So ich melde mich etwas verspätet bei der Diskussion zurück. Da in der Zwischenzeit relativ viel geschrieben worden ist, will ich jetzt nicht auf alles eingehen, sondern nur noch mal genauer erklären, warum ich diese zwei Schlussfolgerungen für sinnvoll halte.
Eine sinnvolle Zusammenführung der beiden Argumentationsweisen, könnte meiner Meinung nach folgende Schlussfolgerungen haben:
1. Es erscheint sinnvoll in der heutigen Zeit, dass man an die Regeln/ Gesetze aus der Wissenschaft glaubt.
2. Es erscheint aber nicht sinnvoll, dass man diese wissenschaftlichen Theorien über andere Meinungen stellt, z.B. religiösen Glauben, und dass man diese Theorien für zwangsläufig näher an der Wirklichkeit hält.
Der ersten Schlussfolgerung würden glaube ich alle hier folgen. Ich finde natürlich auch, dass es für uns im Alltag sinnvoll ist anzunehmen, dass wir unserer Wahrnehmung vertrauen können und dass die von den (Natur-)Wissenschaften erforschten Gesetze und Regeln stimmen. Ich stimme auch zu, dass es sinnvoll erscheint, jetzt nicht zu sehr an meinne"man kann davon im Moment eh nix beweisen"-Theorie denken sollte und schon versuchen sollte, an mehr Wissen zu gelangen.
Allerdings ergibt auch meine zweite Schlussfolgerung auch Sinn, auch wenn viele Leute hier das nicht wahr haben wollen. Und ich versuche nun das jetzt noch einmal genauer zu erklären:
Ich hoffe, dass mir auch die logisch und wissenschaftlich denkenden Leute hier zustimmen werden, dass man alle Annahmen einer Theorien bestätigen muss, um davon auszugehen, dass die Theorie der Wahrheit entspricht. Ist eine der Annahmen nicht bestätigt worden, kann man sich auch nicht sicher sein, dass sie der Wahrheit entspricht. Wenn man bei einer Annahme A sich nicht sicher ist, dass sie der Wahrheit entspricht, dann gilt das auch für alle folgenden Annahmen, die auf dieser Annahme A aufbauen. Wenn ich nicht weiß, ob diese Annahme A irgendetwas mit der Wirklichkeit zu tun hat, macht es auch keinen Sinn herzugehen und zu sagen, dass die Annahme A aktuell besser ist als die ebenfalls unbewiesene Annahme B, außer man kann belegen, dass die Annahme B definitiv nichts mit der Wirklichkeit zu tun hat.
Übertragen wir das ganze mal auf naturwissenschaftliche und religiöse Theorien:
Bei den naturwissenschaftlichen Theorien würde vermutlich unter den ersten Annahmen etwas in der Art stehen: Die Wahrnehmung spiegelt die Wirklichkeit wider. Ich glaube, dass alle naturwissenschaftlichen Regeln und Gesetze, die die meisten von uns glauben, auf dieser Annahme beruhen. z.B. auch die Behauptung, dass man aufgrund wissenschaftlicher Methoden medizinische Erkenntnisse erlangt hat, darauf aufbauend Medikamente entwickelt hat, die in die vorhergesehene Richtung verlaufende Effekte erzielt haben, basiert vollkommen auf dieser Annahme.
Bei den religiösen Theorien würde vermutlich unter den ersten Annahmen etwas in der Art stehen: In Wahrheit wirkt ein übernatürliches Wesen. (Da Gottes Wille/ Wege häufig auch als unergründlich angesehen werden. Muss wenn man dieser Argumentationskette folgt übrigens auch nicht alles zwangsläufig mit unserer Wahrnehmung erklärt werden).
Beide Annahmen sind vollkommen aus der Luft gegriffen. Mir ist zumindest bislang nicht bekannt, dass irgendeine der beiden Seiten es geschafft hätte, einen stichhaltigen Beweis zu finden, dass eine der beiden Annahmen der Wahrheit/Wirklichkeit entspricht.
Wenn man nicht weiß, ob die Annahme der Wirklichkeit entspricht, kann man auch nicht hergehen und sagen die Annahme ist besser als die andere Annahme, außer man belegt, dass die andere definitiv falsch ist.
Man kann weder die Behauptung, dass die eigene Annahme besser ist, noch die Behauptung, dass die Gegenseite falsch liegt, mit Argumenten, die auf dieser Annahme fußen, beweisen. Das heißt alle Argumente ala "wir sind besser, weil wir wissenschaftliche Methoden benutzen und wir wahrnehmen können, dass unsere Medikamente in die beabsichtigte Richtung wirken" sind belanglos.
( Und für alle die sagen, dass unsere Wahrnehmung definitiv die Wirklichkeit widerspiegelt, nenne ich mal 3 Worte: "gesund", blind, schizophren. Was ist wahr?)
@David Somerset: Wie etwas erscheint hat nicht zwangsläufig etwas damit zu tun, wie es ist.
@all: Wenn man sich mit weniger als der Wahrheit zufrieden gibt, kann man natürlich anders denken, sollte sich aber wohl auch nicht über andere stellen, wenn man diesen Anspruch nicht hat