Nachdem Staffel 5 wie schon oft kritisiert wenig Fortschritt mit sich brachte, haben die Macher in der 6. Staffel auf Schallgeschwindigkeit beschleunigt, dass man am Ende erst mal Revue passieren lassen muss, was da eigentlich alles vonstatten ging. Der Vergleich zu The Walking Dead wurde schon gezogen, ich kann da nur nachlegen: Während TWD Abnutzungserscheinungen zeigt, weil zumindest ich nicht sehe, wohin die Serie steuert (Sichtwort Endlosschleife), arbeitet sich GoT sichtlich auf ein Finale zu. Alleine die letzte Folge der sechsten Staffel war eine einzige emotionale Reizüberflutung.
Wo fange ich an? Interessant und etwas überraschend fand ich, dass die Macher mit der Zerstörung der Zitadelle quasi ein klassisches Finale an den Anfang der Folge positioniert haben. Zu Beginn der Staffel hatte ich noch mit einem Überleben des Spatzen gerechnet, aber spätestens mit dem Hinweis auf das Drachenfeuer zeichnete sich ab, was sich während der Anhörung ereignen würde. Dass es letztendlich auch noch Margaery erwischt hat, hatte ich so nicht auf den Schirm, dafür aber fest mit Tommens Ableben gerechnet. Abgesehen von Jaime hat die gute Cercei in dieser einen Folge mal eben alle interessanten oder zumindest einflussreichen (in Bezug auf den Handlungsverlauf) Figuren vom Schachbrett gefegt. Musikalisch gut unterlegt, sehr eindrückliche Szenen und analog zum letzten großen Einsatz des Drachenfeuers visuell ansprechend. Insbesondere das langsame Begreifen im Gesicht des Spatzen war Balsam für die Seele, hier erwischte es nach Ramsay wieder den Richtigen. In der nächsten Staffel bleiben damit für Königsmund wohl nur nur Szenen mit Cercei, Jaime und Qyburn, von allen anderen ist bloß Asche übrig. Dass die Regenschaft Cerceis lange dauert, kann ich mir indes nicht vorstellen, dafür stehen zu viele Bedrohungen vor an der Türschwelle zu Königsmund, Verbündete bleiben ihr (scheinbar) keine. Ob hier Kleinfinger und Balon noch eine Rolle spielen?
Die Lage in Winterfell: Der Norden hat wieder einen König (THE KING IN THE NORTH!), und die Szene im Thronsaal war gemeinsam mit der Enthüllung um Schnee wieder unheimlich episch, m.E. sogar noch ergreifender als das Gegenstück zu Robs Zeiten, vor allem durch das Pathos der kleinen Lady Mormont. Getrübt wird die Szene ein wenig durch den sichtlich angefressenen Kleinfinger, der selbst Sansa das Lächeln aus dem Gesicht wischt - hier kündigt sich in meinen Augen ein Showdown an, welches wieder Leben kosten wird, und meinem Bauchgefühl nach in letzter Konsequenz (u.a.) das von Kleinfinger.
Was den Dorne-Teleporter angeht: Selbst mit einem legitimen Zeitsprung wirkt das nicht wirklich glaubwürdig. Varis hätte man auch einfach auf dem Weg nach Westeros einsammeln können (in Staffel 7), oder an Land dazustoßen lassen, wenn sich die Truppen der Tyrells und aus Dorne mit der Streitmacht von Daenerys vereinen. Das hätte der Szene nichts genommen.
Die Rache an Frey kam mir auch etwas zu schnell. Das hätte man wunderbar in die nächste Staffel packen können, statt Arya für diese paar Minuten noch schnell aus dem Hut zu zaubern. Frey hat ein weit ausgedehnteres Ende verdient

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Am Ende bleibt eine starke Staffel mit einem packenden Finale. Es werden so viele Nägel mit Köpfen gemacht wie schon lange nicht mehr.