Also endet es Deiner Ansicht nach nur wenn alle Maximalziele der Ukraine erreicht sind ?
Ich erinnere mich noch am Anfang des Konfliktes, da wollte selenski sogar noch Land aufgeben. Ich kann mir eine komplette Niederlage Russlands auf rein Militärischen Wege einfach nicht vorstellen.
Was ist denn für dich so unvorstellbar an diesem Szenario?
Alleine der Kriegsbeginn galt für viele so nicht vorstellbar, seit dem sollten die Grenzen der Vorstellungskraft eines jeden durch viele weitere Anlässe verschoben worden sein.
Im bezug auf Belarus, die haben eine ziemlich kleine Armee und wahrscheinlich eine noch Beschissenere Ausrüstung als Russland.
Belarus hat gerade mal unter 10 Mio. Einwohner und ein Militärbudget von deutlich unter 1 Mrd. $. Selbst wenn da nicht so viel durch Korruption versickern sollte wie in Russland, kann man für diese Mittel höchstens eine mittelgroße Portion Kanonenfutter oder kleine Portionen Kommandoeinheiten liefern. Die Bevölkerungsmenge und Zusammensetzung gibt nicht mal annähernd das her, was Russland gerade in den
meat grinder wirft. Die gesamte Personalstärke in Friedenszeiten entspricht ungefähr dem, was Russland in 7 Monaten an Soldaten verloren hat. Es fehlen schlicht die Mittel, die Kampfkraft der eigenen Streitkräfte kurzfristig signifikant zu steigern und einzubringen.
Lukaschenko weiß das und er wusste vor allem schon im Februar, dass ihn dieser Krieg innenpolitisch weiter unter Druck setzen würde. Solange er sich nur auf der politisch-diplomatischen Bühne weiter isoliert (etwas anderes bleibt ihm auch nicht), bringt ihn das nur bedingt in Gefahr. Massenhaft tote Belarussen oder gar eine Teilmobilmachung sind eine andere Liga. Die Massenproteste 2020/21 waren für ihn ein Warnschuss, sie richteten sich explizit gegen seine Person und das von ihm installierte Regime. Es gibt erkennbar keine Mehrheit für diesen Krieg und ein Eintritt, heute absehbar mit horrenden Opfern unter den eigenen Truppen, würde den Widerstand gegen ihn möglicherweise ganz entscheidend stärken. Vor allem besteht seine Armee zu einem erheblichen Teil aus Wehrdienstleistenden, denen man unterstellen kann, dass sie den Krieg zu einem substantiellen Teil ablehnen. Lukaschenko hat nicht umsonst direkt zu Beginn des Angriffskrieges eine Beteiligung ausgeschlossen und bereits getätigten Aussagen wenig Taten folgen lassen. Selbst Putin nimmt ihn öffentlich nicht in die Pflicht. Das Letzte was dieser braucht, ist eine Destabilisierung seiner Marionette.
Auf dem Spiel für eine Bindung ukrainischer Truppen im Norden (auf Zeit) stünden demnach erneute Proteste und im schlimmsten Fall eine Revolution in Minsk; die Moskau dann nur schwer kontrollieren könnte. Putin pfeift zwar aus dem letzten Loch, aber das klingt schon sehr heikel. Was ich schon früher vermutet habe, ist der Einsatz von nachweisbar "willigen" Berufssoldaten und um die könnte es in diesem Fall auch gehen. Fraglich, dass da in Summe nennenswert was herauskommt, zumal er obendrein riskiert, ihm treue Kräfte in die Ukraine zu schicken, welche dann im Inland zum eigenen Schutz fehlen. Weiterhin ist davon auszugehen, dass ein offener Einsatz belarussischer Soldaten, vor allem zur Eröffnung einer neuen Front, weitere erhebliche Reaktionen des Westens auslösen (z.B. Lieferung von westlichen Panzern etc. pp.).
Im Auge behalten muss man die Situation natürlich trotzdem. Ich kann mir aber kaum vorstellen, dass Auslandsgeheimdienste wie CIA und SZR (Ukraine) das nicht permanent im Blick haben.
EDIT: Nach Sichtung von ein paar Quellen und der Rede Lukaschenkos klingt es vor allem so, als sei er gerade darauf aus, nochmal sehr gut zu begründen, dass die eigenen Truppen zum Schutz vor Polen ja nicht das Land verlassen dürfen >
