Coruscant

Coruscant – Jedi-Tempel – Umfunktionierte alte Padawanquartiere tief unten – Daemon und Brianna

Als Brianna endlich den Verschluss öffnete, war das Geräusch für ihn fast so süß wie ein Liebkosungswort. Der scharfe Geruch von billigem Alkohol stieg in seine Nase, brannte dort wie ein alter, vertrauter Freund.
Er griff nach der Flasche, versuchte, seine Gier zu verbergen, aber seine Finger waren zittrig, seine Muskeln angespannt. Der Entzug hatte ihn die letzten Stunden zermürbt, hatte ihn schwitzen und frieren lassen, seinen Körper mit einem kaum auszuhaltenden Jucken überzogen.

Er setzte die Flasche an und trank.

Das brennende Gefühl im Hals, die raue Schärfe des Whiskeys, der billige, fast chemische Nachgeschmack – alles war ihm egal.
Jede einzelne verdammte Zelle seines Körpers sog den Alkohol auf, als wäre er die letzte Rettung vor dem Wahnsinn.
Sein Atem wurde ruhiger. Sein Zittern ließ nach.
Er ließ die Flasche sinken, leckte sich über die Lippen und atmete tief durch.
Brianna sprach weiter, ihre Worte drangen jetzt klarer zu ihm durch, weil sein Körper nicht mehr nur nach dem nächsten Tropfen gierte.

Sie wollte wissen, was mit Kestrel war.

Daemon ließ sich Zeit mit der Antwort.

Er lehnte sich an die karge Wand seiner Zelle zurück, schwenkte die Flasche in der Hand und betrachtete die goldene Flüssigkeit darin.

Dann zuckte er mit den Schultern.

„Ja, ich kenne sie. Ich hab ihren Namen oft genug gehört.“

Er sah Brianna an, ließ einen Moment verstreichen, dann fuhr er fort:

„Auf dem Flug nach Kast haben einige über sie gesprochen. War nicht zu überhören, wenn man aufgepasst hat. Klingt, als hätte sie ein ziemliches Durchhaltevermögen. Ich glaube, sie hat’s
Sturn nicht leicht gemacht. Anderen hat sie ein ziemlich schlechtes Gewissen hinterlassen, welche sie ihm ausgeliefert hatten“

Er nahm noch einen Schluck. Langsamer diesmal. Genoss das Gefühl, wie der Alkohol durch seine Adern floss.
„Ich hab sie auf Bastion gesehen.“

Sagte er schließlich, und diesmal war seine Stimme tiefer, ernster.

„Aber sie sah scheiße aus, das kann ich dir sagen. War nicht mehr viel übrig von ihr. Im Vergleich zu den anderen Gefangenen…“

Er ließ die Worte hängen, als müsste er nachdenken.

„Da waren ein Nautolaner und ein menschlicher Kerl. Die sahen… mitgenommen aus, klar. Aber Kestrel…sie muss es nach deiner Beschreibung gewesen sein.“

Er schüttelte den Kopf.

„Sie war am Ende. Abgemagert, bleich. Hatte keine Kraft mehr zu stehen. Die Wachen haben sie einfach getragen, als wäre sie nichts weiter als eine Puppe.“

Sein Blick suchte Briannas Gesicht, wollte sehen, ob sie das schockierte.

„Ihr Bein war verletzt. Keine Ahnung, was genau, aber sie konnte nicht laufen. Und da war eine Wunde an ihrem Bauch. Sah frisch aus.“

Er schnalzte mit der Zunge, überlegte, ob er weitersprechen oder noch ein bisschen mit den Informationen spielen sollte.

Dann lächelte er dünn.


„Lichtschwertwunde direkt durch den Torso, würd ich sagen.“

Er ließ die Worte wirken.

„Ach ja, und dann hab ich gehört, dass Sturn ihr auf Ziost eine verdammt harte Zeit bereitet hat. Wochenlang. Folter, Schmerz, das volle Programm.“

Er zuckte mit den Schultern, als wäre es nichts weiter als eine beiläufige Bemerkung.

Dann hob er die Flasche wieder an die Lippen.

Trank.

Ein Drittel war noch übrig.

Langsam senkte er sie und sah Brianna an.


„Ich kann dir mehr sagen.“

Meinte er dann, sein Tonfall geschäftsmäßig, ruhig.

„Viel mehr. Aber…“


Er ließ das Wort in der Luft schweben, musterte sie mit einem kühlen Lächeln.

„Was springt für mich dabei raus?“

Er hob die Flasche ein wenig an.

„Noch ein Drink?“

Dann schüttelte er den Kopf.

„Nein. Ich meine was “Richtiges”.“

Sein Blick wurde schärfer.

„Meine Entlassung aus dieser verdammten Zelle, zum Beispiel.“
Coruscant – Jedi-Tempel – Umfunktionierte alte Padawanquartiere tief unten – Daemon und Brianna
 
Coruscant – Jedi-Tempel – Umfunktionierte alte Padawanquartiere tief unten – Daemon und Brianna

Er nahm das Angebot an, griff nach der Flasche. Aber hielt er auch Wort? Brianna musste sich sehr beherrschen, um sich die Anspannung nicht anmerken zu lassen. Immerhin war er ein Sith, sein Wort galt nicht viel. Tatsächlich ließ Daemon sich ewig Zeit, als genösse er es, die Vollblut-Echani auf die Folter zu spannen. Schon erwartete sie Ausflüchte oder neue Forderungen, die Warterei zerrte an ihren Nerven. Er wusste das haargenau, richtig? Er schien dieses kleine bisschen Macht zu genießen. Eigentlich wollte die Silberhaarige ihm diesen kleinen Triumph nicht gönnen, aber was sollte sie machen, es funktionierte einfach.

Nach einer viel zu langen Aneinanderreihung dramaturgischer Pausen (Sith-Brianna hätte ihren Gefangenen längst an die Wand geklatscht) gab er endlich zu, Kestrel zu kennen. Und… wartete… wieder…, bevor er weitersprach. Es schien der Echani, als erlebte sie gerade den anstrengendsten Teil ihres gesamten Kurzaufenthalts auf Coruscant. Als das Halbblut dann doch einmal mit verwertbaren Informationen herausrückte, formte sich ein Lächeln auf Briannas Lippen. Sie hatte es Janus nicht leicht gemacht. Das war ihre Kestrel! Oh, und jemand hatte ein schlechtes Gewissen?


„Wer?“

Bohrte sie augenblicklich nach. Es folgte mehr und es fiel auf, dass Daemon keineswegs so gefühlstot-sadistisch war wie viele andere Sith, oder wenigstens noch nicht. Eine Kira hätte Brianna mit Genuss unter die Nase gerieben, in welch erbärmlichen Zustand Kestrel war. Er hingegen… naja, er bebte nicht gerade von Mitgefühl, aber im Vergleich zeigte er eine Menge Gefühlsregung. Brianna hingegen wurde schlecht, so schlecht, dass sie nur oberflächlich wahrnahm, wie er durch seine Beschreibung bewies, dass er sich das nicht alles nur ausdachte.

„‚Bastion‘ heißt ‚Sith-Tempel‘‘,

Stellte sie nüchtern feste. Außerdem wusste sie nun, dass die Guldurs nicht gelogen hatten. Völlig entkräftet und abgemagert. Eine Bein- und eine Bauchverletzung – zum Tiefkern! Vielleicht würde sie wirklich zu spät kommen und Kestrel wäre tot, bis Brianna sie retten kam. Sie hätte den Umweg nach Coruscant nicht machen sollen, dann wäre sie eben einarmig in den Sith-Tempel gestürmt! Lichtschwertwunde durch den Torso. Der Vergleich zu Janus drängte sich auf, dem lebenden Toten. Sie hatte keine Ahnung, was ihn am Leben erhielt, glaubte aber nicht, dass Kestrel ähnliches Glück hatte. Das war übel. Briannas Gesicht versteinerte sich in dem Bemühen, sich bloß nichts anmerken zu lassen. Ihr ganzer Körper versteifte sich, weil sie sonst am kompletten Leib zu zittern anfangen würde. Nein, viel Mitgefühl war da bei Daemon nicht. Aber wenigstens ersparte er sich die Häme. Das war auch sein Glück.

