Coruscant

Coruscant – Jedi-Tempel, Trainingsraum 256 – Bailee und Brianna

Es war schon ungewollt komisch, dass Bailee ausgerechnet bei der Erwähnung von Mya von ‚Freunden in höheren Positionen‘ sprach. Die Lethan und die Echani verband eine innige gegenseitige Abneigung. Wie konnte frau auch so jemand nicht nicht leiden können? Miss Perfekt aus gutem Hause, die schon als Padawan für Mode-Holozine gemodelt hatte und sich dann bei einem Rat bewarb, dessen Schwäche für das weibliche Geschlecht im ganzen Tempel und darüber hinaus bekannt war? Selten war das Schimpfwort ‚Tentakelschlampe‘ so treffend wie bei ihr, aber sie hatte sich eben auch in eine Position gebracht, in der sie schwer zu ignorieren war.

„Nicht alle sind Freunde… aber frau lernt hier schon Leute kennen, wenn frau auf ihr Recht besteht. Hättest du in meiner Abwesenheit auch machen sollen. Die meisten Jedi sind ja hilfsbereit, dann wär das sicher besser gelaufen.“

Brianna warf ja noch mehr Namen in's Feld und dass sie einen Zeltron erwähnte, schien ihre Padawan als sportliche Herausforderung zu sehen. Das Wettstinken der Pheromone sozusagen.

„Jeg Harkness ist immer eine interessante Begegnung, aber das würde ich gerne miterleben, so viel steht fest,“

Erwiderte die Silberhaarige und rollte mit den Augen. Die beiden, da wäre wohl buchstäblich alles möglich. Auch dass da bald die Hochzeitsglocken läuteten. Da war Marrev eindeutig die sicherere Wahl.

„So meinte ich das auch nicht. Er ist nicht so ein Rattataki, da kenn' ich ganz andere. Marrev und ich waren zusammen auf Mission, das ist alles.“

Was Energy-Drinks anging, schien Bailee eine grundlegend andere Einstellung zu haben als ihre Meisterin. Brianna verstand das grundlegende Konzept nicht, warum dicke Leute sich diese Dosen massenweise hinter die Binde kippten, während sie die halbe Nacht lang auf dem Sofa saßen und Holosoaps guckten. Für sie machte das so überhaupt keinen Sinn, aber wenn die Padawan meinte…

„Solange du aufpasst, ob das Zeugs nicht zufällig toxisch für Nautolanerinnen ist, kannst du das meinetwegen machen.“

Anschließend gingen sie zum dynamischeren Teil der Trainingseinheit über. Saubere Technik, das hatten sie lange genug geübt und es wäre ohnehin nicht denkbar, die Nautolanerin in nur einer Übungsstunde auf ein Niveau zu hieven mit dem Brianna zufrieden wäre. Überleben würde sie hoffentlich auch ohne das sauberste Shii-Cho, so lange sie von der Verteidigung zum Gegenangriff übergehen konnte, damit sie eben nicht in die Situation geriet, in der die erstbeste Sith-Schülerin so lange auf ihre arme Padawan eindrosch, bis sie dann doch mal traf.

Leicht machte sie es Bailee natürlich nicht. Sie mochte größer als die Echani, aber die war um – wieviel? Die Hälfte? – schwerer oder so. Naja, vielleicht nicht ganz so viel, aber die Silberhaarige war es gewohnt, physisch zu dominieren. Andere einfach wegzuschieben, wenn sie nicht schlau genug waren, von vornherein zurückzuweichen. Natürlich trieb sie ihre Padawan kreuz und quer durch den Trainingsraum; sie musste mental auf das vorbereitet sein, was sie auf Bastion möglicherweise erwartete.

Interessanterweise steigerte Bailee nach einer Weile selbst die Intensität. Sie war wild entschlossen, nicht einfach nur das wehrlose Oper sein zu wollen, und das gefiel Brianna. Sie ließ sich ein bisschen zurückdrängen, wobei die Echani stets nicht mehr Raum preisgab als nötig war, und die erinnerte ihre Übungsgegnerin mit ihren schnellen Kontern daran, die Defensive dabei nicht aus den Augen zu lassen. Ehrlich gesagt wäre es ihr lieber, wenn ihre Padawan im Ernstfall den Selbsterhaltungstrieb in den Vordergrund stellte und das Kopf-Kürzer-machen von Sith ihrer Meisterin überließ, aber sie bewunderte den Einsatz, und gegen eine schwächere Gegnerin mochte es vielleicht sogar funktionieren.

Nach einer längeren Phase des intensiven Sparrings hatte Brianna das Gefühl, dass Bailee genug hatte, und bedeutete ihr mit einem Handzeichen, dass das Training beendet wäre.


