Coruscant – Untere Ebenen – HQ der Defender – mit Noa
Sie war skeptisch zu Anfang. Aber Tylaar konnte es Noa nicht verübeln. Wer würde schon einfach so glauben, ein Jedi säße einem in diesem schäbigen Ort gegenüber. Und dann dazu noch ein Kerl, der nicht im Entferntesten wie einer dieser legendären Hüter des Friedens wirkte.
In der jungen Frau arbeitete es, das konnte Tylaar fühlen. Die Macht war mit ihm und manche Dinge verlernte man nie. Allmählich spürte er, wie ihre Skepsis wich, sie sich nach und nach entspannte. Er nickte kaum zu erkennen auf ihre Frage hin, ob er das ernst meinte. Er wusste nicht, wieso, aber als Noa dies sagte, musste er leicht vor sich hin lächeln.
Als die Widerstandskämpferin schließlich sagte, dass sie ihm glaubte, aber er doch bitte das Lichtschwert wieder vom Tisch packen sollte, wurde aus dem Lächeln ein sehr leises Lachen.
"Wie Sie sehen, bin auch ich manchmal unvorsichtig."
Er verstaute die Jedi-Waffe wieder in der dafür vorgesehenen Tasche in der Lederjacke, wobei er einen prüfenden Blick über die Schulter warf. Die anderen Kämpfer hatten anscheinend nichts von dem Lichtschwert gesehen, dafür aber sein Lachen gehört. Mit einem schiefen Grinsen begegnete er den neugierigen Augen, während er gespielt hilflos die Schultern zuckte. Die Gruppe kam danach scheinbar zu dem Schluss, dass Tylaar nur ein weiterer Trottel war, der nicht mit attraktiven Frauen sprechen konnte, ohne sich zu blamieren.
Als er sich wieder Noa zuwandte, hatte diese einige Fragen. Wie lange war er bei den Jedi und wieso befand er sich nicht bei seinem Orden? Wenn das so einfach wäre, dachte er sich und begann dann leise, aber für Noa deutlich zu verstehen, zu erklären.
"Ich habe Ihnen doch eben von dem wirren, alten Kerl erzählt, der mein Mentor war. Das war Xomai Laf, ein Jedi-Meister, der mich auf der Ceerek, dem Frachter, auf dem ich als Junge arbeitete, fand. Damals hatte die Schnauze vom ewig gleichen Trott als Idiot für alles auf diesem Kahn voll. Laf entdeckte, dass die Macht mit mir war und zeigte mir ein neues Leben. Als er mich als seinen Schüler aufnahm, war ich zwanzig. Er lehrte mich vier Jahre die Wege der Jedi, unterrichtete mich am Lichtschwert und in den Kräften der Macht."
Hier machte Tylaar Zaith eine Pause. Vordergründig nahm er einen Schluck von seinem Getränk, das er sich zu dem Eintopf genommen hatte, aber in ihm arbeitete es. Nun käme der Teil, an dem er eingestehen müsste, in seinem Hass den Liebhaber seiner Freundin ermordet zu haben und deswegen vor dem Gesetz des Ordens, der Republik, Xomai Laf und seinen zwielichtigen Ausbildungsmethoden gezwungen war zu flüchten. Zaith dachte einen Moment nach, ob er das schon sagen sollte, entschied sich dann aber anders. Es würde die Sache nur komplizierter machen. Trotzdem versuchte er, halbwegs bei der Wahrheit zu bleiben.
"Ich weiß nicht, was sie von den Jedi kennen, Noa. Aber gewöhnlich sind sie besonnene Lebewesen, passiv, gütig und geduldig. Die Jedi sind die perfekten moralischen Vorbilder, wenn man es so sehen will. Leider traf das noch nie auf mich zu. Ich .. merkte das mit Mitte zwanzig. Das war für mich der Zeitpunkt, an dem ich entschied, einen neuen Pfad einzuschlagen und den Orden der Jedi und meinen Meister zu verlassen. Ich schlug mich seitdem fast zehn Jahre durch die Galaxis, nahm jeden Job an, den ich finden konnte, arbeitete als Leibwächter, Söldner und Geldeintreiber - wie Sie sehen, alles überaus respektable Berufe. Aber man kann den Ruf der Macht, wenn er einmal geweckt ist, nicht zum schweigen bringen. Ich entschied mich also, schon fast zu alt für solche Sachen, zurück zu den Jedi zu gehen. Ich wollte meine Ausbildung beenden und fand in Meisterin Tionne die beste Lehrerin, die es in der Galaxis gibt. Sie unterwies mich und nahm mich so, wie ich bin, gab mir den Halt, den ich immer gesucht habe. Aber der Krieg kam dazwischen und was ich vielleicht hätte werden können, zerfiel. Seit das Imperium auf dem Vormarsch ist, bin ich zum Soldaten geworden. Erst als Jedi-Pilot in der Schlacht um Corellia, dann als Zugführer der Infanterie auf Coruscant. Aber dieses letzte Gefecht, das wir, wie Sie wissen, verloren, riss mich aus meinem alten Leben heraus. Ich wurde schwer verwundet, als die Imperialen Coruscant überrannten, wie ich da heraus kam, ist mir bis heute ein Wunder."