Egal, Brianna musste es trotzdem versuchen. Die Sith hatten Eowyn auch immer gerade so hart drangenommen, dass sie nicht starb. Eine gefangene Jedi-Meisterin war wertvoll, das war frau nicht einfach so weg, auch bei den Sith nicht. Sie würden die Bauchwunde mit Bacta versorgen, provisorisch. Sicherlich blieb eine fürchterliche Narbe zurück. Aber sie würde noch leben. Kestrel konnte nicht gestorben sein, das würde sie doch wissen!! Und sie würde gehen und ihre alte Meisterin retten.

Während Brianna in Gedanken bereits losstürmte, ein weiteres Mal hinein in die Katakomben, bot Daemon weitere Informationen an. Wieder spannte er sie auf unterträgliche Weise auf die Folter. Er rückte nicht damit raus, was er noch wusste, aber was er haben wollte, das war klar. Nichts, was die Alabasterhäutige ihm geben konnte. Von dem widerlichen scharfen Zeug hätte sie ihm gerne besorgt, so viel er wollte, solange er weiterredete. Sie würde es aber versuchen. Zumindest hatten die langen Kunstpausen des Sith-Schülers ihr geholfen, unter dem Einsatz all ihrer Selbstdisziplin die Fassung wiederzuerlangen. So konnte sie stark und hart wirken, als sie antwortete:


„Dich aus dieser Zelle freizulassen steht nicht in meiner Macht, ABER ich kann mich für dich einsetzen. Das muss genügen.“

Brianna sah den Halbechani einen Moment lang ernst an. Das war recht wenig als Versprechen, das war ihr bewusst, andererseits fragte sie sich, welche Informationen er überhaupt noch zurückhalten konnte. Denn, das musste ihr klar sein, was zählte waren Dinge, die ihr für die Rettungsaktion nützlich sein würden. Eine noch detailliertere Beschreibung der grässlichen Verletzungen ihrer Freundin brauchte sie dagegen nicht.

Schließlich zückte sie ihr iKom und begann, eine Sprachnachricht an die einzige Person zu schreiben, die ihr sinnvoll einfiel. Die Ritterin hätte sich gewünscht, es wäre nicht so, aber es war Rornan Elliundi, den Rat, den sie am allerwenigsten leiden konnte, aber der im Moment alle Fäden in der Hand zu halten schien. Außerdem war er der in der Öffentlichkeit bekannteste Rat, sie verriet dem Sith-Schüler dadurch also nichts.


„Verehrtes Ratsmitglied Elliundi,

ich habe soeben den Gefangenen Midracha verhört. Er hat sich überaus kooperativ gezeigt und meine Fragen vollständig und wahrheitsgemäß beantwortet. Wenn gewünscht, fertige ich Euch gerne einen Bericht dazu an. Im Gegenzug verlangt er die Freilassung. Da es sich um einen noch recht frischen Schüler handelt, denke ich nicht, dass er noch andere bedeutsame Informationen besitzt oder es sonstige Gründe gibt, ihn noch länger festzuhalten. Infolgedessen bitte ich Euch darum, dem Wunsch nachzukommen.

Hochachtungsvoll,
Brianna Kae“

Nachdem die Echani die Nachricht fertig diktiert hatte, hielt sie Daemon das iKom hin, damit er sich davon überzeugen konnte, dass sie wirklich eine Nachricht an Elliundi verfasst hatte. Ihr Daumen schwebte über den Senden-Knopf, drückte ihn aber noch nicht.

„Das ist die Nachricht, die ich senden werde. Aber zunächst möchte ich die restlichen Informationen über Kestrel und ihre Mitgefangenen. Ich höre.“

Coruscant – Jedi-Tempel – Umfunktionierte alte Padawanquartiere tief unten – Daemon und Brianna
 
Coruscant – Jedi-Tempel – Umfunktionierte alte Padawanquartiere tief unten – Daemon und Brianna


Daemon ließ die Flüssigkeit in seiner Kehle brennen, genoss den dumpfen, warmen Rausch, der sich langsam in seinen Gliedern ausbreitete. Es war eine Wohltat, eine Erlösung nach der monotonen Qual der Gefangenschaft. Der fade Geschmack des Wassers, das sie ihm hier gaben, konnte den beißenden Trost des Whiskeys nicht ersetzen. Und während der Alkohol seine Wirkung entfaltete, betrachtete er die hübsche, athletische Jedi vor sich mit kühler Berechnung.

Brianna Kae. Sie war ein faszinierendes Geschöpf, mit ihrem weißen Haar und dieser unnachgiebigen Entschlossenheit. Die Art, wie sie sich bemühte, stark zu bleiben, obwohl er sehen konnte, wie ihre Fassade Risse bekam, war fast… bemitleidenswert. So viel Sorge. So viel Schmerz in ihren Augen.

Er musste nicht einmal sonderlich scharfsinnig sein, um zu erkennen, dass diese Kestrel ihr viel bedeutete. Mehr als eine Mentorin, mehr als eine Freundin. Diese Art von Verzweiflung konnte nur von tiefen Bindungen herrühren. So etwas kannte er nicht. Beziehungen waren für ihn nichts als Zweckbündnisse, die sich auflösten, sobald der Nutzen verflog. Doch hier stand eine Jedi, bereit, sich selbst zu verlieren, nur um diese Frau zu retten.

Er fand es amüsant. Er fand es dumm.

Aber vor allem fand er es… nützlich.

Brianna hatte sich tatsächlich für ihn eingesetzt. Er hatte mit vielem gerechnet – einem Verhör, Drohungen, vielleicht sogar einer Lüge, um ihn zum Reden zu bringen –, aber nicht damit. Sie hatte wirklich eine Nachricht an dieses Ratsmitglied verfasst. Natürlich war er sich bewusst, dass die Wahrscheinlichkeit gering war, dass sie ihn tatsächlich freilassen würden. Er gehörte zu den Sith und dann auch noch zu Sturn. Das würde die Republik niemals einfach so durchgehen lassen. Aber allein der Versuch – das bedeutete etwas.

Er sah sie lange an, ließ die Stille sich zwischen ihnen ausbreiten. Dann nahm er noch einen tiefen Zug aus der Flasche, leerte sie mit einem letzten, langen Schluck und ließ das leere Gefäß achtlos zu Boden rollen.

"Die unteren Kerker..."

Begann er schließlich mit rauer Stimme.
Er konnte sehen, wie ihre Finger sich anspannen. Sie wartete auf jedes Wort, sog alles in sich auf, was er zu sagen hatte.


"Das ist, wo sie sind. Die Gefangenen. Deine Kestrel auch. Ich war dort oft genug – als Jünger durfte ich nicht viel von der Festung sehen, aber den Keller, die unteren Ebenen… da kenne ich mich aus."

Er lehnte sich leicht vor, sein Blick wurde kälter.

"Es ist kein Ort, an dem man sein will."

Die Erinnerungen waren vage, aber doch deutlich genug. Er konnte den modrigen Gestank des feuchten Steins fast riechen, das Echo von Schreien hören, das durch die engen Gänge hallte.

"Düster, feucht. Kalt. Die Wände sind von jahrhundertelangem Blut getränkt. Manche sagen, es lebt noch darin. Es gibt dort keine Fenster, keine Hoffnung. Die, die hinabgeführt werden, kommen selten wieder ans Licht – und wenn doch, sind sie nicht mehr dieselben. Die Sith, die dort unten arbeiten wissen, wie man jemanden zerbricht."

Er zuckte leicht mit den Schultern.

"Ich nehme an, du hättest das lieber nicht so detailliert gehört. Aber du wolltest die Wahrheit, also bekommst du sie."

Sein Blick wurde prüfend, während er ihre Reaktion beobachtete. Die Jedi waren immer so töricht, so überzeugt, dass sie das Richtige taten. Aber sie konnte sich nicht einbilden, dass eine Rettung möglich war.

"Wenn sie noch lebt – was ich bezweifle –, dann wird sie weiteres Leid erfahren. Vermutlich die Höchststrafe. Und nicht nur sie. Du wirst es auch, wenn du versuchst, sie zu holen."