„Gratuliere! Hätte nicht gedacht, dass du so gut in Form bist,“

Lobte sie ihre Padawan. Selbstredend zeigte sie dabei nicht das leiseste Zeichen von Anstrengung.

„Genauso wichtig wie das Training ist natürlich das Dehnen. Du hast das Yoga erwähnt, ich nehme also an, dass du hier auch Fortschritte gemacht hast.“

Brianna zeigte die Dehnübungen, die sie dann gemeinsam ausführten. Dabei strafte sie das Klischee Lügen, dass muskulöse Leute nicht biegsam wären. Ihre Knochen schienen förmlich aus Gummi zu bestehen.

„Ich habe nachgedacht,“

Meinte sie währenddessen. Ja, sie hatte gegrübelt, während sie sich eher intutiv gegen ihre Padawan verteidigt hatte.

„Wir sollten probieren, ob du Talent für Machtheilung hast. Auch im Hinblick auf die Rettungsaktion. Ich habe mir überlegt, als blinde Passagiere von einer unbedeutenden Imperialen Welt, vielleicht einer Farmwelt aus, nach Bastion einzureisen – wobei ich noch keinen konkreten Planeten im Auge habe, das müsste ich noch recherchieren. Zum Beispiel könnten wir in der Kühlkammer eines Fleischtransporters ausharren. Niemand wäre so blöd, dort nach blinden Passagieren zu suchen, aber in Stasis könnten wir das aushalten. Was meinst du?“

Sie dehnten Arme, Beine, Rumpf und alles was dazugehörte gründlich, um einen Ausgleich für das Lichtschwerttraining zu schaffen. Anschließend setzte Brianna sich in den Lotossitz und überließ es Bailee, sich diese oder eine andere bequeme Sitzhaltung auszusuchen.

„Das wichtigste bei der Heilung ist, eine Stelle zu finden, die der Heilung bedarf. Klingt komisch, ist aber so. Zu spüren, wo der Energiefluss gestört ist, das ist der Trick. Die Sache zu reparieren ist danach nur noch eine reine Frage der Ausdauer – wie eben beim Training. Hier – falls du was Offensichtliches zum Spüren brauchst,“

Meinte Brianna und krempelte ihren linken Ärmel hoch. Sie konnte den Unterarm zwar wieder normal und weitgehend schmerzfrei bewegen, aber er war nicht gerade ein schöner Anblick durch die Folgen von Adrias Nachtschwestern-Gift.

Coruscant – Jedi-Tempel, Trainingsraum 256 – Bailee und Brianna
 
[Coruscant-System - Coruscant - Jedi Tempel - Meditationskammer - Mas Nerlo und Thyr Denul]

Mas Lob war wie eine dringend benötigte Dusche, doch Thyrs Reflex setzte fast sofort ein und er spielte es vor sich selbst herunter. Der Machtsinn war schließlich seine einzige nennenswerte Technik, die über das Stadium der Theorie hinaus ging und selbst dafür hatte er schon lange genug gebraucht. Dennoch sprach er es nicht aus. Ihm war schon häufig genug passiert, dass diese Erwiderungen ohnehin nicht angenommen wurden. Stattdessen setzte er sich nach der Geste seines Meisters, während er sich gleichzeitig tonlos – also nickend - dafür bedankte.

Er war noch dabei, da fing der Jedi Ritter an die Technik namens „Geistige Abschirmung“ zu erklären. Wie auch jede andere der grundlegenden Anwendungsmöglichkeiten hatte der Padawan schon davon gehört und viel darüber gelesen, doch es hatte sich dennoch immer nur wie ein außenstehendes Zusehen angefühlt. Als hätte er als Fisch einen Vogel beim Fliegen zugesehen. Nun erklärte ihn ein Jedi, der diese Technik mit Sicherheit selber schon angewandt hatte, wie sie funktionierte und er selbst war – in der Theorie – dazu in der Lage sie anzuwenden. Und vor allem willig! Erst jetzt, während Mas ein Satz an den nächsten reihte, offenbarte sich für Thyr eine Wahrheit, die ihm zuvor gar nicht bewusst geworden war. Als würde sein Meister rein zufällig alle richtigen Worte wählen, die man zuvor ebenso zufällig ausgelassen hatte.

Diese Technik war wie für einen Menschen wie Thyr geschaffen worden. In seiner Phantasie konnte er sich ja nun wirklich viel vorstellen, aber ein Krieger zu sein gehörte sicherlich nicht dazu. Hingegen quasi unsichtbar zu sein schon eher. Währenddessen dann, später, also sehr viel später, auch noch gleichzeitig zu heilen, na wäre das nicht was? Hatte Mas diese Technik deshalb jetzt ran nehmen wollen? Wegen der Gespräche hier im Orden? Oder war es Zufall? Sollte er seinen Meister fragen, fragte sich der Padawan, da ging es aber schon weiter. Na gut. Fragen konnten auch noch später gestellt werden.

