Ja, mag sein, aber Frau Scheers ist halt auch keine Virologin. Ich habe keine Ahnung, wie Politiker sich im Moment mit Covid auseinandersetzen und ob es da Empfehlungen von Virolohen etc gibt, was die Öffnungen von Kitas betrifft. Gremien und so weiter und so fort, aber langsam, muss tatsächlich auch ich schreiben, dass ich es schwierig finde, wenn so viele Beschwerden kommen.
Was wären denn Möglichkeiten, was könnten denn auch die Kolleg*innen zusammen tun?
Wir haben einen nicht Corona bedingten Ausfall, der nun auch für den Gang auf dem Zahnfleisch sorgt. Ich kann jetzt auch sagen, dass Politik und System schuld sind - oder Personen auf anderer Ebene, die sich iwie gegen Vorschläge stellen, die entlasten würden.
Keine Ahnung, ich hab auch keine Patentlösung. Aber vermutlich zeigt Corona in aller Deutlichkeit, dass wir uns auf Pandemien etc. künftig besser vorbereiten müssen.
Frau Scheeres hat anscheinend von der Arbeit in der Kita überhaupt keine Ahnung mehr. Gruppen und Raumgröße sind bei der Übertragung nicht mehr entscheidend und ausschlaggebend laut Senat. Bitte was? Die Wissenschaft ist sich doch mittlerweile ziemlich sicher, dass ca. 50% Aerosol und ca. 50% Tröpfchen die Hauptübertragungswege sind. Also sind 25 Kinder in zwei kleinen Räumen genauso ansteckend wie weniger Kinder in dem Raum? Da ändert sich nicht die Zusammensetzung der Raumluft wenn mehr Menschen ausatmen?
Versteh mich bitte nicht falsch, ich sehe die Not der Eltern. Wir sehen diese Not seit Beginn der Pandemie und wir hören die Sorgen und Ängste der Eltern. Wir haben im Team Verständnis und nehmen viel Rücksicht. Aber es ist unglaublich schlauchend und zehrend, wenn uns niemand hört. LehrerInnen weigern sich, zurecht meiner Meinung nach, unter diesen Umständen ordentlich unterrichten zu können. Kitas und Horte haben teilweise keinerlei persönliche Sicherheitskonzepte und wenn viele Beschränkungen wegfallen auch keine mehr von Seiten der Institution. Diese Sorgen, gerade von SOAs, ErzieherInnen und KindheitspädagogInnen werden einfach nicht gehört. Es gibt auch bei "uns" reale Ängste und Schwierigkeiten. Wir arbeiten in unserem Team, durch entsprechende Auslastung, seit Beginn der Pandemie an der Front und könnten jederzeit infiziert werden, da wir keinen Mindestabstand halten können, keine Schutzmaßnahmen haben, die Kinder maximal kurzfristig irgendwelche Hustetiketten einhalten können und im besten Fall nicht mal Symptome aufweisen. Zumindest in Berlin tut der Senat das alles als Nebensächlichkeiten ab und spendet manchmal halbherzigen Dank.
Einzeig allein auf Druck der Eltern wird nun die Öffnung
schneller als geplant durchgeführt obwohl Fallzahlen steigen. Es geht in der Kita für den Senat schon lange nicht mehr um Bildung und päd. Angebote, sondern um reine Betreuung und Aufbewahrung. ErzieherInnen fühlen sich mittlerweile wie Kindersitter und bekommen von einigen Eltern auch entsprechende Wertschätzung erbracht. Das tut weh, weil dieser Beruf unheimlich schön ist.
Was haben wir schon gehört?
Wir haben viele, viele tolle Eltern die mit uns an einem Strang ziehen, ohne diese wäre die Umsetzung bisher gar nicht in der Form möglich gewesen, aber wenn der oberste Dienstherr einen so offen spüren lässt wie egal ihm deine Gesundheit und deine Arbeit ist, ist es echt schon harter Tobak.
Berlin ist für frühpädagogische Fachkräfte sowieso nicht das attraktivste Bundesland und mit diesen Aktionen wird der Fachkräftemangel sich in den kommenden Jahren nur verschlimmern.
Um es kurz zu machen: Ich liebe meinen Beruf, jedoch nicht zu Pandemiezeiten. Kein Hygieneplan der Welt lässt sich nachhaltig in der Kita umsetzen, weder von Kinder noch von PädagogInne-Seite. Es herrscht Fachkräftemangel und es gibt viel Risikogruppen-Personal, im Normalbetrieb wird schon auf dem Zahnfleisch gearbeitet. Kinder sind anscheinend genauso Überträger wie Erwachsene, jedoch oftmals symptomlos und in meinen Augen deshalb deutlich risikoreicher.
Wenn man eine Durchseuchung anstrebt, dann soll man es uns doch bitte mitteilen, wenn man eine Betreuung wünscht, damit die Wirtschaft läuft auch, ich habe lieber die fiese Wahrheit auf dem Tisch liegen als ein halbherziges WischiWaschi von unserer Senatorin. Vielleicht sollte auch mal Frau Scheeres sich daran erinnern, dass wenn jemand seine Sorgen äußert ein "Aber denen geht es noch schlimmer" keine angemessene Reaktion ist.
Und mehr sage ich heute zu dem Thema nicht, weil ich wirklich ernsthaft überlege nach diesen Wochen den Fachkräftemangel zu verschlechtern und mich umzuorientieren.
