Ich habe die Diskussion etwas zurückverfolgt um herauszufinden, was eigentlich gerade der genaue Streitpunkt ist. Nik Ren scheint einfach nur sagen zu wollen, dass man sich keiner Sache 100%ig sicher sein kann. Die anderen aber antworten darauf, dass man auf diese oder jene Weise Dinge erfahren, bestätigen oder widerlegen kann. Und so geht es immer hin und her.
Aber ich glaube, dass beides in gewisser Weise zutrifft und das Problem eher in der Benennung der Dinge (Wahrheit vs. Wissen) und der grundlegenden Philosophie der Diskutierenden liegt.
Ich glaub, beide Seiten können sich bestimmt auf folgendes einigen:
- Es gibt einmal die Realität: Das tatsächliche und unumstößliche.
- Dann gibt es das Wissen. Dieses besteht im Wesentlichen aus den Informationen, die uns unsere Sinnesorgane übermitteln (Auch die modernsten Messgeräte bringen uns ja nur was, wenn wir das Display mit unseren Augen sehen, Signaltöne hören usw.). Alles, was darüber hinausgeht, sind Annahmen bzw. Vorhersagen (Man könnte das ebenfalls als "Wissen" bezeichnen, aber das will ich mal nicht tun, damit ich (hoffentlich) klarer formulieren kann).
- Die Informationen kommen natürlich aus der Realität. Aber es besteht die Möglichkeit, dass unsere Sinnesorgane (selbst mit Hilfsmitteln) - ohne, dass wir es merken - nicht in der Lage sind, die Realität komplett wahrzunehmen. Außerdem kann es sein, dass es etwas gibt, dass wir zwar wahrnehmen könnten, das aber momentan außerhalb unserer "Reichweite" ist (Weil z.B. die Technologie noch nicht weit genug ist, um dieses Etwas zu messen). Das bedeutet, wir können uns nicht 100% sicher sein, dass unsere Informationen und damit unser Wissen, sowie darauf basierende Annahmen, korrekt sind.
Wenn man es also ganz genau nimmt, kann man nicht 100%ig "wissen", dass man gerade vor einem Computer sitzt, geschweige denn, dass das Universum dieses oder jenes tut oder tun wird.
Und wie ich das sehe, wird die aktuelle Diskussion nur dadurch ausgelöst, dass der eine anscheinend die Philosophie vertritt: Aufgrund der Fehlbarkeit unserer Wahrnehmung können deren Informationen
(und darauf basierende Annahmen) nicht als 100%ig gesichert und vollständig angesehen werden. Wenn man sich einer Sache aber nicht 100%ig sicher sein kann, kann man sie auch nicht als "Wissen" bezeichnen. Denn "Wissen" muss der Realität entsprechen. Also ist das Wissen in Wahrheit nur Glauben.
Die anderen hingegen, haben anscheinend die Philosophie: Unsere Wahrnehmung
(wenn sie auch nicht perfekt ist) ist die einzige Möglichkeit, etwas über die Realität zu erfahren. Also müssen wir sie als Grundlage nehmen und davon ausgehen, dass das, was wir sehen/hören/fühlen/etc. real ist - solange, bis etwas anderes, dass wir sehen/hören/fühlen/etc., dem widerspricht. Unser Wissen ist demnach so nah an der Realität, wie es nur möglich ist.
(Die Möglichkeit, dass es auch etwas gibt, dass wir nicht sehen/usw. besteht zwar, wird aber dem Wissen untergeordnet.)
Beide Philosophien haben meines Erachtens gleichermaßen ihre Berechtigung.
Aber eine Diskussion zwischen zwei Seiten mit je einer der beiden Philosophien, kann wahrscheinlich niemals zu einem Ergebnis oder einer Erkenntnis kommen. Sie wird sich stattdessen immer nur im Kreis drehen.
Also muss man sich wohl auf eine Philosophie einigen. Nicht darauf, dass diese generell richtig ist! Sondern nur darauf, dass man sie im Rahmen dieser Diskussion als Grundlage nimmt, um eine Basis zu haben, von der aus man argumentieren kann.
Und ich denke, die Philosophie "nichts ist sicher" kann nicht als so eine Grundlage dienen. Denn dabei kann jede Beobachtung, jedes Forschungsergebnis usw. als unzureichend abgetan werden, da man sich ja nie 100%ig sicher sein kann, dass es wirklich so ist, wie es uns mit unserer beschränkten Wahrnehmung erscheint. Also kann man mit gar nichts argumentieren und somit auch keine Diskussion führen.
(Man könnte nur generell sagen, dass alles (wirklich alles!) gleichermaßen möglich ist. Und mit dieser unendlichen Anzahl an Möglichkeiten, wären diese auch alle gleichermaßen unbedeutend und somit gibt es nichtmal einen Grund, über irgendetwas zu reden.)
Daher denke ich, dass eine Diskussion nur möglich ist, wenn wir nicht danach fragen, was mit 100%iger Sicherheit die unumstößliche Wahrheit ist, sondern danach, was am wahrscheinlichsten ist. Und um diese Wahrscheinlichkeit bewerten zu können, müssen wir unsere Wahrnehmung als Grundlage nehmen. Dass die Realität möglicherweise etwas ganz anderes sein könnte als das, was wir anhand unseres Wahrnehmung als real ansehen, das muss man hier einfach mal ausklammern
(aber nicht gänzlich ausschließen), da man ansonsten eine Diskussion unmöglich macht.