Thyr sollte sich zuerst einmal richtig hinsetzen. Also eine meditative Position annehmen. Die kannte er auch schon, doch da er nicht das intuitive Talent besaß, seinen Körper genau so zu bewegen, wie er es vor seinem geistigen Auge sah, musste ihn
Mas noch ein wenig korrigieren, doch es sah schon deutlich besser aus als noch auf Taris oder Haruun Kal.

Darauf folgte der Machtsinn. Diesmal brauchte der Padawan etwas länger, weil er – zumindest aus dem eigenen Empfinden heraus – wohl zu viel Druck auf sich selbst aufbaute, da es ja nun um etwas neues und zugleich wichtiges ging. Das verzögerte den Einsatz seiner Technik, die er vor ein paar Minuten gerade erst angewandt hatte. Womit sich mal wieder zeigte, dass man bei einem Erfolg in etwas beim nächsten Mal nicht am selben Punkt wieder starten konnte. Ganz so leicht war das Leben dann eben doch nicht. Aber, am Ende, schaffte er es. Mas erklärte seine eigene Aura und eine Art „Hintergrundrauschen“, welche im Grunde einfach alles Lebende um sie herum war. Ganz Coruscant sogar. Tatsächlich konnte Thyr den Ritter jetzt besser wahrnehmen, doch sein Licht war keine einzelne Kerze in der Finsternis. Viel mehr hatte er selbige einfach Mittags angezündet und konnte sie trotz über sich brennendem Stern nur deshalb so klar sehen, weil sie sich eben in seiner Hand befand, sich direkt neben ihm befand. Schon die letzten zehn Minuten hatten bewiesen, wie wenig aktuell nötig war, um die kleine Flamme im grellen Licht des Tages zu verlieren.


„Ich spüre es... irgendwie.“ Thyr lächelte ein wenig. Der Machtsinn war schon irgendwie komisch. So ganz anders als seine biologischen Sinne und doch … nicht total fremd. Kein vergessener Sinn, der plötzlich aktiviert wurde und von seinem Körper vollwertig akzeptiert wurde. Nein, es war schon irgendwie... äußerlich? War das das richtige Wort? Oder eher fremd? Nein, eigentlich weder das eine noch das andere, aber halt auch nicht … lag es an der Position? Alle seine Sinne saßen ja quasi außen am Körper. Augen, Ohren, Nase, Haut und so weiter. Alles wurde außen aufgenommen. Aber die Macht und der Machtsinn … als wäre... sein Gehirn (?) oder sogar sein gesamter Körper selbst ein Sinnesorgan geworden? Konnte man es so ausdrücken? Was es aber auch war, es war auf jeden Fall – nicht negativ gemeint – gewöhnungsbedürftig.

Das Rauschen, das Licht des Sterns über ihm, sollte er nun aber ausblenden. Auf einfache körperliche Sinne bezogen fiel das Thyr inzwischen leicht. Er konnte Geräusche ausblenden und einzelne Stimmen herausfiltern, wenn es gerade regnete. Oder ein ganz bestimmtes Objekt anvisieren, welches sich im hohen Gras versteckte. Er konnte sich sogar auf Dinge auf seiner Haut konzentrieren und dabei anderes ausblenden. Sogar Schmerzen. Nur bei Gerüchen war er noch nicht so weit. Doch das war alles einfach. Er hatte viele Jahre Zeit gehabt dies zu erlernen und das war ja auch alles Biologie. Jedes Lebewesen, ob sich nun der Macht bewusst oder – statistisch gesehen höchstwahrscheinlich – nicht, lernte dies irgendwann. Manchmal nach Jahren, manchmal buchstäblich noch in der selben Stunde der Geburt.

Aber wie sollte er das mit dem Machtsinn machen? Kaum hatte er
Mas Kerze gesucht und dafür seine Augen geöffnet, war natürlich auch das grelle Tageslicht als ungewollter Begleiter dazugestoßen. Es war zumindest bei diesem Gleichnis auch schwerlich zu vermeiden. Aber auch nicht unmöglich. Man konnte das natürliche Licht ausblenden und das Strahlen des Feuers verstärken. In dem Beispiel bedurfte es dann Hilfsmittel wie eine Hand. Beim Machtsinn war es an sich sogar einfacher, denn er konnte die Macht nutzen um das Rauschen zu dämpfen oder komplett auszublenden. Oder... Moment. Konnte man das? Oder war das eine Sache der Konzentration? Des Verstandes?

