@Sol Deande:
Dein Anspruch an eine SW-Romanze scheint allerdings einfach ein anderer zu sein. Ich komme nochmal auf den Begriff "SW-konform" zurück und sehe es so: Star Wars hat
sehr wohl ein "Wesen", eine Art.
Okay, das wird jetzt länger.
Meine Ansprüche an eine Star Wars Romanze sind tatsächlich vollkommen andere als deine. Schon allein, dass du den Terminus "Star Wars Romanze" bringst zeigt ja, dass es sich um etwas handelt, das ganz klar definiert und eng umgrenzt ist oder sein sollte. Nämlich genau wie ich oben geschrieben habe: Ein bissl Sex fürs Auge für die Fanboys und ansonsten ein Lückenfüller mit ein bissi Bussi hin und Bussi her, aber bitte ja nur als Nebenhandlung.
Nur: Das ist keine Romanze. So handelt man ein Thema ab, wenn etwas notwendig ist und/oder von einem Film einfach erwartet wird.
Bei der OT darf man durchaus den Zeitraum betrachten, in dem die Romanze entstanden ist: In der OT waren wir in den tiefen 70ern. Da ging das gezeigte Kindergarten-Gspusi zwischen Han und Leia aber in Ordnung. Das war halt damals so üblich, dass der weibliche Nebencharakter entweder mit dem Helden oder dem guten Schurken ein bissl rummacht.
Wie unglaublich wohltuend, dass sie Han und Leia in TFA auf den Boden ehrlicher, harter beziehungstechnischer Tatsachen geholt haben. Große Liebe ja, aber Zusammen(k)leben hat halt doch nicht funktioniert, dazu ein schwieriges Kind. Wenn wer mal mein Alter erreicht hat, der kennt verdammt viele solcher Storys aus dem echten Leben. Wenn nicht von sich selber, dann halt im Bekanntenkreis. Also mich hat das Ende der Beziehung durch TFA, aufgrund der Alltagstauglichkeit mit unserer Lebenswelt, mit dem Anfang versöhnt.
Die PT zeigt einfach nur Lucas persönliche Verklemmtheit zu diesen Themen und den Wunsch, alle seine Filme auch den Kiddies zeigen zu können. Was die Grätsche zwischen dem Anspruch, eine sehr komplexe Beziehung entwickeln zu müssen, die letztendlich einen Menschen in tiefste Abgründe führt... und dem gezeigten Weichspül-trauma, unmöglich gemacht hat. DARUM funktioniert die Liebesbeziehung der PT nicht. Sie ist viel zu oberflächlich, kindisch geradezu. Diese Beziehung war nie in sich stimmig und Lucas hat jeden Rest von Chemie zwischen den Darstellern für das Rating: kindertauglich geopfert.
Jetzt noch zu den zwei Sachen, wo wir wirklich total auseinander liegen:
1) Homosexualität in der GFFA
Ich bin schon wirklich ganz lang in dem Fandom und schreib auch schon ewig Star Wars FF. Das Problem dieses Fandoms generell mit Liebe und Erotik hats schon seit jeder gegeben und warum das jetzt (spätestens seit TFA) so aufgeweicht ist, liegt für mich darin, dass es mittlerweile tatsächlich genug weibliche Fans gibt. Die ein bissl mehr Anspruch an Glaubwürdigkeit, Tiefgang und Erotik haben wollen, als der durchschnittliche männliche Fan sich das so denkt. Also von den weiblichen Fans. (Dazu gibts einen witzigen Comic, ich schau mal ob ich ihn finde

)
Zu dieser Sache gehört jetzt auch das Thema Homosexualität. Das ist schon im echten Leben (leider) für manche schwierig, aus kulturellen oder werte-technischen Gründen. Egal, ich möchte hier keine Wertung abgeben. In meinem Beruf treffe ich auf viele Menschen aus ganz verschiedenen Kulturen und Wertesystemen und ich weiß, es ist oft nicht leicht. Ich selber bin durch und durch hetero, habe aber Null Probleme mit Homosexualität.
