden und zu lösen. Diese werden durch verschiedenfarbige leuchtende Punkte auf der Karte angezeigt, hinter denen sich dann eben Schatztruhen, Weltereignisse (das sind im Prinzip kleine Nebenquests), besonders starke Bossgegner etc. verbergen. Es macht Spaß, die Spielwelt zu erkunden und diese Dinge zu erledigen und es ist vom Spielgefühl her bisweilen auch deutlich anders als in den beiden Vorgängern. Schatztruhen beispielsweise sind neben dem Kauf die einzige Möglichkeit, um an neue Waffen und Rüstungsteile zu kommen, man findet sie nicht mehr bei Gegnern etc. und es gibt auch bedeutend weniger davon. Das finde ich sehr entspannend, war es doch einer meiner größten Kritikpunkte an Odyssey, dass man ständig mit neuen Waffen und Rüstungen etc. bombardiert wurde, wovon ein großer Teil dann sowieso unbrauchbar war. In Valhalla sind Waffen und Rüstungen einzigartiger und haben einen viel höheren Stellenwert, man freut sich richtig darüber, wenn man etwas Neues findet. Ein wenig fragwürdig erscheint wiederum die Entscheidung der Entwickler, dass man fast jede Schatztruhe in einem Raum oder einer unterirdischen Katakombe versteckt hat und man erst einmal einen Weg dorthin finden muss. Mal muss man einen Schlüssel finden, mal das von innen angebrachte Türschloss von einer Stelle von außen, beispielsweise durch ein Fenster hindurch, mit einem Pfeil aufschießen etc. Das hat, wie ich mitbekommen habe, schon für Kritik gesorgt. Ich finde es eigentlich nicht schlecht, dass neue Ausrüstung nicht ganz selbstverständlich in der Welt herumliegt und man sie erstmal erreichen muss, allerdings ist man oft wirklich unnötig lang mit der Suche nach einem Zugang beschäftigt.
Die Spielwelt ist auf jeden Fall, anders kann man es nicht sagen, ein wahrer Augenschmaus. Schon das anfängliche Gebiet, ein Teil Norwegens, ist sehr weitläufig und weiß mit wunderschönen Winterlandschaften zu gefallen. Hält man sich nur an die Story, sollte man nach ca. zwei bis drei Stunden schon nach England aufbrechen können, wo das Spiel dann ja eigentlich erst "richtig" anfängt. Ich habe im Norwegen-Gebiet bereits die ersten zehn Stunden meiner Spielzeit verbracht und konnte mir dann irgendwie noch gar nicht vorstellen, dass das nicht die Haupt-Spielwelt des Spiels ist. In England selbst warten dann wunderschöne, abwechslungsreiche Landschaften voller Wälder, Gebirge, weitläufigen Wiesen etc. sowie einer ebenfalls eindrucksvollen Winterlandschaft im Norden der Karte, die durchaus an den Anfang in Norwegen erinnert. Alles in allem: Die Spielwelt ist groß, sie ist wunderschön, lädt zum Erkunden und Erforschen ein und wird niemals langweilig. Auch Städte wie London (hier: Lunden) oder Lincoln fehlen natürlich nicht. Anders als noch im Vorgänger gibt es, abgesehen von den Randgebieten, kein Meer, das man überqueren müsste, dafür ziehen sich viele Flüsse durch das virtuelle England, sodass die Bootsfahrt eine wichtige Rolle spielt. Man hat ein Drachenboot, welches man optisch anpassen kann, Schiffskämpfe oder Seeschlachten gibt es dieses Mal jedoch nicht.
Dafür gibt es einige neue Gameplay-Elemente, die das Spiel zusätzlich von den Vorgängern abheben. Kurz nach der Ankunft in England beginnt man, dort eine eigene Siedlung zu errichten. Hier lassen sich verschiedene Gebäude bauen, unter anderem ein Markt, eine Schmiede, wo sich dann Waffen und Rüstungen aufwerten lassen und sogar ein Friseur, bei dem ihr euren Spielcharakter Eivor (wahlweise weiblich oder männlich) durch in der Spielwelt freizuschaltende Frisuren und Tattoos personalisieren könnt. Der Bau derartiger Gebäude kostet natürlich Ressourcen, wobei die Raubzüge eine entscheidende Rolle spielen. Vom Boot aus kann man an Flüssen gelegene Klöster, aber auch Militärlager etc. überfallen und ausplündern, was die nötigen Materialien für den Gebäudebau liefert. Bei diesen Raubzügen entfaltet sich das Wikinger-Feeling vollends, man fühlt sich, wenn man mit der Besatzung seines Drachenboots eine Klosteranlage erstürmt, teilweise fast so, als würde man Szenen aus einer Folge von "Vikings" nachspielen. Wirklich sehr atmosphärisch gemacht.
Noch spektakulärer sind die sogenannten Angriffe, welche sich jedoch nur im Laufe der Hauptstory spielen lassen. Dabei handelt es sich um Belagerungsschlachten am Ende eines jeden Stranges der Story (welche im Wesentlichen darauf basiert, dass man Bündnisse zwischen dem eigenen Clan und anderen Fraktionen in ganz England schließt), welche mehrstufig aufgebaut sind und unter anderem das Durchbrechen von Toren mit einem Rammbock erfordern. Am Ende wartet dann ein Bosskampf. Die Belagerungen sind unglaublich spektakulär inszeniert, hinsichtlich der Anzahl der kämpfenden Krieger sind sie nicht so groß wie die Eroberungsschlachten in Odyssey, aber es entsteht das Gefühl, in einer großen Schlacht zu kämpfen. Spätestens hier fühlt man sich wirklich wie einer Folge von "Vikings" oder gleich wie in einem hochwertig produzierten Wikinger-Historienfilm.
Ich könnte noch viel mehr vom Spiel erzählen, aber der Beitrag ist ohnehin schon lang genug

Ich glaube jedenfalls, dass ich als, wenn ich das so sagen darf, Veteran der AC-Reihe schon lang kein Spiel mehr so sehnlichst erwartet hatte wie dieses. Das Endergebnis hat meine sehr hohen Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern sogar übertroffen. Mein persönliches Lieblingsspiel der Reihe bleibt zwar der Vorgänger Odyssey, aber Valhalla kommt da sehr nah ran bzw. macht einige Dinge sogar besser. Generell fühlt es sich, obwohl es das dritte richtige Open Word-Spiel der Reihe ist, einerseits vertraut, andererseits aber doch anders und frisch an, mehr jedenfalls als dies von Assassin's Creed: Origins zu Odyssey der Fall war. Die von mir sehr geschätzte Reihe hat es jedenfalls mal wieder geschafft, mich zu begeistern und ich freue mich darauf, die Hauptstory des Spiels zu Ende zu spielen und dann auf die kommenden DLCs