Ian Dice
Semiaktiv
Ich finde das nicht so einfach, da am Ende eine Menge behauptet werden kann. Aber prinzipiell sehe ich das gar nicht ganz anders.Ich bin Atheist, aber natürlich im christlichen Deutschland im christlichen Kulturkreis erzogen. Bin ich jetzt Christ oder nicht? Es bringt überhaupt nix dazu irgendwelche obskuren Einträge auf Steuerzetteln oder Vereinsmitgliedschaften zu Rate zu ziehen. Das einzige was zählt ist, warum jemand etwas tut. Bring ich jemanden für den Kommunismus um, für Deutschland, für meinen Gott? Das allein beschreibt meine Motivation, dann bin ich ein kommunistischer, nationaler oder religiöser Mörder. Ganz einfach.
Die Verbrechen werden anders gelabelt und nach Außen anders wahrgenommen.Doch natürlich. Die Colonia Dignidad war eine christliche Sekte. Das wurde so kommuniziert und gelebt. Nur weil nicht jede Folter-, Gewalt- oder Missbrauchsmethode ein Vorbild in der Bibel hat, lässt das ja die christlichen Elemente ja nicht verschwinden.
Na ja, nicht unbedingt. Buddhismus leitet sich von Buddah ab.Komisch oder? Warum ist eigentlich "Buddhismus" nach diesem Wortgebrauch nur in radikaler Ausprägung existent? Und warum gibt es keine Buddhaner? Das Einzige, wofür das spricht, ist, was für ein doppelmoralischer Quatsch das Wort Islamismus ist.
Islamismus ist eine politische Ausrichtung.
Man kann jetzt die Worte genauer auseinander nehmen aber ob das tatsächlich etwas bringt, weiß ich nicht, wenn du das so bezeichnest.Wenn in Saudi Ehebrecher exekutiert werden, dann ist das Islam, aber wenn der IS es im Bürgerkrieg macht, dann Islamismus? Sorry, die koranische Basis ist dieselbe und auch nicht wegzudiskutieren, indem man Hütchenspiele mit Vokabeln macht.
Und gerade deswegen finde ich die Unterscheidung wichtig und keine Wortklauberei oder ähnliches.Paul J. Hill war ja auch kein Anhänger des Christismus, sondern ein Christ. Ob der jetzt von der einen Kirche exkommuniziert und von der anderen über den grünen Klee gelobt wurde, das sind Feinheiten theologischer Coleur, die uns in einer objektiven, faktischen Debatte nicht interessieren zu brauchen. Seine Motivation war das im Christentum relativ gängige Bild von dem Lebensbeginn ab Befruchtung. Fertig.
Das teilt übrigens auch die katholische Kirche wenn sie Kondome verbietet oder die CDU, wenn sie wieder gegen Stammzellenforschung stimmt. Christentum oder Christentumismus? Ein unlösbares ein Rätsel....
Wenn Christen Morde begehen, oder andere Verbrechen steht die Religion in der Regel nie im Vordergrund.
"Christentum" hat keine negative Konnotion.
Bloß bei Sekten kann man dann "Sekte halt" sagen, aber das wars auch schon.
Begeht jemand mit Migrationshintergrund ein Verbrechen muss man fast schon hoffen, dass es kein Anhänger des Islam war - aber da wird zu 99% sofort und automatisch davon ausgegangen.
Bei einer Person ohne jeden Hintergrund? Nicht. Und das hat für mich auch eine gewisse Doppelmoral.
Versteh mich da bitte nicht falsch, ich sehe durchaus ein Problem in extremen Formen.
Na ja, Nächstenliebe an sich ist aber, anders als Allahu Akbar nichts, was oft gesagt wird. Und letzteres hat eigentlich gar nichts mit Morden zu tun, es ist ein Ausdruck der häufig vewndet wird, er ist u.a. zentral im Gebet. Nächstenliebe ist zwar wichtig für das Christentum, aber es bringt etwas anderes zum Ausdruck.Abtreibungsärzte in den USA werden aus Nächstenliebe ermordet. Die Nächstenliebe zu den ungeborenen Kindern, die man da zu Retten sich einbildet. Andere Christen ziehen die Nächstenliebe für die unfreiwilligen Müttern oder Ärzten vor. Das bedeutet nicht, das eins Christentum ist, und eins Christismus, sondern dass man das Dogma Nächstenliebe unterschiedlich anwenden kann. Anwenden tun es aber alle Christen.