Diese und jene Fragen stellte sich der Padawan, während er gleichzeitig seinen ersten Versuch startete. Bevor er verbal fragen würde, wollte er wenigstens ein bisschen herumprobieren. Sein erster Ansatz war auch der primitivste. Er würde einfach alle Energie, allen Fokus auf Mas Aura lenken und somit sozusagen dem Rest keine Chance geben ihn abzulenken. Er verengte quasi seine Augen zu Schlitzen, legte die Hände noch zusätzlich an diese und ging möglichst nahe an die Flamme heran, sodass er wirklich fast nur noch diese sehen konnte. In der Realität brauchte er natürlich etwas länger und die vitale Atmosphäre Coruscants verschwand nie wirklich, aber Mas Aura wurde tatsächlich noch etwas stärker. Na immerhin!


„Das hat … funktioniert. Aber … ehrlich gesagt … ich glaube ich habe mich einfach nur stärker konzentriert. Ich möchte aber noch etwas probieren.“

Das durfte er natürlich. Mas gab seinem Padawan noch etwa eine halbe Stunde Zeit sich völlig frei auszuprobieren, dann war es Thyr, der seine Augen öffnete und damit das Ende seiner Versuchsreihe verkündete.

„Zuerst habe ich mich einfach auf eure Aura konzentriert, Meister. Das hat geholfen, aber ich glaubte nicht, dass das im normalen Leben gut funktionieren würde.“

Ein unbewegtes Ziel nicht aus den Augen zu verlieren, wenn sich auch sonst nichts um einen herum bewegte, war schließlich nicht sonderlich schwer.

„Danach hab ich versucht mich auf eure Aura zu konzentrieren und gleichzeitig daran zu denken. Also … damit ich alles andere vergesse. Aber das war auch irgendwie... es hat kurz funktioniert. Aber dann denke ich ja viel zu viel nach und irgendwann...“

Sabotierte er sich selbst, weil seine Gedanken doch wieder bei Coruscants Bewohner landeten. Das Ausblenden des Hintergrundrauschens durch Gedanken war kein besonders erfolgversprechender Ansatz gewesen.

„Als letztes wollte ich mich dann … na ja … daran gewöhnen? Wie das auch im, also, so jetzt ist, an einem normalen Tag. Hier im Tempel oder bei mir auf der Farm auf Bandomeer. Man kennt die Geräusche, die Gerüche, hat alles tausend Mal gesehen. Man bemerkt es erst wieder, wenn es fehlt.“

Das Fazit war nicht seines. Das hatte er mal wieder aus der Schule, wenn auch diesmal von einem Schüler. Der es, jetzt da Thyr darüber nachdachte, vermutlich auch nur von einem Lehrer hatte.

„Aber das hat nicht so wirklich geklappt. Vielleicht später...? Falls ihr noch eine Idee hättet, damit es schneller funktioniert...?!“

Thyrs Grundgedanke war, wie schon seit langem, das es natürlich an ihm selbst lag. Das andere solche Techniken schneller erlernten. Mas wahrscheinlich auch...

[Coruscant-System - Coruscant - Jedi Tempel - Meditationskammer - Mas Nerlo und Thyr Denul]
 
Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation mit Krina



Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - Intensivstation? - Ians Zimmer, mit Eowyn, Malek vor der Tür

Ian hatte sich an die Hoffnung geklammert, dass sie Bastion überleben würden. Die Pille im Zahn hatte er verweigert, um sich noch mehr Ansporn zu geben, alles zu tun, um zu überleben. Und jetzt saß sie vor ihm. Verletzt – auf wie viele Arten und vor allem wie stark, wusste Ian nicht, aber sie lebte. Sie lebten beiden. Eine ungeahnte Erleichterung machte sich in Ian breit, die sich anfühlte, als hätte er nie, nicht ein einziges Mal etwas erlebt, dass ihm Schaden zugefügt hätte. Bei der Macht, er fühlte sich, als wäre er gerade in einem verheißenen Paradies aufgewacht und das, allein weil sein kleines Wunder hier saß und lebte. Keine Sekunde musste vergehen, um Eowyns Hand zu ergreifen, vorsichtig, da er nicht wusste, ob sie auch darin Schmerzen hatte, aber ohne zu zögern.

