NPC by Eron
©Eron Nook
Nadira Korn war eine unscheinbare Menschenfrau. Sie war Anfang 30, war durchschnittlich groß, durchschnittlich sportlich, durchschnittlich attraktiv. Ihr langweiliges, braunes Haar trug sie in einem Schnitt, dessen Trend mindestens vier Saisons zurücklag. Kurzum erzeugte sie keine besondere Aufmerksamkeit und niemand würde sie eines zweiten Blickes würdigen. Doch das war genau die Absicht, die Commander Koorshi verfolgte, als er ihr diese Aufgabe zuwies. Zwar war es nun gewissermaßen Tradition, dass neue Mitarbeiter des psychologischen Dienstes der Sektion 00 an den Evaluationen der Bewerber mitwirkten, doch die Idee, eine von Ihnen als Kandidatin auszugeben und wochenlang unter die Bewerber zu mischen … das war neu.
Nadira hatte dieses Subjekt nun lange genug studiert. Leland Fontaine war nicht unbedingt ein Einzelgänger, aber er hatte auch nicht aktiv die Nähe der anderen Kandidaten gesucht. Seine Herangehensweise an Probleme, die ihm entgegen geworfen wurden, war stets professionell durchdacht, analytisch. Wobei dies aufgrund seiner vorangegangenen Verwendung zu erwarten war. Er besaß seine Schwächen, aber nichts, was ein intensives Training der NRGD-Spezialisten nicht ausmerzen könnte.
Die Agentin setzte sich auf den unbequemen Stuhl, auf den auch Fontaine in der angrenzenden Kammer Platz nehmen würde. Sie erinnerte sich nur zu gut an das erste Mal, als sie auf einem dieser Stühle gesessen hatte. Die Warterei, der grelle Lichtkegel - das konnte einen schon anfängliche Nervosität bereiten. Zum Glück hatte sie das Ganze bereits hinter sich. Doch sie musste sich daran erinnern, wie es damals war, welche Gefühle und Gedanken in ihr gekeimt waren und diese nun reproduzieren, um das passende Schauspiel aufrechtzuerhalten.
Als sie der unsichtbaren Kamera in der Wand zunickte, zischte die Wand, die zuvor keinerlei Anzeichen abgegeben hatte, eine Tür zu sein, nach oben. Die beiden identischen Räume, die bis hierhin voneinander getrennt waren, verbanden sich zu einem symmetrischen Spiegelbild. Zu diesem Zeitpunkt stellte ihre Miene eine Mischung aus Überraschung und Nervosität zur Schau. Das explosive Gemisch, das sie schon damals empfunden hatte, aber geschickt unterdrücken konnte. Nun jedoch hatte sie wochenlang eine Rolle gespielt, zu der diese Reaktion durchaus passte.
“Sie?”, fragte Nadira gespielt überrascht, als sie das dunkelhäutige Gesicht von Fontaine erblickte. Dann sah sie sich um. In ihrem Raum und in dem identischen Gegenstück, in dem der Kandidat Platz genommen hatte, ehe sie den Blick fragend auf ihm ruhen ließ.
Dann öffnete sich jeweils ein Fach in der Mitte der Tische, von denen jeweils einer vor ihren Stühlen platziert war. Inszeniert hob Nadira ihr Kinn und schaute hinein. Darin lag ein Stück Flimsiplast, darunter eine Schachtel. Nadira griff nach ihrem und las die Botschaft, die darauf stand. Sie wartete, bis Leland dasselbe tat. Dann schaute sie abwechselnd von der Nachricht zum Kandidaten und zurück.
“Was … was steht auf Ihrem?”
Sie wusste natürlich, was draufstand.
Nadira wartete. “Was steht auf Ihrem?” wiederholte sie. Ihre Stimme war eine perfekte Mischung aus vorsichtiger Neugier und unterschwelliger Anspannung. Vielleicht würde er nun versuchen, ihre Absichten zu lesen - ob sie wirklich verwirrt war, oder nur auf eine bestimmte Reaktion, eine bestimmte Antwort hinauswollte. Doch sie wusste, dass er wenig finden würde. Alles andere hätte sie zumindest überrascht. Sie hatte Wochen mit den Kandidaten verbracht, jeden von ihnen so ausführlich wie unauffällig beobachtet. Jegliches Misstrauen sollte sie durch ihre geduldige Unauffälligkeit abgebaut haben. Ob er sich jetzt überlegte, wie korrekt seine Einschätzung ihr gegenüber war?
“Wissen Sie, … ich frage mich gerade, wie Sie mich sehen.”
Sie ließ den Satz eine Sekunde im Raum stehen, ehe sie fortfuhr.
“Ich habe die anderen Kandidaten gehört, als sie über mich geredet haben. Die Unscheinbare. Durchschnittlich in jeder Kategorie, im unteren Drittel jedes Tests, keine herausragenden Qualifikationen, keine beeindruckenden Leistungen. Sie habe ich das nie sagen hören. Also, wie sehen Sie mich?”
Was sich jetzt wohl in seinem Kopf formen würde? Aber würde er offen mitspielen? Nadira spielte mit dem Flimsiplast in ihrer Hand. Sie ließ den Daumen dramatisch über die Oberfläche streichen.
“Wir beide haben einen Auftrag bekommen, nicht wahr?”
Sie ließ die Worte auf ihn wirken. Dann lehnte sie sich nach vorne, ihre Ellenbogen ruhten auf dem Tisch und sie senkte die Stimme, ehe sie erneut in das Fach vor sich griff und einen Blaster aus der unscheinbaren Schachtel hervorzog.
“Etwas extrem. Das würden S/sie nicht tun oder?”