Das sehe ich ganz anders, auch wenn ich verstehe, was du meinst.Es gibt keinen Missbrauch dieser religiösen Topoi. Die Conquistadoren, wie Hill, haben ganz nüchtern die Konsequenzen ihrer Handlungen durchdacht und sind zu der schlüssigen Konsequenz gekommen, dass das Töten (kein Morden!) hier die beste Befolgung des Dogmas ist. Das ist kein Missbrauch von Glaubenssätzen, sondern ihre konsequente Anwendung.
Finde ich nicht. Beides synonym zu verwenden finde ich ungerecht, da es alle über einen Kamm schert.Nö. Das ist eine Nomenklatur des politischen Opportunismus, damit man sich aus dem Rassismusvorwurf winden kann.
Die Muslimbruderschaft unterscheidet dies nicht. Aber wenn sie die Witwen und Waisen füttert, dann nennen wir das im Westen Islam, wenn sie Anschläge verübt, dann nennen wir das Islamismus. Es sind dieselben Organisationen und dieselben Beweggründe.
Weiß ich nicht.Dabei käme ja auch niemand, außer Nazis selbst, auf die Idee das Kümmern der SA um die Kriegsversehrten und Arbeitslosen vor der Machtergreifung als Sozialarbeit darzustellen. Das war ein Rekrutierungsprogramm für die zukünftigen Parteikämpfer. Und es ist in der Religion genau dasselbe. Nächstenliebe und Menschlichkeit sind Programmelemente auf dem Weg zu mehr Macht und Gesellschaftskontrolle. Nur dass die Religion sie um eine übernatürliche Sphäre anreichert, die angeblich sogar wichtiger wäre als unsere physische Existenz.
Ich merke aber, dass mich dein Text sehr zu Nachdenken bringt. Danke in jedem Fall dafür.
Ja, mir geht diedes "man muas den Kontext betrachten " eh auf die Nerven. Falls die Bibel Gottes Wort ist, ist sie eben das, was sie ist. Brutal, homophob und frauenfeindlich. Da ist mir der Kontext egal, denn dann hätte Gott das schon anders niederschreiben lassen müssenUnd nur weil wir in unserem Humanismus lieber die mögen, die mit ihrer Nächstenliebe für Schwulenrechte eintreten, als die die mit ihrer Nächstenliebe Schwule gesundbeten, wäre es ein Fehlschluss das eine als "echte/s Nächstenliebe/Christentum" und eins als "Missbrauch" zu betiteln. Beides ist gleich logisch aus Bibeltext und Dogma ableitbar. Beide berufen sich darauf und beide haben Recht. Das Problem ist das Dogma an sich. Nichts anderes.

Das war Blasphemie...
Ich glaube, das überzeugt mich erschreckend. Aber so langeBei Religion sind wir aber auf allen Augen blind, weil wir aus irgendeinem Grund immer noch glauben, dass irrationaler, machtorientierter und menschenfeindlicher Aberglaube auf irgendeine inhärente Art Respekt verdient hätte, wenn ihn sich nicht Leute wie Hitler oder Stalin ausdenken, sondern Leute in komischen Hüten, die behaupten, dass das ja gar nicht ihren eigenen kranken Hirnwindungen entsprungen sei, sondern des Schöpfers des Universums unendlicher Weisheit obliege, den man natürlich nicht belegen muss, aber ihm auch nicht widersprechen kann, ohne direkt in der Hölle zu landen (die man auch wieder nicht beweisen kann.)
Bleibt es halt schwieirg, weil dann einfcsh klar ist, wer gefährlich und unter Generalverdacht gestellt werden kann.man sich bei solchen politischen Debatten nicht einfach drauf einigen kann, das christliche Mörder Christen sind, und das muslimische Mörder Muslime sind, genauso wie rassistische Mörder eben Rassisten sind, sondern reflexartig den schwachsinnigen Aberglauben aus der Kindheit der Menschheit verteidigen müssen, ist das lediglich ein trauriger Beweis des tiefgehenden Erfolges von Gehirnwäsche von ein paar Jahrhunderten Religion.
Irgendwie...
EDIT: Wenn ich länger drüber nachdenken überzeugt es mich doch nicht, verstehe zwar den Ansatz, aber längst nicht jeder religiöse Mensch Missbraucht seinen Glauben. Es wäre also zutiefst unfair, dann keinen Begriff für einen Missbrauch zu haben...
Zuletzt bearbeitet: