Woodstock schrieb:
Ist es nicht Ziel eines jeden Politikers so lange an der Macht zu bleiben (da er ja am besten weiß wie man dem Allgemienwohl dient). Deswegen verstehe ich nicht, dass du die Abwählbarkeit von Politikern als eine der Gründe aufführst, warum sie nicht vorausschauend arbeiten.
Ich wage mal zu behaupten, dass jemand der damit rechnen kann 4 oder 8 selten mehr als 12 Jahre im Amt zu sein, nicht so vorausschauend arbeiten wird, als jemand der die reele Perspektive hat bis zum Lebensende im Amt zu bleiben.
Woodstock schrieb:
Wenn ich doch nicht abgesetzt werden kann, dann kann mir doch die Zukunft meines Volkes relativ egal sein, so lange ich noch die Macht habe.
Ist dieser ständige Kontrolle durch das VOlk nicht eher ein Anreiz eine gute und zukunftsorientierte Politik zu machen?
Ich erwähnte weiter oben ein paar Hintertürchen die man in das System einbauen kann um den Diktator notfalls durch einen anderen zu ersetzen. Diese sollten zwar nicht all zu leicht zu erreichen sein, damit das nicht wegen jeden Patzer geschieht, aber auch nicht so schwer dass man einen Staatsstreich durchführen müsste. Damit bekommt der Diktator m.E. genug Grund, dass ihm sein Volk nicht egal wird.
Woodstock schrieb:
Es gibt "gute" Diktatoren. Schau dir doch die arabischen Scheichs an (am besten in den 70ern, als es noch genug Geld gab). Wenn man genug Geld hat um bestimmte Soziale Leistungen zu bezahlen und somit seinen Untertanen Lasten/Steuern, etc. abnimmt, würden bestimmt eine Menge Leute diese Staatsform als toll ansehen (Sehe schon die Ausreiseanträge in das Königreich Bahrain

)
Ich kann mit diesem Beispiel jetzt ehrlich gesagt wenig anfangen. Es ist zwar eine wunderschöne Geste, mit dem Staatskonto dem eigenen Volk so entgegen zu kommen, doch muss der Diktator hier auch dafür sorgen dass dies für die Zukunft gewährleistet sein wird. Getreu dem Motto: "Mir geht es gut, wenn es dem Volk gut geht, dem Volk geht es gut wenn es dem Staat gut geht" - ein sich ständig wiederholender Kreis. "So war es, so wird es immer sein. Um dafür zu sorgen bin ich hier."
Woodstock schrieb:
ABer dies ist in meinen Augen noch keine wünschenswerte Diktatur. Wie gehen die Sauds (oder andere arabische Clans, vom König von Bahrain weiß ich es nicht) mit ihren Gegnern um.
Wenn du mit Gegnern verfeindete Nationen meinst, so habe ich kein Problem damit, Frieden ist schließlich nur möglich wenn beide Seiten zustimmen.
Wenn du innenpolitische Gegner meinst, so ist deren Handeln gewiss nicht "der Weisheit letzter Schluss". Je nachdem wie diese innenpolitischen Gegner vorgehen, kann man sie bestenfalls wegen Hochverrat kriegen oder schlimmstenfalls sind sie aalglatt, so dass man sorge tragen muss, dass man selbst aalglatter ist.
Woodstock schrieb:
Was passiert einem (wieauch immer gearteten) "Regimegegner" in einer Demokratie (z.B. in Deutschland). Er wird angeklagt, darf sich verteidigen, bekommt ein (mehr oder weniger) faires Gerichsverfahren und wird im schlimmsten Fall zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.
In einer Diktatur, kannst du dich ratz fatz in irgendeinem Keller wiederfinden, ohne Grundrechte, Anhörung, Verteidigung, Kontakt zur Aussenwelt,...
Moment mal. Freie Meinungsäußerung ist kein grundliegend vorhandener Bestandteil einer Demokratie! Ebenso ist sie kein grundliegend nicht vorhandener Bestandteil einer Diktatur! Das ist doch einer der Punkte um dem wir hier die ganze Zeit rotieren.
Woodstock schrieb:
Ok ein "gerechter Herrscher" würde das nicht tun. Doch was tut er dann mit einem nehmen wir mal "radikalen Demokraten" der seine Absetzung verlangt, immer mehr und mehr Anhänger und Sympathie gewinnt und die Möglichkeit hätte das System zu stürzen.
Was macht dein Vorzeigediktator nun? (Bitte beantworte meine Frage und zerlege sie nicht in ihre Einzelteile, a la "In einer perfekten Diktatur würde keiner einen Demokraten unterstützen, etc.)
Keine Sorge hätte nicht mal im Traum daran gedacht ein so lasches Gegenargument vorzubringen.
Der "Vorzeigediktator" (<--- das Wort gefällt mir gar nicht, es klingt so danach, als solle es Diktatoren wie Hitler, Stalin, Milewsovic u.a. in ihrer Schlechtheit mildern) hat also das Problem, dass ein "radikaler Demokrat" mehr und mehr Zustimmung beim Volk bekommt und tatsächlich ein Problem darstellen könnte.
Nun ja. Ein interessanter Punkt ist, warum der "radikale Demokrat" diesen Aufwand betreibt. Wenn es ihm selbst nur darum geht einen Regierungschef zu haben, der eine kürzere Zeit im Amt ist, könnte er ja auswandern. Er macht es aber nicht obwohl er das jederzeit könnte, daher muss es sich hier um einen überzeugten Extremisten (<-- Eine Bezeichnung die unter diesen Gesichtspunkten durchaus treffend ist) handeln.
Wir haben hier verschiedene Richtungen in die sich alles entwickeln könnte. Zualler erst, sollte man hinterfragen: "Warum bekommt dieser Extremist so viel Zustimmung?"
Mit dem Wissen darüber kann der Diktator versuchen diese Gründe zu beseitigen und damit dem "Feind" den Boden unter den Füßen weg reißen.
Dann gibt es noch Fragen wie: "Wie will dieser "Feind" denn vorgehen?" Hier kann man auch schon Maßnahmen betreiben sofern er unlauter arbeitet oder eben fair gegen ihn vorgehen, falls dieser mit lauteren Methoden arbeitet.
Im Endeffekt wird der Extremist am System das er als Feindbild sieht nichts ändern können. Er kann zwar dafür sorgen, dass der Diktator durch einen anderen ersetzt wird, wird sich aber kaum selbst an dessen Stelle setzen, wenn doch wird der Verfassungsschutz eingreifen sollte er versuchen die Diktatur aufzulösen da dies ja Verfassungswidrig ist.
Bleibt also zur tatsächlichen Vollendung seines Ziels die Möglichkeit einer Revolution und sollte das passieren wird der Extremist und seine Bewegung zu einer tatsächlichen Gefahr für Staat und Volk, und diese muss auf die eine oder andere Art abgewendet werden, wie man auch äußere Bedrohungen abwenden muss.
Und letzteres Szenario ist leider am Wahrscheinlichsten, weil der "radikale Demokrat" sich bewußt sein sollte, das er legal zwar diesen Diktator, nicht aber dessen Amt als solches abschaffen kann.