Seine Stimme wurde leiser, eindringlicher.

"Es ist unmöglich."

Er ließ das Wort eine Weile in der Luft hängen, als wollte er ihr Zeit geben, es zu begreifen.

"Selbst wenn du an den Wachen vorbeikommst, selbst wenn du die Kerker findest – glaubst du wirklich, du kannst sie dort herausholen? Bastion ist eine Festung. Sie ist umgeben von Legionen von Soldaten, durchtränkt mit der Dunklen Seite. Du wirst sterben, oder du wirst gefangen genommen. Und dann wirst du die sein, die in den unteren Kerkern endet."

Er lehnte sich zurück, musterte sie abschätzend.

"Deine Kestrel wird ohnehin nicht mehr die Selbe sein, die du kanntest. Nicht nachdem, was sie durchgemacht hat über Wochen,... Monate. Das war auch einigen an Board bewusst nach Kast. Sie machten sich Vorwürfe. Zwei Frauen. Mehr weiß ich nicht, aber sie gehören dem Sith Orden an. Eine Menschin und eine Twi’lek, vermutlich deren Schülerin."

Ein schmales, fast mitleidiges Lächeln huschte über seine Lippen.

"Es tut mir leid, Brianna Kae. Wirklich. Aber es gibt keinen Weg, wie du sie retten kannst, ohne dabei dich selbst zu verlieren. Tu dir selbst einen Gefallen und bleibe Bastion und dem Sith Tempel fern. Es wäre sehr schade um dich und deinem so reinen, perfekten Körper. Es wäre sehr bedauerlich. Eine Verschwendung, hübsche Echani."

Meinte Daemon und strich sich über sein weißblondes Haar und kämpfte sich an der Wand hoch und torkelte ein paar Schritte auf sie zu, die Fingerspitzen nach ihrem reinen, bleichen Wangen ausgestreckt, nur um kurz vor ihrer Haut zu stoppen und seine Hand wieder zurückzuziehen und sie verlegen lächelnd anzusehen.

“Hast du noch einen Tropfen, von einer guten Flasche? Ich würde gerne das Geschehen auf Kast vergessen und das Versagen meines Meisters. Umso weniger bekomme ich von dieser Gefangenschaft mit. Das verstehst du doch sicher, meine kleine Schönheit , oder?”

Fragte er sie und legte den Kopf leicht schief.
Coruscant – Jedi-Tempel – Umfunktionierte alte Padawanquartiere tief unten – Daemon und Brianna
 
Coruscant – Jedi-Tempel – Umfunktionierte alte Padawanquartiere tief unten – Daemon und Brianna

Daemon hatte sich eine Gewohnheit daraus gemacht, Brianna mit möglichst langen Kunstpausen. Die Zeit, die er sich dieses Mal wieder ließ, verging quälend, doch es gab einen Hoffnungsschimmer. Würde der Halbechani zusätzliche Forderungen aufstellen, sich weitere Garantien ausbitten, bevor er sprach, hätte er das vermutlich eher getan. Sie hätte es ihm ja nicht einmal verübeln können, wie viel war es denn wert, wenn sie, eine unbedeutende Ritterin, vor dem bekanntermaßen überwiegend männlichen Rat sich für einen Sith-Gefangenen einsetzte?

Doch er sprach schließlich. Die unteren Kerker… das war gut, nicht wahr? Brianna war sich unschlüssig, ob sie den Ort kannte, und spürte zugleich Hoffnung aufkeimen. Sie würden von unten in den Tempel eindringen, aus der Richtung, aus der es niemand für möglich hielt. Weit unten, das war das erste, was sie bei ihrer Rückkehr zu sehen bekämen. Die Echani versuchte zu verbergen, dass ihr Gegenüber ihr gerade eine frohe Botschaft verkündete. Es erschien ihr durchaus möglich, dass Daemon von just dem Kerker sprach, aus dem sie bereits Eowyn herausgeholt hatten, und sie bemühte sich, ein ernstes, nichtssagendes Gesicht zu bewahren.

Die nähere Beschreibung klang jedoch nicht danach, oder er übertrieb? Doch es klang sehr nach den Katakomben, er musste diese also kennen. Brianna erinnerte sich an die Gefühle, die diese in ihr ausgelöst hatten. Die Sith, von denen er sprach – Leute wie dieser Thanatos. Sie dachte an Eowyn, die sie fast gebrochen hätten. Dabei war die Rätin so stark, viel stärker als ihr selbst bewusst war. Bei dem Gedanken, dass ihre arme Kestrel dauerhaft dort unten eingekerkert wäre, schauderte es ihr. Natürlich versuchte sie sich das nicht anmerken zu lassen.

Daemons lakonisches Schulterzucken, so versuchte die Silberhaarige es auch zu nehmen. Sabaccface. Das Gesicht hart. Sie würden sie da rausholen. Alles würde wieder gut werden.


„Du hast also Wort gehalten,“

Entgegnete sie mit aufgesetzter Kühle, während ihr Daumen ganz leicht zitterte, als sie den Senden-Knopf drückte und die aufgenommene Nachricht an Rat Elliundi auf den Weg geschickt wurde. Auf die gruseligen Details hätte die 28jährige tatsächlich gut und gerne verzichten können. Sie hatte auch so schon genug von diesen unteren Kellern und Katakomben gesehen, die Guldurs hatten ihr Dinge gezeigt und sie würde die Bilder lieber wieder aus ihrem Kopf bekommen. Die Bilder, wie Kestrel dort unten lag, gefoltert verwundet, aller Kräfte beraubt, brachen ihr das Herz.

Ungefragt und ungebeten redete der Gefangene weiter, dem trotz allem nicht wirklich klar zu sein schien, in welchem Luxus er hier lebte in diesem zwar auch festerlosen, staubigen alten Padawanquartier. Er warnte sie vor einem Befreiungsversuch – ahnte er etwa, dass dies der Grund war, weshalb sie all diese Informationen wollte – und drohte ihr anderenfalls ein schlimmes Ende an. Doch da war er bei Brianna an die falsche geraten. Es interessierte sie nicht, was ihr drohte, wenn sie versagte. Die Sith und die Imps würden sie nicht lebend zu fassen bekommen. Außerdem hatte sie für all diese Dinge bereits einen Plan. Ian wusste inzwischen vermutlich mehr über die Katakomben als jeder lebende Sith. Die Wachen würden kein größeres Problem darstellen als die imperiale Garde vor dem Viruslabor. Und Kestrel war bereits früher in Gefangenschaft gewesen, sie würde auch dieses Mal überstehen. Wenn sie schnell waren.

Brianna fragte sich, wer die beiden schuldbewussten Frauen waren. Die Twi'lek kannte sie vermutlich nicht und die Menschin war wohl eher Zoey als Ribanna. Sie waren beides Verräterinnen, das passte, aber nur die erstere konnte die Meisterin von irgendwem sein. Wahrscheinlich spielte es keine Rolle, sollten sie sich doch von der Schwere ihrer Schuld zerfressen lassen. Sie sah sie bestimmt nie wieder, und Kestrel wohl auch nicht.

Das war es dann. Als der Halbechani zum Schluss meinte, es täte ihm leid, klang eindeutig durch, dass er es schade fände, wenn Brianna sich für Kestrel opfern würde. Oh ja, sie gefiel ihm… vielleicht war er auch deswegen so kooperativ gewesen? Viel zu verlieren hatte er ja vermutlich nicht mehr, die Jedi-Ritterin dagegen schon.


„Keine Sorge, da gibt es andere Wege,“

Log sie ihm in's Gesicht und spielte dabei auf den inzwischen aufgegebenen Plan an, Kestrel durch Janus freizupressen. Wer wusste schon, ob die Sith überhaupt für eine lebende Leiche bezahlten? Außerdem hatte ihre Freundin nicht mehr die Zeit für lange Verhandlungen. Als Daemon sich der reinblütigen Echani plötzlich näherte, spannte diese instinktiv ihre kräftigen Muskeln an, in Erwartung eines sexuellen Annäherungsversuches. Doch entweder überlegte er es sich kurz bevor er ihre alabasterfarbene Haut berühte anders oder er versuchte, sie zu reizen. Wieder einmal.