Die Agentin ließ in ihrer Betonung bewusst offen, ob sie Leland oder den NRGD meinte. Doch sie verengte schauspielerisch die Augenbrauen, zog die Stirn gespielt nachdenklich in Falten und strich mit ihren Händen über den Blaster.
Nadira hatte dieses Subjekt nun lange genug studiert. Leland Fontaine war nicht unbedingt ein Einzelgänger, aber er hatte auch nicht aktiv die Nähe der anderen Kandidaten gesucht. Seine Herangehensweise an Probleme, die ihm entgegen geworfen wurden, war stets professionell durchdacht, analytisch. Wobei dies aufgrund seiner vorangegangenen Verwendung zu erwarten war. Er besaß seine Schwächen, aber nichts, was ein intensives Training der NRGD-Spezialisten nicht ausmerzen könnte.
Die Agentin setzte sich auf den unbequemen Stuhl, auf den auch Fontaine in der angrenzenden Kammer Platz nehmen würde. Sie erinnerte sich nur zu gut an das erste Mal, als sie auf einem dieser Stühle gesessen hatte. Die Warterei, der grelle Lichtkegel - das konnte einen schon anfängliche Nervosität bereiten. Zum Glück hatte sie das Ganze bereits hinter sich. Doch sie musste sich daran erinnern, wie es damals war, welche Gefühle und Gedanken in ihr gekeimt waren und diese nun reproduzieren, um das passende Schauspiel aufrechtzuerhalten.
Als sie der unsichtbaren Kamera in der Wand zunickte, zischte die Wand, die zuvor keinerlei Anzeichen abgegeben hatte, eine Tür zu sein, nach oben. Die beiden identischen Räume, die bis hierhin voneinander getrennt waren, verbanden sich zu einem symmetrischen Spiegelbild. Zu diesem Zeitpunkt stellte ihre Miene eine Mischung aus Überraschung und Nervosität zur Schau. Das explosive Gemisch, das sie schon damals empfunden hatte, aber geschickt unterdrücken konnte. Nun jedoch hatte sie wochenlang eine Rolle gespielt, zu der diese Reaktion durchaus passte.
“Sie?”, fragte Nadira gespielt überrascht, als sie das dunkelhäutige Gesicht von Fontaine erblickte. Dann sah sie sich um. In ihrem Raum und in dem identischen Gegenstück, in dem der Kandidat Platz genommen hatte, ehe sie den Blick fragend auf ihm ruhen ließ.
Dann öffnete sich jeweils ein Fach in der Mitte der Tische, von denen jeweils einer vor ihren Stühlen platziert war. Inszeniert hob Nadira ihr Kinn und schaute hinein. Darin lag ein Stück Flimsiplast, darunter eine Schachtel. Nadira griff nach ihrem und las die Botschaft, die darauf stand. Sie wartete, bis Leland dasselbe tat. Dann schaute sie abwechselnd von der Nachricht zum Kandidaten und zurück.
“Was … was steht auf Ihrem?”
Sie wusste natürlich, was draufstand.
‘Nur einer von Ihnen kann bestehen. Wer, entscheiden allerdings Sie beide. Auftrag: Eliminieren Sie den anderen Kandidaten.’
Nadira wartete. “Was steht auf Ihrem?” wiederholte sie. Ihre Stimme war eine perfekte Mischung aus vorsichtiger Neugier und unterschwelliger Anspannung. Vielleicht würde er nun versuchen, ihre Absichten zu lesen - ob sie wirklich verwirrt war, oder nur auf eine bestimmte Reaktion, eine bestimmte Antwort hinauswollte. Doch sie wusste, dass er wenig finden würde. Alles andere hätte sie zumindest überrascht. Sie hatte Wochen mit den Kandidaten verbracht, jeden von ihnen so ausführlich wie unauffällig beobachtet. Jegliches Misstrauen sollte sie durch ihre geduldige Unauffälligkeit abgebaut haben. Ob er sich jetzt überlegte, wie korrekt seine Einschätzung ihr gegenüber war?
“Wissen Sie, … ich frage mich gerade, wie Sie mich sehen.”
Sie ließ den Satz eine Sekunde im Raum stehen, ehe sie fortfuhr.
“Ich habe die anderen Kandidaten gehört, als sie über mich geredet haben. Die Unscheinbare. Durchschnittlich in jeder Kategorie, im unteren Drittel jedes Tests, keine herausragenden Qualifikationen, keine beeindruckenden Leistungen. Sie habe ich das nie sagen hören. Also, wie sehen Sie mich?”
Was sich jetzt wohl in seinem Kopf formen würde? Aber würde er offen mitspielen? Nadira spielte mit dem Flimsiplast in ihrer Hand. Sie ließ den Daumen dramatisch über die Oberfläche streichen.
“Wir beide haben einen Auftrag bekommen, nicht wahr?”
Sie ließ die Worte auf ihn wirken. Dann lehnte sie sich nach vorne, ihre Ellenbogen ruhten auf dem Tisch und sie senkte die Stimme, ehe sie erneut in das Fach vor sich griff und einen Blaster aus der unscheinbaren Schachtel hervorzog.
“Etwas extrem. Das würden S/sie nicht tun oder?”
Die Agentin ließ in ihrer Betonung bewusst offen, ob sie Leland oder den NRGD meinte. Doch sie verengte schauspielerisch die Augenbrauen, zog die Stirn gespielt nachdenklich in Falten und strich mit ihren Händen über den Blaster.
- Sluis Van - Geheime Anlage des NRGD - Prüfungskammer -
Dr. Nadira Korn, Leland Fontaine
Dr. Nadira Korn, Leland Fontaine