Eine der Hauptgründe gegen das pairing Finn/Poe wird immer so formuliert: Ja, ich hab ja an sich nix gegen, ABER.... Heißt im Klartext: Mir ist das Thema unangenehm genug, dass ich in meinem Lieblingsfandom damit nicht auch noch zu tun haben will.
Weil, ich hab es oben schon geschrieben: Im Fall von FinnPoe ist die Brechtstange aka "aufgezwungen tolerant" eben kein Argument. Ob gewollt oder nicht, Isaac hat seine Rolle in der Interaktion mit Boyega so angelegt, dass es glaubwürdig und definitiv möglich ist. Ich bin ihm sehr dankbar dafür. Allein dass dieses pairing canonkonform angedacht werden kann und man eben nur noch wie oben dagegen argumentieren kann, ist sein Verdienst. Ich persönlich finde das urkomisch, weil es das Alltagsunwohlsein mit diesen Themen so elegant offen legt.
2) Motiv Liebe in PT und OT:
Es wird immer so argumentiert, als würde die Liebesgeschichte in der PT so enormen Raum einnehmen. Das ist schon ein Teil vom roten Faden, kein Thema. Defacto ist das aber überhaupt nicht so.
Im gesamten Teil 1: Nix.
In Teil 2 musste Lucas das Thema dann doch mal angehen und ja, da sind wir uns einig: Es war einfach nur furchtbar. Vermutlich kommt daher das Gefühl, es hätte ewig gedauert und nimmt viel Raum ein. Wenn sich nicht nur Männer, sondern auch nahezu alle Frauen im Kino anfangen zu kringeln (ich nenne hier nur den Sager vom "Sand" am See ) vor peinlich, dann war das definitiv ein Griff ins Töpfchen.
Schaut man sich den zweiten Teil aber an, dann nimmt die Romanze nicht wirklich viel Raum ein neben den Vorgängen rund um Jedi, Sith und die Klonkriege. Die beiden bekomme sich auch erst ganz am Schluß und bevor man über das Hochzeitsbussi hinausgehen kann, kommt schon der Abspann. Sweet, verklemmt, einfach schrecklich. Auch hier ist die Romanze wenig mehr als eine Nebenhandlung.
In Teil 3 steht die Beziehung dann schon am Ende. Hier triggert die Beziehung zwar noch Anakins Abstieg, aber was wird definitiv gezeigt? Eine Padmé die gestresst, heulend und schwanger durch die Gegend rennt und ein Anakin, der zwar Angst um sie hat, aber ansonsten nahezu den ganzen Film über mit anderen Sachen (vor allem mit sich) beschäftigt ist.
Also wenn Lucas sich das Thema Liebe vorgenommen hat, dann war das ein Totalverhau. Sowohl von der Gestaltung, als auch von der Präsenz der Beziehung innerhalb der Filme. Ich möchte das nur mal angebracht haben.
Vielleicht kommt jetzt eher heraus, warum ich endlich mal etwas mit Anspruch und Tiefe haben will, wenns um das Thema Beziehung geht. Das muss auch nicht unbedingt die Haupthandlung sein. Fanboys argumentieren ja immer so, als würde es bisher links/rechts eh nur dieses Thema gegeben haben, obwohl das eben absolut nicht so ist.
Anspruch in dramaturgischer Sicht haben für mich aber eben nur Reylo und FinnPoe, alles andere ist wieder nur lauwarmer Kaffee oder einfach total OOC (Kylux etc). Bei Reylo seh ich in Teil 2 keine Chance auf eine Romanze (derzeit), die über eine Screentime wie bei TESB hinaus gehen würde. Da wär maximal in Teil 3 was für die Fanboys zu befürchten, wobei ich sogar das bezweifle. Auch im Fall von Reylo würde die Beziehung mehr die Handlung triggern, als sie zu tragen.
Bei FinnPoe sehe ich das schon, wobei sie das völlig unaufgeregt machen können. Es ist dann halt einfach so. Weder braucht es in den Fokus gerückt werden, noch hat es großen Einfluss auf die Handlung.
Also in jedem Fall wäre der Fanboy Anspruch auf eine "Star Wars Romanze" machbar. Der Rest ist persönliche Schublade.