„Ich bin so erleichtert“, sagte er heiser und das war die präziseste Antwort darauf, was oder wie er gerade fühlte. Wenn da auch noch immer Chaos war, noch immer nichts geordnet, trotzdem war da Erleichterung. Nicht nur, weil sie lebten – sie hatten geschafft, wofür sie alles in die Waagschale geworfen hatten. Das Virus finden, es sicher nach Coruscant bringen und überleben. „Bis jetzt hat nur Riuen mit mir geredet. Ich weiß noch … Wie wir in den Katakomben waren. Am Ende. Dann war ich hier.“ Da waren einige Puzzleteile die fehlten, wenn nicht gar eine Menge. Doch hatte Ian eben noch eine Menge wissen wollen, waren sein Berg an Fragen zusammengeschrumpft. „Wie geht es dir?“, wollte er stattdessen wissen. „Ich meine wirklich“, schob er hinterher, da er befürchtete, dass Eowyn, um ihn zu schonen, nicht die Wahrheit sagen würde. Dann tauchten sie wieder auf, Fragen, die den ganzen Tag füllen würden. Was genau war geschehen? Auf Bastion. Mit ihr. Warum saß sie in diesem Stuhl? Stimmte es, dass alle, bis auf Ahna überlebt hatten?



Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - Intensivstation? - Ians Zimmer, mit Eowyn, Malek vor der Tür

 
Coruscant- Jedi-Tempel- Trainingsraum 256- mit Brianna

Brianna tadelte sie, dass sie hier keine Kontakte geknüpft hatte und Bailee zuckte mit den Schultern.

„Es ist ja nun nicht so, dass ich gar keine Kontakte gehabt hätte. Nur sind die alle wieder verpufft. In Raumschiffe gestiegen und seit dem nicht mehr aufgetaucht. Akani, Calen, Sarid Horn, Eriu, Yneha,Jax… Da waren schon einige. … Bis dann der Typ vor der Tür stand und meinte, ich solle mein Zeug packen, ich würde nach Felucia gehen. Felucia!!! Weisst du, wo das ist? Hinterm letzten schwarzen Loch gleich links. Und so gemütlich mit der Flora und Fauna da.Würd mich mal interessieren, wie viele von meiner Reisegruppe noch am Leben sind.“

Sie schnaubte bei dem Gedanken. Gut, sie war raue Natur gewohnt. Glee Anselm war ja nun auch nur auf den ersten Blick ein Paradies, wie das meistens auf diesen Planeten so war. Aber sie kannte Felucia auch und hatte wirklich keine Lust, dort auf Wanderung zu gehen.

Brianna meinte dann, dass sie gern bei einer Begegnung zwischen ihr und diesem Jeg Harkness dabei wäre. Allerdings rollte sie mit den Augen und Bailee grinste. Das war wohl ironisch gemeint. Aber gut, sie würde diesen Marrev nachher mal ausfindig machen, um ihn um Hilfe bei ihrem Schloss-Problem zu bitten. Damit Brianna nicht beunruhigt war. Der Gedanke liess Bailee noch breiter grinsen.

Zu ihrer Energy-Drink- Idee gab Brianna ihr nur die Aufgabe, sich nicht dran zu vergiften. Bailee lachte.

„Wenn mans drauf anlegt, schafft man das sogar mit Wasser. Aber keine Sorge: Bevor das passiert bin ich erstmal so drauf wie du!“

Was vielleicht generell keine schlechte Idee wär, so, wie Brianna sie beim Lichtschwerttraining an ihre Grenzen trieb. Ob so ein Kampf mit 2-3 Rationen von so nem Getränk anders verlaufen würde? Auf jeden Fall wären die Konsequenzen verheerender, wenn die Wirkung nachliess. Ein Versuch wäre es vielleicht trotzdem wert und das nur, um Briannas Gesicht zu sehen. Das sie nicht ganz faulpelzig gewesen war in ihrer Abwesenheit, merkte die Echani aber dennoch und lobte sie dafür. Bailee grinste, musste aber erstmal ein paar Atemzüge nehmen, um wieder Luft genug zu haben. Voll unfair, das Brianna das garnicht mitzunehmen schien.

„Ich wusste halt, dass du zurück kommst und hab mir schon gedacht, dass meine Ausbildung dann richtig los geht. Ich wollte nicht, dass dir vom ganzen Augen-Rollen dabei schwindelig wird.“


Und das wäre garantiert passiert. Brianna wurde nach dem Lichtschwert-Training nichtmal langsamer, sondern begann sofort mit ihrem Yoga. Bailee runzelte die Stirn. Ja, sie war mit einigen Positionen besser geworden. Aber nicht SO!

„Ich hab nen Holo-Tagebuch über mein Yoga-Abenteuer geführt, wie du gesagt hast. Ja , ich bin besser geworden. Und Ja: Die Anfänge sahen echt zum Schiessen aus.“

Während Bailee mit den Figuren kämpfte, die Brianna einnahm als wäre es das natürlichste der Welt, begann sie zu erzählen. Wie bekam sie überhaupt Luft so? Ganz blieb Bailee dann die Luft weg, als Brianna davon sprach, sich in einem Fleischtransporter nach Bastion bringen zu lassen. Bailee richtete sich wieder auf und sah ihre Meisterin an, als hätte sie den Verstand verloren. Holte sogar Luft um sie genau das zu fragen, besann sich dann aber eines besseren und wackelte mit dem Kopf, während ihr Gehirn ihr schon Lösungen für die zuvor gesehenen Probleme bei dieser Idee lieferte.