Ein, zwei Augenblicke lang musste sie noch stark bleiben, durfte sich nichts anmerken lassen, auch die
‚kleine Schönheit‘ hinunterschlucken. Noch mehr Alkohol also? Brianna versuchte noch ein letztes Mal geschäftsmäßig zu wirken, dann konnte sie endlich das Weite suchen und nachdenken.

„In Ordnung, wenn es eine ‚gute Flasche‘ gibt, die ich mir leisten kann. Ich kann dich ja verstehen. Aber versprich mir, dass du mit dem Trinken aufhörst, sobald du hier raus bist. Der Alkohol wird sonst noch dein Ende sein, einer Heilerin kannst du das glauben. Ich komme wieder – auch mit einer anständigen Mahlzeit. Du siehst aus, als könntest du eine gebrauchen,“

Versprach die Echani und strebte zur Tür.

Coruscant – Jedi-Tempel – Umfunktionierte alte Padawanquartiere tief unten – Daemon und Brianna
 
Coruscant - Jedi-Tempel - Ratssaal - Rornan Elliundi, Murrrarchesch (NPCs) nebst Z5, Anakin Solo, Joseline (inaktive SCs); zugeschaltet: Sarid Horn, Satrek Taphon, (inaktive SCs), Eleonore Ta'asul (NPC), Wes Janson

Rornan nickte.

"Korrekt. Ich gehe ohnehin von einem Krieg aus, er wird sich nicht verhindern lassen. Den Ursprung des Virus zu offenbaren und unsere Intentionen hinter der ganzen Mission, inklusive Kast, könnte für Wohlwollen sorgen."

Murrrar hielt es für eine gewagte Strategie, musste aber zugeben, dass der Ansatz etwas für sich hatte. In die Offensive zu gehen war oftmals leichter, als sich hinterher zu rechtfertigen. Und sie würden sich noch für genug rechtfertigen müssen... Er seufzte dann. Natürlich hatte Wes recht, damit, dass Ahna ihre eigene Sicht auf die Dinge gehabt hätte, und dafür war die Pau'anerin wirklich berühmt gewesen im Gremium. Oft eben auch zu recht... er erinnerte sich nur zu gut an die Ratssitzung vor Bastion. Ihre Stimme würde fehlen, niemand würde sie ersetzen können. Aber ob sie diesmal richtig gelegen hätte?

Und beim nächsten Punkt musste Murrrar Wes dann wieder zustimmen.


[Ich denke auch, dass wir vielleicht gar nich nachvollziehen können, in welcher Situation die Teilnehmer gewesen sind. Immerhin hatten sie davor schon Wochen voller Anspannung hinter sich und eine äußerst riskanten Einbruch in den Sith-Tempel, es war also nicht wirklich eine "gesicherte Situation". Nichtsdestotrotz, eine fair und von vornherein offene geführte Untersuchung würde ich befürworten.]

Sie wandten sich dann dem Senat und dem Kanzler zu.

[Scheint so], brummte Murrrar auf Wes' Worte hin in sein Fell. Was für ein Schlamassel. In der Tat wurde wohl eher über sie geredet, aber war es verwunderlich? Er selbst würde wohl ähnlich handeln, wenn er mal ehrlich war.

"Rornan, würdest du dich darum kümmern, diplomatische Wege zu öffnen zum Büro des Kanzlers? Ich denke, wir sollten unsere Gesprächsbereitschaft signalisieren. Vielleicht stimmen unsere Neuigkeiten über das Virus auch etwas gnädiger."

Rornan nickte sanft mit seinem fragil angebrachten Kopf.

"Sicher. Ich werde mich mit Tako in Verbindung setzen und einen Plan erstellen. Ich halte euch auf dem Laufenden."

Kaum hatte der Quermianer begonnen, nun alle besprochenen Punkte zur Abstimmung zu stellen, wurde er erneut von Wes unterbrochen. Der auf Alderaan weilende Rat hatte wirklich Humor, das musste man ihm lassen. Rornan ließ sich zwar äußerlich nichts anmerken, aber sein langsames Wenden seines Kopfes in Richtung des Hologramms sagte für den Wookiee genug aus. Er hätte vor sich hingekichert, wäre die Lage nicht so ernst.

Er stellte eine erneute Ratsbeförderung Eowyns zur Abstimmung, was Murrrar innehalten ließ. Nun ja, er hatte irgendwie recht, dass Eowyns Beförderung
anders verlaufen war als normalerweise, aber sie war schließlich auch unter besonderen Umständen ins Gremium gestoßen. Und spielte es am Ende überhaupt eine Rolle, wie eine Beförderung ablief, zählte am Ende nicht nur das Ergebnis? Oder war das so ein Menschending? Deshalb aber gleich eine zweite Beförderung? Es war... ungewöhnlich. Sehr ungewöhnlich. Und notwendig?
Murrrar kam nicht dazu, weiter darüber nachzudenken, denn Rornan startete die Abstimmung. Die Frage zu den internen Ermittlungen wurde sogar einstimmig angenommen. Frage zwei war mit einer Enthaltung und einer Gegenstimme schon etwas kritischer, während Frage drei - die nach dem Schutz der übrigen Missionsteilnehmern - wieder einstimmig mit Ja ausfiel. Es folgte schließlich die vierte und am meisten diskutierteste Frage. Drei Gegenstimmen, eine Enthaltung und vier dafür war ein denkbar knappes Ergebnis, aber letzten Endes entschied sich der Rat damit dafür, Eowyn und Brianna so gut es ihnen möglich war zu schützen. Murrrar nickte. Er hatte derlei erwartet - und er war Wookiee genug, um die Entscheidung so anzunehmen, auch, wenn er das große Ganze betrachtet, einen anderen Ausgang befürwortet hätte. Für Eowyn und Brianna jedoch war es natürlich ein zuvorkommendes Ergebnis, und vielleicht sah er zu schwarz. Vielleicht würde der Orden nicht einen solchen Schaden nehmen, wie er befürchtete, sie würden sehen.

Auch über Frage fünf wurde schließlich nach kurzer Diskussion abgestimmt, bevor Rornan sich dem nächsten Punkt auf der Tagesordnung zuwandte. Langsam dauerte diese Sitzung schon wieder Ewigkeiten, befand Murrrar, und wenn es nach ihm gegangen wäre, hätten sie eine kurze Pause eingelegt, aber vermutlich war es nun ohnehin nicht mehr so viel. Vielleicht schafften sie es ja, die letzten Punkte schnell und zügig abzuarbeiten.


"Wir haben nun also seit neuestem drei Gäste zu Besuch im Tempel, bei denen ich persönlich mir nicht sicher bin, ob ich sie überhaupt hier haben will. Zwei Jünger und ein Lord, Janus Sturn, befinden sich in unserer Obhut. Letzterer liegt im Koma, nachdem Eowyn ihn mit einem Lichtschwert fast getötet hätte. Es ist fraglich, wann und wie sich sein Gesundheitszustand ändern wird.
Von Kae habe ich kurz vor unserem Zusammentreffen eine interessante Nachricht erhalten und würde diese nun einmal für alle vorlesen:


Verehrtes Ratsmitglied Elliundi,

ich habe soeben den Gefangenen Midracha verhört. Er hat sich überaus kooperativ gezeigt und meine Fragen vollständig und wahrheitsgemäß beantwortet. Wenn gewünscht, fertige ich Euch gerne einen Bericht dazu an. Im Gegenzug verlangt er die Freilassung. Da es sich um einen noch recht frischen Schüler handelt, denke ich nicht, dass er noch andere bedeutsame Informationen besitzt oder es sonstige Gründe gibt, ihn noch länger festzuhalten. Infolgedessen bitte ich Euch darum, dem Wunsch nachzukommen.

Hochachtungsvoll,

Brianna Kae


Ich würde mich erst einmal mit meiner Meinung zurückhalten. Wie steht ihr zu dieser Bitte?"

Eine kurze Weile herrschte Schweigen im Saal, bis Eleonore sich zu Wort meldete.