Tylaar starrte kurz die Decke an, als würde sie ihm helfen, die richtigen Worte zu finden. "Die Galaxis hat sich seitdem verändert. Die Jedi wurden von den Sith gejagt und beinahe vernichtet. Mein Leben als Tylaar Zaith war nicht länger sicher, ich konnte keinen Kontakt mit meiner Meisterin oder anderen Jedi aufnehmen. Keine Spur. Also zog ich mich zurück, ging auf Tauchstation und blieb unauffällig im Outerrim, während ich nach dem Schicksal meines Ordens fandete. Vor einem knappen Jahr hatte ich schon einmal erfolglos versucht, auf Coruscant Zeichen der Jedi zu finden, sah mich aber gezwungen, wieder den Rückzug anzutreten. Eigentlich hatte ich ab da mit dem ganzen Elend abgeschlossen. Der Krieg, das Imperium, die Jedi, die Sith - ich wollte mich da heraushalten, denn das Schicksal hält niemand auf. Und mein Schicksal schien es eben nicht zu sein, eine Rolle im Orden der Jedi zu spielen. Nominell bin ich nicht einmal Jedi-Ritter, weil in diesen Zeiten der Umbrüche vor einigen Jahren, niemand die Zeit und Muße hatte, mich zu prüfen. Aber ich habe mich daran gewöhnt. Ein Jedi bin ich irgendwie immer geblieben, aber eben einer, der sich damit abgefunden hat, nie ein ganzer Teil des Ordens zu sein. Damals war ich zu verschieden, heute ist niemand mehr da. Trotzdem weiß ich die Macht zu nutzen und mein Lichtschwert im Makashi zu führen. Auf der anderen Seite bin ich ein Eigenbrödler, ein Soldat, der auf seiner eigenen Seite gekämpft hat."
Wieder schwieg Zaith einen Moment. Dann lehnte er sich wieder vor, sodass er Noa nun recht nahe war. "Aber ich habe nichts dagegen, mich denen anzuschließen, die meine Feinde bekämpfen. Jedi verspüren nicht das Verlangen nach Rache. Das ist ein selbstsüchtiger Gedanke. Rache für die unzähligen Toten in diesem unprovozierten Angriff auf alles, was die Republik, trotz ihrer Fehler und Schwächen, den Kreaturen der Galaxis gegeben hat. Rache für die Getöteten meines Ordens. Rache dafür, dass ich mich Jahre in Dreckslöchern wie Mos Eisley oder Nal Hutta, im kühlen Rumpf der Sundance, am Rande des bekannten Weltraums, herumtreiben musste, weil mich sonst Leute gefunden hätten, die mich für das, was ich war, umgebracht hätten. Ein Jedi verspürt keine Rache für so etwas, Noa. Aber ich ... ich fühle sie jeden Tag. Und wenn Sie mir helfen, dieses Verlangen zu befriedigen, indem ich Imperiale für Sie töte, dann haben wir beide etwas davon. Ich schlafe vielleicht wieder die Nächte durch, ohne von einem Alptraum aus Feuer und Tod geplagt zu werden, und Sie bekommen einen Soldaten, wie Sie ihn hier niemals sonst fänden."
Was war das denn? Zaith schüttelte mit einem nachdenklichen Lächeln den Kopf, sah dann wieder Noa in die Augen. "Verzeihen Sie. Ich rede eigentlich nicht so viel. Aber ich konnte seit einer Ewigkeit mit keinem Menschen über das sprechen. Niemand wusste, wer ich war - bis heute. Wenn die Sith also einen Preis für jeden Jedi ausgesetzt haben, wäre das jetzt ihre Chance, das Konto des Widerstandes empfindlich aufzubessern."
Coruscant – Untere Ebenen – HQ der Defender – mit Noa