„Du wolltest schon lebend da ankommen, oder? Nur so für meine Zukunftsplanung. Und du weisst, dass interplanetare Transportcontainer für Lebensmittel was anderes sind als die Kühlhäuser hier im Keller, oder? Da geht es nicht nur darum, das die Lebensmittel so beim Kleinverteiler ankommen, als wären sie gestern erst geschlachtet oder geerntet worden. Pest-Control ist genauso wichtig. Landwirtschaftsplaneten haben fast alle ihren Spass mit irgendwelchem Ungeziefer, dass um ihre Waren drum rum huscht. Und das sollte nicht mit den Waren in der ganzen Galaxie verteilt werden. Das bedeutet…Fleischcontainer sagst du? Gut. Wir haben 2 Minuten in dem Ding, dann sind da nicht nur -40 Grad sondern auch keine atembare Luft mehr. Die meisten Container werden zum Transport umgegast- auch um Oxidation zu verhindern. Und um zu verhindern, das da drin irgendwas einfach in den Winterschlaf geht und dann am Zielort für Chaos sorgt. Wir haben es dann entweder mit einem CO2-Stickstoff-Gemisch zu tun .Oder mit Argon. Das sind die neueren Container. Und die haben Sensoren, damit niemand aus versehen seinen Kollegen drin einsperrt. Dann geht der Container nicht in den Transportmodus sondern schreit:“Warenraum prüfen“.

Sie sah ihre Meisterin an, die sich schon in den Lotussitz setzte. Etwas, das Bailee auch noch nicht konnte. Aber der Schneidersitz ging immer. Also setzte sie sich dazu und ihre Augen funkelten angesichts der Herausforderung.

„Wenn ich also auf die absolut idiotische Idee käme, mich in so nem Ding einsperren zu lassen, mit dem Ziel, nicht entdeckt zu werden, würde ich als allererstes die Sensoren überschreiben. Das die mit meiner Anwesenheit einverstanden sind. Das könnte mit nem Computervirus passieren. Oder indem man das Signal der Sensoren überschreibt an irgendeiner Stelle zwischen Sensor und Computer. Da die Container aber alle halbwegs baugleich sind, sollte das auch gut funktionieren. Und ich hätte mich extrem gut auf die Sache vorbereitet mit so viel Isolation wie möglich. Am besten wären wohl raumtaugliche Anzüge. Ansonsten: Vollgesichtsmaske mit persönlicher Atemluftversorgung .Mit zwischengeschaltetem Wasserreservoir, um die Atemluft zu befeuchten und den Flüssigkeitsverlust über die Schleimhäute und Augen zu minimieren. Und nem kleinen Heizelement, dass die Atemluft auf zumindest 5 Grad aufheizt, damit die Feuchtigkeit nicht gefriert, bevor man es einatmet. Reicht immernoch für ne Lungenentzündung im späteren Verlauf, aber das wär dann eben für später. Und dann müsste man wohl hoffen, dass die Isolation und die Atemluft reicht, bis man ankommt. Gefrierbrand am Hintern ist sicher unangenehm.“

Wenn einem die Luft ausging, war der Gefrierbrand wiederum egal.

„Also, ja. Kann man machen. Mit Vorbereitung, sonst landet man nicht da, wo man hin wollte. Aber dann hast du definitiv recht: Man würde nicht mit uns rechnen in dem Container. Niemals!Also. Türen knacken, das Unmögliche möglich machen, sonst noch was?“

Die Nächte würden kurz werden. Verdammt kurz. Sie würde mehr Energy-Drinks brauchen, als angenommen. Und angesichts der wachsenden ToDo-Liste hatte sie fast ein schlechtes Gewissen, hier mit Brianna zu sitzen statt für ihren Komfort in einer absolut lebensfeindlichen Umgebung zu sorgen. Aber das Training hatte jetzt genauso eine Prio wie die Vorbereitung auf die Rettungsmission. Hätte sie ihr nicht die ToDo-Liste schon vor ner Woche schicken können oder so? Dann hätte Bailee schon fertig sein können.So ein Mist.
Um dem ganzen noch eins drauf zu setzen, zeigte ihr Brianna eine deutlich sichtbare Vergiftung an ihrem Arm, nachdem sie ihr erklärt hatte, wie man heilt. Bailee’s Augen wurden gross, als sie den Arm ihrer Freundin sah.