"Ich denke", begann sie zögernd, "dass ich geneigt bin, Brianna zuzustimmen. Wir sind keine Geiselnehmer, und ohnehin wären Jünger kein sonderlich großes Druckmittel...?"

Was eigentlich bedeutete, dass sie auch den zweiten Jünger würden loswerden sollen? Sturn hingegen war ein anderes Kaliber, und ohnehin war eine Verlegung von ihm aktuell wahrscheinlich lebensbedrohlich.
Murrrar seufzte leise. Das nächste Minenfeld. Von wegen schnell und zügig...


Coruscant - Jedi-Tempel - Ratssaal - Rornan Elliundi, Murrrarchesch (NPCs) nebst Z5, Anakin Solo, Joseline (inaktive SCs); zugeschaltet: Sarid Horn, Satrek Taphon, (inaktive SCs), Eleonore Ta'asul (NPC), Wes Janson
 
Coruscant – Jedi-Tempel – Umfunktionierte alte Padawanquartiere tief unten – Daemon und Brianna

Der Besuch bei Daemon war nicht wirklich angenehm gewesen, aber erfolgreich. Kestrel wurde tatsächlich auf Bastion im Sith-Tempel gefangen gehalten und er hatte sogar sagen können, wo genau. Dennoch ging Brianna mit einem schlechten Gefühl zur Tür hinaus und das nicht nur wegen der schonungslosen Beschreibung des grauenvollen Zustands ihrer Freundin. Sie fühlte sich auf gedemütigt, wie sie vor dem patriarchalisch fehlgeprägten Halbechani hatte kriechen müssen. Einem Mann, der so wenig Würde besaß, dass er für eine Flasche Schnaps und das Gefühl, wichtig zu sein, bereitwillig fast alles erzählt hatte, was er wusste.

Gut, sie hatte ihm mehr als eine Flasche versprochen und er würde sie bekommen. Sicherlich hatten ihre Kolleginnen gestern beim Ortolaner nicht den kompletten Wein weggesoffen. Sicherlich überließ frau ihr dort ein, zwei Flaschen. Wein, Schnaps, Ale – Alkohol war doch Alkohol, oder? Als Nichttrinkerin vermutete Echani, dass ihr Gefangener den Unterschied eh gar nicht mehr merken würde. Die Silberhaarige tröstete sich mit dem Gedanken, dass der zweite Besuch kurz ausfallen und der Preis es wert gewesen sein würde. Sie hatte nun fast alles für die Rettung beisammen, es fehlte nur noch Ian.

Es machte Brianna Spaß, die endlosen Treppen im Laufschritt hinaufzuspurten, auch wenn das wohl die wenigsten nachvollziehen konnten. Der Turbolift wäre natürlich schneller gewesen, aber sie musste sich ein wenig körperlich verausgaben, um den Groll über Daemons sexistisches Verhalten zu überwinden. Sport war so wichtig für den mentalen Ausgleich. Ein wenig verschwitzt, aber besser gelaunt, kam sie in der Intensivstation an. Die 28jährige hatte vorgehabt zu fragen, in welche Normalstation sie Ian verlegt hätten, war aber überrascht zu hören, dass er immer noch dasselbe Zimmer belegte wie die ganze Zeit schon. Na gut, Männer waren bekanntermaßen wehleidig und seit dem Ende der C-Virus-Krise hatten sie ja Intensivbetten in Hülle und Fülle für all die Fälle von Männergrippe, Trainingslichtschwertwunden und umgeknickten Knöcheln.

Zugegebenermaßen war es der schwerste Fall von Männergrippe, den Brianna je gesehen hatte. Oder eigentlich eher Herzinfarkt. Der zweite, das konnte doch fast nicht sein. Bei den zwei Monden, wie lang hatten ihre Kolleginnen denn gestern noch in der Cantina gebechert?! Dabei hatte die Echani sie extra darum gebeten, sich ganz besonders um Ian zu kümmern. Moooch hatte es hoch und heilig versprochen und nun, über zwölf Stunden später, konnte der wichtigste Patient auf der ganzen Intensivstation froh sein, überhaupt noch am Leben zu sein. Ein Herzinfarkt vor der Nase von X Jedi-Heilerinnen, sowas sollte doch gar nicht möglich sein?! Die hatten auf Coruscant ja ganz schön nachgelassen in der Zeit ihrer Abwesenheit.

Die Echani überlegte fieberhaft, was zu tun war.. Sollte sie sich selbst um Ians Genesung kümmern? Wie lange würde sie brauchen, bis er überhaupt ansprechbar war, geschweige denn den Sith-Tempel infiltrieren konnte? Wie lange Kestrel überhaupt noch warten können?

Brianna war stinksauer ob der Stümperei und schnappte sich die zuständige Heilerin, um ihr Vorhaltungen zu machen. Passenderweise war dies ausgerechnet Ruam, der Mon Calamari, also nicht gerade ihr bester Freund. Er war auch nicht gerade der kompetenteste Heiler in ihren Augen, was er auch in der Nacht des letzten Aufflackerns des C-Virus bewiesen hatte.


„Es gibt einen Patienten auf dieser Station…“

Brianna war so wütend, dass sie schnaubte und ihre Stimme zitterte.

„Der einen Herzinfarkt hatte… und bei dem ihr nicht erkennbar was unternommen habt, um ihn wieder gesundzubekommen… der unersetzliches Wissen in sich trägt und dessen Fähigkeiten ich sehr zeitnah sehr dringend brauche… und von dem ihr mir versprochen habt, ihn bald wieder gesund zu bekommen… und er erleidet vor eurer Nase EINEN ZWEITEN HERZINFARKT?!?“

Ruam war sehr, sehr kleinlaut beim Anblick der Echani, die den Eindruck machte, als würde sie ihn gleich auf einer Fahnenstange auf dem höchsten Turm des Tempels aufknüpfen.

„So Vorfälle sind nun mal nicht ganz zu verhindern,“

Versuchte er mit sehr viel leiserer Stimme als die ihre zu erklären.

„Durch die Urlaubswelle sind wir heute tatsächlich etwas dünn an Personal und wir haben einige Schwerverletzte zu versorgen durch die beiden großen Ausbrüche, bevor das C-Virus verschwunden ist. Außerdem war Rätin Eowyn zu dem Zeitpunkt bei ihm…“

„Eine andere Patientin ist in euren Augen also ein ausreichender Ersatz für eine Heilerin?!“


Brauste Brianna auf.

„Nein, aber damit konnten wir ja nicht rechnen, Herzinfarkte treten spontan und unvorhergesehen auf. Wir können ja nicht…“

„Eine Heilerin sollte in der Lage sein, einen Herzinfarkt rechtzeitig vorher wahrzunehmen. Diese kommen ja nicht aus dem Nichts. Ist es denn zuviel verlangt, ab und zu nach den Patientinnen auf eurer Intensivstation zu sehen?!“

„N… nein.“

„UND WARUM HABT IHR DANN NICHT NACH IHM GESEHEN?!“


Just als die Silberhaarige ihn anschrie, öffnete sich die Tür der Arztstube. Das Geräusch hatte sie bei ihrer Lautstärke überhört, weshalb sie überrascht war, dass plötzlich fünf Ossus Rangers vor ihr standen. Dieser kleine Drecksack hatte allen Ernstes den stummen Alarm ausgelöst und sie hatte es übersehen? Letzteres ärgerte Brianna am meisten, übertroffen nur von der Chuzpe, mit der der Wicht von einem Mon Calamari sich plötzlich vor ihr aufbaute und sagte:

„Alles muss ich mir nicht bieten lassen, auch von dir nicht, Brianna!“

Mehrere Sekunden lang funkelte die Echani-Jedi ihr Gegenüber nur böse an. Sie wollte die Tempelsicherheit da nicht mit reinziehen und es würde sicher in der Liste ihrer Verfehlungen landete, die Rat Elliundi ganz bestimmt über sie führte, wenn sie die eigenen Leute vermöbelte. Außerdem konnten die Rangers rein gar nichts dafür, dass Ruam so eine Pfeife war.

„Wir gehen jetzt zu Ji… und klären das mit ihm.“

Verkündete sie mit vor Wut zitternder Stimme, Worte wie ein Stein gemeißelt, Blicke die sagten, dass jeder Widerspruch zwecklos war. Ruam gehorchte und ging voraus. Brianna folgte ihm, die Sicherheitskräfte unternahmen nichts. Sie zog den anderen Heiler mehr zum Turbolift als dass er lief. Während sie nach oben zu Meister Vewis' Büro im Turm fuhren, war sein Blick zum Boden gerichtet. Er wagte er es nicht, sie anzusehen.

Natürlich gab der Bith nach einem Lagebericht Brianna soweit recht, dass so ein Vorfall nicht passieren dürfe, schon gar nicht bei
Ian, der sich noch nicht einmal ganz von seinem ersten erholt hatte. Er hielt jedoch Ruam zugute, dass dergleichen nie ganz zu verhindern war.

„Wir hatten hier schon mal höhere Ansprüche an uns selbst,“

Brummte die Echani in sich hinein.

„Was gedenkt ihr jetzt zu tun? Ich brauche Ian einsatzfähig, und zwar so bald wie möglich.“

„Einsatzfähig? Auf absehbare Zeit ist das ausgeschlossen.“


Brianna war geschockt. Sie brauchte ihn. Wie sollte sie denn ohne ihn Kestrel retten!?!

„Wir heilen ihn eben! Tag und Nacht! Ich stelle ein Team zusammen, eineKoalition der Willigen‘! In Nullkommanix ist er wieder gesund.“

Ji Vewis sah sie nur an und mit seinen riesigen Augen fiel es der Ritterin schwer zu sagen, ob es ein trauriger Blick war oder etwas anderes.

„Nein, Brianna. Zeit ist hier der beste Heiler. Wenn dir Ians Gesundheit, wirklich am Herzen liegt, gibst du sie ihm.“

Was sollte sie jetzt darauf noch sagen? Natürlich lag ihr seine Gesundheit am Herzen, sie war ja nicht nur zur Tarnung Heilerin. Gerade nach allem, was er für sie getan hatte! Eowyn ebenfalls. Das Risiko konnte sie nicht auf ihre Kappe nehmen. Es musste einen anderen Weg geben. Menschen war einfach viel zu zerbrechlich!

Schlecht, sehr schlecht, dachte Brianna. Die Katakomben waren ein Labyrinth und trotz Daemons Beschreiung und der Annahme, ihre alte Meisterin sicherlich in der Macht spüren zu können, würde sie sich dort mit Sicherheit verlaufen. Sie überlegte sich die Sache mit dem Halbechani, während sie ihm die versprochene Verpflegung brachte. Er war ja ihr Gefangener, und also konnte sie mit ihm machen was sie wollte, richtig? Sie hatte halt keine eigenen Gefängniszellen und sich halt beim Orden welche borgen müssen. Hmm, vermutlich würde sie damit nicht durchkommen. Gut, sie hatte ihn und die anderen angeschleppt wie die Lothkatze, das mit einem Tooke im Mal vor der Tür stand und sie Elliundi sozusagen für die Füße gelegt, aber der Quermianer konnte ja recht besitzergreifend sein. Die Sache mit der Tardis war ihr in lebhafter Erinnerung geblieben und dieses Mal hatte sie keine Sarid, die ihr helfen konnte. Die war sonstwo auf Mission unterwegs, nahm sie an. Gerade ohne Ahna war ihr Stand in den Augen des Rates´ auch so schon schlecht genug.

Nein, das war keine vernünftige Option. Entweder flogen sie zu zweit oder jemand anderes übernahm Ians Part. Aber wie würden sie den Weg durch die Katakomben finden, sie war sich ja nicht einmal sicher, ob das von Daemon erwähnte Gefängnis das war, das sie kannte. Sie durften sich dort unten nicht verlaufen! Kestrels Tod durch ihre Versagen oder ihre Untätigkeit könnte sie sich niemals verzeihen. Sie würden nicht länger warten als zwingend nötig und sie hatte Eowyn außerdem versprochen, nicht allein zu fliegen.

Aber wer kam in Frage? Es kamen im Grunde nur die Bastion-Teilnehmerinnen in Frage. Die Silberhaarige überlegte, dass Elise eine gute Wahl wäre, weiblich, kompetent, mit der Kanalisation vertraut, aber nur, wenn sie Riuen nicht mitnehmen mussten. Der Chiss ging ihr auf die Nerven und er hatte auch schon gegen die Mission nach Kast opponiert. Für Marrev spräche, dass er ebenfalls den Übergang zu den Katakomben kannte und schon grob von den Plänen wusste, da Brianna ihn wegen des Materials hatte einweihen müssen. Am besten wäre es freilich, Eowyns Rat zu suchen, also zurück in die Krankenstation.

Die Rätin berichtete ihr, dass Ians Karten noch existierten und sich auf der ‚Nightmare‘ befanden. Brianna seuftze erleichtert auf. Endlich, ein Lichtblick! Es würde wohl darauf hinauslaufen, dass Bailee vorausleuchtete, während Brianna irgendwie versuchte, aus einer Holokarte schlau zu werden, wo es langging. Das Amulett bekam sie wie erhofft ebenfalls, nach dem hätte sie in jedem Fall gefragt. Kestrel würde es dringend brauchen. Bei der Frage Verstärung entschieden sie sich für Marrev weil er ein Schatten war, wegen dessen größerer Erfahrung und um den Kreis der Mitwisserinnen, die potentiell Konsequenzen zu befürchten hatten, so gering wie möglich zu halten. Die menschliche Rätin befürchtete ohnehin, für Kast in Rechenschaft gezogen zu werden, da wollten sie den potentiellen Schaden nicht noch vergrößern indem sie eine junge, weitgehend unbescholtene Ritterin mit hineinzogen.
Damit waren die größten Blocker aus dem Weg geräumt dies teilte sie ihrer Padawan auch per Kom mit:

Hallo Bailee,

ich kenne jetzt den genauen Ort, an dem Kestrel festgehalten wird. Leider ist Ian noch zu krank, um mitzukommen. Seine Genesung können wir nicht abwarten, ich fürchte, diese Zeit hat sie nicht mehr. Es gibt eine Alternativoption, wir müssen also nicht zu zwei ran. Nach dem Abendessen im Ortolaner möchte ich abfliegen, schaffst du das?

Liebe Grüße,
Brianna

Trotzdem gab es noch genug zu tun bis zum Abendessen. Die ‚Nightmare‘ war gleich geplündert, Marrev war schnell für die Mission gewonnen. Sie hatten zwar nicht wahnsinnig viel auf ihrer Mission miteinander zu tun bekommen, aber sie hatten sich schätzen gelernt. Für Aufregung und Nervenkitzel war der Rattataki jederzeit zu haben und die Gefahr, die vom Wespennest Bastion ausging, schreckte ihn nicht im Geringsten. Damit wäre Eowyn beruhigt und wenn sie ganz ehrlich war, war der Echani auch wohler, einen erfahrenen, guten Kämpfer an ihrer Seite zu wissen, wenn sie im Sith-Tempel war und drei Leute beschützen müsste.

Doch da war noch mehr. So wie sie war, konnte Brianna unmöglich nach Bastion gehen. Die Schatten hatten einen vertrauenswürdigen Friseursalon. Schweren Herzens ließ sie sich da, wie Eowyn ihr dringend geraten hatte, eine Handbreit ihres wundervollen silbernen Haares abschneiden. Was übrig blieb (und das war genug), ließ sie schwarz färben, außerdem ließ sie sich eine Flechtfrisur verpassen. Eine vielhändige Droidin erledigte das im Handumdrehen für sie. Zurück im Tempel färbte sie sich die Haut mit speziellem Makeup Mirialan-gelb und setzte sich braun gefärbte Kontaktlinsen ein. In der Requisite holte sie zwei rote Lichtschwerter in Sith-Optik (eines war für Bailee), die bereits maßangefertigte Sith-Robe und Stiefeln mit etwas höheren Absätzen, in denen frau aber noch gut kämpfen konnte, und die übrige Ausrüstung. Das künstlich verjüngte Holo von ihr ließ sie sich in die falsche imperiale ID einsetzen, die auf den Namen ‚Vin Venture‘ lautete.