„Und du sagst, ich soll keine Energydrinks saufen, die für mich toxisch sind. Und dann kommst du mit SOWAS um die Ecke. Was ist das?“

fragte sie und wunderte sich , wie Brianna hier so chillig rumsitzen und den nächsten Einsatz planen konnte mit sowas am Arm. Ganz zu schweigen vom Lichtschwert-Duell, das sie nichtmal ins Schwitzen gebracht hatte. Das war doch nicht menschlich! Ok, Brianna war eine Echani, aber normal war das dennoch nicht. Aber gut, Brianna hatte in sofern recht, dass das ein gutes Übungsobjekt für Bailee war. Nichtmal, damit sie was hatte, an dem sie sich ausprobieren konnte. Nein. Bailee machte sich Sorgen um Brianna- vor allem in Anbetracht der viel zu kurz bemessenen Zeit, die sie noch hatten, bevor sie los mussten. Wenn es ihr möglich wäre, sie irgendwie dabei zu unterstützen, mit einer besseren Ausgangslage zu starten, würde sie es mit Freuden tun. Mit entsprechendem Enthusiasmus machte sie sich jetzt auch daran, die Erkrankung? In der Macht zu erforschen. Allerdings machte sich hier ihre mangelnde Übung bemerkbar. Ja, sie hatte geübt. Mit Brianna auf dem Weg nach Alderaan und mit Akani auf dem Weg zurück. Aber das waren nur sehr oberflächliche Übungen gewesen, wie das Erspüren anderer im Generellen. Feindiagnostik wie das hier hatte nicht dazu gehört. Dem entsprechend ging es eine ganze Weile, bis Bailee nicht nur Brianna als machtsensitives Wesen als solches wahrnahm, sondern gezielter entdeckte, wie genau die Macht durch sie floss. Sie hätte sich eindeutig mehr damit auseinandersetzen sollen, statt an irgendwelchen Gerätschaften zu tüfteln. Vielleicht hätte sie das auch tatsächlich getan, wenn man sie nicht mehr oder weniger raus geschmissen hätte. Mit dem aufkommenden Frust darüber verlor sie auch wieder den Fokus und musste sich bewusst wieder mehr auf die Problemzone konzentrieren. Aber irgendwann erkannte sie, was Brianna meinte. Es fühlte sich in Briannas Arm an, als hätte die Macht dort Schwierigkeiten, ihren Weg zu gehen. Als wäre es zäh, schwer zu durchqueren, schlammig wie die Sumpfregionen von Gleeanselm, wo eigentlich ein klarer Bach sein sollte. Aber das hier war ein Körper, keine Landschaft. Wie könnte man das reinigen?

Coruscant-Jedi-Tempel- Trainingsraum 256- mit Brianna
 
Coruscant – Jedi-Tempel, Trainingsraum 256 – Bailee und Brianna

Okay, Bailee hatte schon einige Kontakte im Jedi-Orden geknüpft. Nur eben lange nicht so viele wie Brianna, die praktisch jedes Ratsmitglied persönlich kannte. Außerdem hatte sie mehr Pech gehabt und war nach Felucia geschickt worden, wo auch immer das sein sollte.

„Nein, keine Ahnung,“

Erwiderte Brianna kopfschüttelnd, als ihre Padawan danach fragte. Im Hinblick auf die wohl bevorstehenden Experimente war sie skeptisch – nicht dass die Nautolanerin sich mit einer Dose mit Spice versetztem Green Nerf in Sphären schoss, die eine Teilnahme an einer Undercovermission auf feindlichem Terrain undenkbar werden ließen.

„Sei' aber vorsichtig, ja?“

Irgendwann ging das Lichtschwerttraining zu Ende und Brianna hatte nicht den Eindruck, dass sich da jemand noch mit Stimulanzien pushen müsste. Gemessen an ihrem Ausbildungsstand war Bailee schon recht fit. Weder mit noch so viel Fitness oder Energydrinks würde sie ihren Schützling aber in der Kürze der Zeit auf ein Niveau bringen können, um sie guten Gewissens nach Bastion mitzunehmen. Gaya und Riuen waren beide schon viel weiter gewesen und das Bastion von damals, ähem, vor noch wenigen Tagen war Kindergarten verglichen mit dem, was sie nun erwarten würde. Aber zufrieden war sie trotzdem mit dem Ausbildungsstand. Kein Grund zum Augenrollen, wie Bailee glaubte,

„Als ob ich das je tun würde!“

Echauffierte sich Brianna entrüstet. Sie war weit davon entfernt, ihre Maßstäbe an andere anzulegen. Ganz im Gegenteil gefiel sie sich ja darin, hoch über fast allen anderen zu schweben. Das zeigte sich auch im Yoga, aber deswegen taten sie es nicht, das Dehnen nach dem Sport war einfach zu wichtig, so viel Zeit musste sein.