Auf dem Weg in die Cantina murmelte sie den Namen immer wieder vor sich hin. Marrev holte sie auf dem Weg dorthin ab. Wie gehabt saß Bailee bereits an einem freien Tisch, das gefiel Brianna, weil es ein schöner Test war. Der Rattataki und die vorgebliche Mirialan begab sich zu dem Tisch, sah die Nautolanerin an und bemühte sich, ihre Stimme zu verstellen, als sie fragte:


„Guten Abend! Ist es gestattet, dass wir uns zu Ihnen setzen?“

Coruscant – Jedi-Tempel – Ortolanische Cantina – Marrev (NPC), Bailee und Brianna alias Vin Venture


Patchnotes: ist tatsächlich ein Herzinfarkt
 
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Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - mit Eo

Genau genommen hatte Ian sogar den Rat bekommen, nicht zu viel zu sprechen, doch da waren zu viele Worte, zu viele Fragen, als das er stillschweigend dasitzen konnte. Dabei war es tatsächlich kau etwas, das er sagen konnte, denn noch immer hatte Ian keine Ahnung und zu viele Fragen. Oh, er hätte Fragen stellen können, einen ganzen Katalog. Wollen. Er hätte Fragen stellen wollen, das wäre einer der naheliegenden Wünsche gewesen. Die größte Frage tat sich ohnehin auf, während er mit Eowyn sprach. Sie war so … fremd. Fremd, distanziert, unnahbar. Ian wusste, nicht einmal, welcher Begriff wirklich zutreffend war. Traumatisiert. Auch. Doch da war mehr und unweigerlich kam das dumpfe Gefühl zurück, als er mit Brianna zusammen gewesen war. Bei der Macht, er hatte in diesem Augenblick so viel Leid gespürt und nichts, rein gar nichts tun können. Da war es wieder. Das Gleiche Gefühl, genau wie auf Bastion. Ians Herzschlag beschleunigte, wurde unangenehm. War es der auftretende Schmerz, der ihn zurückholte, oder die Stimme von Eowyn, die wie von weit entfernt erklang?
Sie sprach von Brianna. Die jemanden brauchte, um erneut nach Bastion zu gehen. Hatte Eowyn vor – nein, sie kannte sich nicht aus. Nicht in den Katakomben und
sie konnte nicht. Nicht in diesem Zustand.

Zustand.
Ungewollt wurde Ians Griff um Eowyns Hand stärker und noch bevor sie weitersprach, begriff Ian zwei Dinge. Sie wollte ihn darum bitten, mit Brianna nach Bastion zu reisen, um Kestrel zu retten. Das war das eine. „
Wyn“, kam es keuchend. „Die Karten. Auf der Nightmare. Sie muss“, doch Ian musste abbrechen, als er sich zusammenkrümmte. „Muss das Amulett mitnehmen, Auch … für Kestrel, sie muss.“ Seine Stimme versagte, der Schmerz wurde unerträglich.

Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - mit Eo

Sehr kurz, aber dann wirds rund und für mehr hab ich keinen Nerv^^
 
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Corucant-Jedi-Tempel- Bailee's Quartier- Allein.

Die letzten Monate hatte Bailee die Tage als normal lang empfunden.Jetzt, mit der Gewissheit, dass sie quasi in das Heiligtum der Sith marschieren würden ,flog die Zeit nur so dahin. Bailee schlief dank den Energydrinks nur rund vier Stunden pro Nacht. Den Rest der Zeit kreierte sie den Virus für den Kühlcontainer und speicherte ihn auf einem kleinen Chip, der einen Steck-Adapter hatte, der eigentlich in den Wartungsanschluss an der Steuerrungseinheit passen müsste. Sie überprüfte seine Wirksamkeit an einem kleinen Nachbau auf ihrem Schreibtisch, den sie mit Propangas füllte. Ein lächerliches Gebilde, das seinen Dienst aber erfüllte. Wie sagten die Jedi so schön? Wenn die Macht mit ihnen war, würde das hinhauen. Trotzdem prüfte Bailee das Programm vier Mal auf seine Tauglichkeit, ehe sie sich eingestand, dass sie in der Kürze der Zeit nichts besseres würde zusammenschustern können. Der kleine Adapter mit dem Chip wanderte in eine dunkelgrüne Fitness-Armtasche. Das sie als ehemalige Couchpotato sowas überhaupt besass war ein Witz an sich. Aber das Ding war elastisch und man konnte es darum fast beliebig bepacken. Wenn man sich nicht zu doof damit vorkam, mit nem riesen Ball am Arm rumzulaufen. Jetzt musste es aber eigentlich nur den Chip sicher verwahren. Bailee verschloss die Tasche und klopfte drauf. Das Wichtigste hatte sie jetzt.

Den Rest der Zeit vergewaltigte sie Sicherheitsschlösser unter Marrev’s Anleitung. Der Rattataki hatte mehr was von einem Swoop-Gang-Leader als von einem Jedi. Bailee fand ihn direkt sympathisch und schmunzelte so manches Mal über ihn. Schlösser knacken war ein Studium für sich. Sicherheits-Schlösser hiessen eben nicht ohne Grund so und wer sie kreiert hatte, hatte es ja schliesslich auch drauf angelegt, dass sie am besten Ein-und Ausbruchsicher waren. Als sie begonnen hatte, sich mit den Schlössern zu befassen,war ihr Energy-Drink-Bedarf massiv gestiegen, aber schliesslich machte es doch KLICK bei ihr und die Dinger begannen, Sinn zu ergeben. Von da an klappte es auch mit dem Öffnen jener Schlösser , die nicht dazu bestimmt waren, so geöffnet zu werden. Bailee grinste und fühlte sich jetzt so, wie Marrev aussah. Ein bisschen wie ein Gangster.

Das sie die beiden Dinge jetzt gemeistert hatte, gab ihr ein gutes Gefühl. Sie würden- wenn alles gut ging- lebend am Ziel ankommen. Und sie würden die Schlösser im Sith-Tempel aufkriegen. Da würde Bailee sogar ne höhere Wahrscheinlichkeit drauf geben, als das sie diese Stasis heil überstand. Aber das überliess sie Brianna. Apropos Brianna. Wie, als hätte sie sie beschworen, piepte ihr Com mit einer Nachricht von ihr. Nach dem Abendessen beim Ortholaner ging es los. Schon? Na gut,sie war ja eigentlich fertig. Bis zum Abendessen hatte sie noch eine Stunde, das reichte, um noch einmal zu duschen und sich noch nen Start-Planeten zu suchen. Mit einer Mischung aus Nervosität und Zufriedenheit, weil sie alle Aufgaben bis zur Deadline geschafft ehatte- irgendwie war der Name Deadline gerade sehr passend- , kehrte Bailee noch einmal in ihr Quartier zurück und warf sich da an den Computer. Neutrale Handelswelten für Fleisch so nah wie möglich an Bastion dran. Da gab es nicht viel. Eigentlich nur Vendora, ein absoluter Hinterweltlerplanet, der so klein war, dass Bailee sich wunderte, dass der sich überhaupt Planet nennen durfte. Exportiert Nerf und Nuna in beide Richtungen, weswegen er weder zur Republik noch zum Imperium gehörte. Die meisten Fleisch-Transporte wurden- wegen der empfindlichen Ladung- mit einem Klasse 2-Hyperantrieb befördert. Das bedeutete, sie wären von Vendora aus ungefähr 20 Stunden unterwegs. 20 Stunden in nem 5 Grad kalten Kasten mit Sauerstoff, der vielleicht für zwei Stunden für 3 Personen reichte. Yeah. *Brianna, hoffentlich weisst du, was du tust.* dachte Bailee und speicherte ihren Vorschlag auf ein Datapad, um Brianna Vendora zu präsentieren. Dann duschte sie, zog sich an und begab sich zum Ortholaner. Noch war Brianna nicht da, aber Bailee war sich sicher, dass ihre Freundin bald auftauchen würde. Sie reservierte auf jeden Fall schonmal einen Tisch für ihre Henkersmahlzeit.

Sie musste auch garnicht lange warten, da tauchte Marrev in Begleitung einer Frau auf, die sie nicht auf den ersten Blick erkannte. Noch eine Eingeweihte? Waren sie zu viert? Reichte ihre Berechnung dann noch für 20 Stunden im Kühlcontainer? Diese Frau! Brianna liebte es wohl, sie in Schwierigkeiten zu bringen. Die unbekannte Frau war offensichtlich ebenfalls eine Jedi,Mirialanerin. Vielleicht Marrev’s Padawan? Sie lief auf jeden Fall sehr selbstbewusst, also würde Bailee wetten, dass sie schon deutlich erfahrener war als sie selbst. Sie war auch schlanker, was für Bailee ein weiterer Beweis war, das sie schon länger dabei war. Sie zog den Bauch ein, um auch schlanker zu wirken, als sie war, als die beiden den Tisch erreichten. Marrev grinste und seine Padawan fragte, ob sie sich zu ihr setzen durften.

„Klar, bitte. Ich bin Bailee, Brianna’s Padawan.“

erklärte sie und wies auf die Plätze auf der ihr gegenüberliegenden Seite. Neugierig sah sie Marrev an, damit er ihr seine Begleiterin vorstellte. Alternativ könnte sie sich auch selbst vorstellen. Gangster-Marrev war vielleicht nicht so der Typ Gentleman. Aber nen Gentleman konnten sie im Sith-Tempel sicher auch nicht brauchen. Einen Gangster eher. Daher passt das schon so.

Coruscant-Jedi-Tempel-Ortholaner- mit Marrev und Unbekannt ( Brianna)
 
Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - Intensivstation - Ians Zimmer - mit Ian, Malek vor der Tür

Sie hatte ihn wirklich gebeten. Eowyn hatte ihn wirklich darum gebeten, mit Brianna noch einmal diesen Wahnsinn durchzuführen. Sie wusste, dass er ihr kaum etwas abschlagen würde, und es war nicht fair, ihm diese Bitte so unter die Nase zu reiben. So kurz nach ihrem Wiedersehen, und ohne, dass sie die Gelegenheit gehabt hatten, wirklich miteinander zu sprechen. Aber vielleicht war das gerade ja auch gut so. Er würde wieder und wieder ausziehen um die Galaxis zu retten. Sie musste sich daran gewöhnen, auch an das zurückbleiben - das war nun einmal ab sofort der Weg.

Sein Griff um ihre Hand wurde fester, aber Eowyn wusste nicht, was ihr das sagen sollte. "Ich tue, worum auch immer du mich bittest"? Oder eher "Ich muss an mich halten, nach dieser dreisten Bitte nicht wütend zu werden"? Beides war möglich. Aber als er dann sprach, war seine Stimme, seine Art zu sprechen, ganz anders als noch vorhin, und Eowyn erstarrte. Er klang... falsch. Einfach nur falsch. Als bekäme er keine Luft. Aber er
sollte genug Luft bekommen. Er lag auf der Intensivstation in der besten medizinischen Abteilung des Planeten, was hieß, dass er definitiv auf dem Weg der Besserung war, wenn man ihr auch gesagt hatte, dass er das war, nicht wahr?!
Sie starrte ihn an, völlig unfähig, zu begreifen, was da gerade geschah. Die Karten... Nightmare. Was für Karten meinte er? Eine Pause, eine Sprechpause, in der er seinen Körper krümmte - und Eowyn wurde gleichzeitig kalt und heiß, während sie unbeweglich in ihrem Schwebestuhl saß. Schmerzen waren normal. Schmerzen waren
absolut normal. Wieso aber schrie ihr Gefahrensinn dann in der Lautstärke eines X-Flüglers mit ihr? Wieso reagierte ihr Körper so?
Das Amulett... Geräte im Raum begannen hektisch zu piepsen, und da kam die Wahrheit in Eowyns Kopf an - es wiederholte sich. Es wiederholte sich - und diesmal... diesmal konnte sie nichts tun. Und keine Brianna weit und breit.

Aber sie musste.
Sie
musste etwas tun. Es würde nicht enden, nicht so. Das konnte nicht... Sie löste ihre Gurte um den Oberkörper, stützte sich so schnell wie möglich aufs Bett und umschloss ihren Körper so fest mit der Macht, wie sie nur konnte, um sich irgendwie aus diesem Stuhl zu hieven, als die Tür aufgerissen wurde. Mehrere Personen stürzten hinein, jemand stieß sie zurück in den Stuhl, jemand anderes gab ihr einen leichten Stoß nach hinten, aus dem Weg. Und da saß sie nun, sah zu, wie andere sich Mühe gaben, sein Leben zu retten. Schon wieder.
Schon.
Wieder.
Da war nichts, was sie fühlen konnte, rein gar nichts. Es war, als ob sie die ganze Szene von außen beobachtete, als ob sie das alles nicht wirklich betraf. Sie retteten sein Leben, oder versuchten es, und es konnte sein, dass die Worte über diese Mission die letzten waren, die sie gewechselt hatten. Er hatte gespürt was geschah, und das letzte, was er ihr hatte sagen können, waren Hinweise für Brianna gewesen. Weil sie ihn darum gebeten hatte.

Jemand bemerkte sie, wollte sie hinausschaffen, aber Eowyn griff kurzerhand nach der Macht, um ihren Stuhl unbeweglich an Ort und Stelle zu halten, und die Person gab es auf. Was auch immer jetzt geschah, sie würde nicht gehen. Die Gurte um ihren Oberkörper wurden geschlossen, von wem, wusste Eowyn genauso wenig, aber sie konnte dadurch ihren Körper aus dem Machtgriff entlassen.

Das Piepen wurde schließlich weniger, genauso wie die panische Hektik im Raum. Er schien zu leben - noch. Aber die Bremsen seines beweglichen Bettes wurden gelöst, was bedeutete, dass man ihn fortbringen würde. Zur nächsten Operation? Vermutlich. Sie sah ihm hinterher, als man das Bett aus dem Raum schob und wusste nicht einmal, ob irgendjemand mit ihr sprach, ihr erklärte, was vor sich ging. Alles, was sie sah, war sein verschwindendes Bett - und dann nur noch Leere. Im Zimmer - und in ihr selbst.


Sie wusste nicht, wann und wie sie wieder in ihr Zimmer gekommen war, erst recht nicht, wie in ihr Bett. Doch irgendwann stand Brianna neben ihr. Brianna... Der sie Dinge ausrichten musste, und die nun eigenständig an Bord der Nightmare nach dem Amulett suchen musste. Als Eowyn die Karten erwähnte, mutmaßte die Echani sofort, dass er Karten der Katakomben meinte. Eowyn war nicht bewusst gewesen, dass er solche besaß, aber umso besser für die bevorstehende Mission.
Mit Brianna zu reden war eine interessante Abwechslung aus der Leere, in der sich Eowyn aktuell befand. Ein Ersatz musste her, denn keinesfalls würde die Ritterin mit ihrer Padawan alleine fliegen, das war ausgeschlossen. Die Liste an potentiellen Kandidaten war kurz, daher war es nur eine Frage der Zeit, bis sie sich auf Marrev einigten. Vor allem war Eowyn sich relativ sicher, dass der Rattataki trotz der gerade erst erfolgten Rückkehr kein Problem damit haben würde, sofort wieder durchzustarten. Da er, wie sie erfahren hatte, die
Nightmare geholt hatte und nicht an den Kämpfen auf Kast beteiligt gewesen war, war er auch unverletzt aus der Sache hervorgegangen. Er war eine logische Wahl - und Eowyn vertraute ihm außerdem mit ihrem Leben, was bei weitem nicht mehr für alle Personen galt.

Eowyn erläuterte Brianna noch genau, wie sie die
Nightmare betreten konnte und wo die Sachen vermutlich zu finden sein würden, bevor die Echani sich verabschiedete, um die weiteren Schritte auszuführen.

Und anschließend blieb ihr wieder einmal nichts anderes mehr übrig als ins Leere zu starren und zu warten, während der Tag außerhalb ihres Zimmers seinen Lauf nahm.


Coruscant - Jedi-Tempel - Krankenstation - Intensivstation - Eowyns Zimmer
 
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