„Sag' doch nicht sowas. Es war nicht zum Schießen, es war in Ordnung für eine Anfängerin,“

Ermahnte die Ritterin sie ernst. Als sie dann von ihren Überlegungen sprach, wie sie sich vorstellte, ungesehen nach Bastion zu gelangen, sah Bailee sie erst an, als hätte sie den Verstand verloren und legte ihr dann wortreich dar, warum ihre Idee ziemlich dämlich war. Brianna hörte sich die Tirade schweigend an und dehnte ihre Arme, um beschäftigt zu wirken. Schließlich seufzte sie und meinte:

„Okay, tiefgefroren ist doof, also kein Fleischtransport. Hast du eine bessere Idee? Wir werden in Stasis sein, wir brauchen keinen Sauerstoff und kein Wasser. Dein… Ergon?… sollte kein Problem sein, wenn es uns nicht innerhalb von ein paar Minuten nach dem Aufwachen umbringt. Im Grunde kann uns recht wenig was anhaben, außer eben großer Hitze oder Kälte und schnellwirkendes Gift zum Beispiel. Das ist auch gut so, denn große Mengen Überlebensausrüstung werden wir nicht mitnehmen können. Ich werde froh sein, wenn wir Lichtschwerter, Koms und Schlossknacker durch die Kontrollen schleusen können. Deshalb auch die Stasis. Wir müssen nicht nur irgendwelche Statussensoren von Kühlcontainern überlisten, die werden jedes Stück, das den Raumhafen durchläuft komplett abscannen. Wenn die irgendwelche Vitalfunktionen oder Körperwärme registrieren, war's das für uns. Bastion wird nach den Ereignissen der letzten Tage wie ein Kolossuswespennest im Belagerungszustand sein, das kann ich dir sagen.“

Sie sah ihre Padawan eindringlich an. Merkte sie langsam, worauf sie sich da einließ, wenn sie ihre Meisterin nach Bastion begleiten wollte?

„Organisches Material als Fracht wäre gut, irgendwas, was auf dem Scanner unserem Fleisch ähnelt. Deshalb wäre mir der Gedanke, mich zwischen irgendwelchen Nerfhälften zu verstecken, ja sympathisch gewesen. Etwas, was in großen Mengen, also containerweise, zur Weiterverarbeitung gebracht wird und was entweder zu empfindlich zum Einfrieren ist oder so unempfindlich, dass frau es gar nicht erst kühlen muss. Außerdem muss es natürlich was sein, was Bastion von außen importieren muss – klingt, als müssten wir zu allem anderen auch noch imperiale Ein- und Ausfuhrstatistiken wälzen.“

Irgendwie kam sie ihrem Ziel nicht wirklich näher. Es gab noch so viel zu tun und die Zeit rannte Kestrel davon. Auch Briannas Unterarm ließ sich mit der Heilung Zeit. Der Anblick ließ Bailee erschrecken und sie fragte gleich, was das wäre.

„Eine Sith hat mir das beim Kampf mit einer vergifteten Klinge zugefügt. Der Analyse nach ist es Dathomir-Hexengift, vermutlich von Nachtschwestern. Es ist schon aus dem Körper raus, aber die Folgen kannst du hier noch bewundern,“

Klärte Brianna sie auf. Als Übungsobjekt für Machtheilung war der Arm natürlich perfekt. Der Echani war klar, das Ian oder sie Bailee in Stasis versetzen werden müsste, doch je mehr die Padawan schon von diesen Dingen verstand, desto besser. Gerade wenn sie mit Ergon und anderem Teufelszeugs fertigwerden mussten. Körperliche Verletzungen in der Macht spüren zu können, das wäre erst mal das wichtigste.

Gemeinsam konzentrierten sie sich also auf die Macht. Bailee versuchte, diese Kraft zu fühlen und Brianna, sie dabei zu beobachten. Es dauerte eine ganze Weile, bis sich bei der Nautolanerin etwas wahrnehmbares tat. Das war ihr Machtfühler in der Wunde, nicht wahr?


„Sehr gut, ich glaube, du hast es. Die Heilung fällt mir jetzt zu beschreiben, für mich ist das etwas Intuitives und ich weiß, dass ich anders arbeite als die klassisch ausgebildeten Heilerinnen. Ich spüre eben, dass das Qi an einem Ort schlecht ist und mache, dass es wieder fließt, etwa so,“

Erklärte Brianna und ließ eigene heilende Energie in den Unterarm fließen, damit ihre Padawan etwas zum Beobachten hatte.

Coruscant – Jedi-Tempel, Trainingsraum 256 – Bailee und Brianna
 
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