Interessantes Thema, aber ich denke mal, zu dem Punkt warum Deutschland nie einen Flugzeugträger gebaut hat kann ich folgendes sagen: Das Haupteinsatzgebiet der damals noch Bundesmarine war bis 1990 hauptsächlich die Ost- und Nordsee, ein Seegebiet, das klein genug ist, dass es von Landgebundenen Flugzeugen der NATO-Partner abgedeckt werden konnte. Der Fokus lag daher auf anderen Schifftypen. Mit der Wiedervereinigung Deutschlands hat sich zwar das Einsatzgebiet der nun Deutschen Marine internationalisiert, jedoch wurde auf der anderen Seite die generelle Größe der Bundeswehr und damit aller Teilstreitkräfte verringert. Darunter fielen nach und nach beispielsweise auch die Größten Nachkriegs-Kriegsschiffe der
Lütjens-Klasse, die bis 2003 außer Dienst gestellt wurden. Dafür wurde eine neue Klasse an Fregatten, die besser für das neue, internationale Einsatzspektrum geeignet waren (
Brandenburg-Klasse, sehr tolle Schiffe btw. war selbst schon mit der Mecklenburg-Vorpommern unterwegs

) und vor allem vielen kleiner Schiffstypen wurden eingestampft (Schnellboote z.B.).
Aber auch heute halte ich einen Flugzeugträger in der Deutschen Marine für absolut unnötig. Flugzeugträger operieren nie allein, da sie eigentlich als Kriegsschiff nicht besonders stark sind. Auch die Amerikanischen Flugzeugträger, noch immer die größten, operieren in sogenannten
Carrier Strike Groups in einem Verband von mehreren Schiffen zur optimalen Verteidigung der Flugzeugträger selbst. In diesen Carrier Strike Groups finden sich übrigens auch immer wieder Fregatten der Bundeswehr. Wir bräuchten also quasi alle größeren Streitkräfte der Bundeswehr (wir haben momentan nur 9 Fregatten) um einen solchen Flugzeugträger zu eskortieren. Hinzu kommt noch wie angesprochen, dass in Deutschland kein Marineflieger-Kampfverband mehr existiert, sondern lediglich noch das Marinefliegergeschwader
3 und
5 welche nur Unterstürzungs-Luftfahrzeuge haben. (Das Marinefliegergeschwader 3 heißt btw. sogar Graf Zeppelin.) Außerdem sind ja schon die Kosten der neuen
125er-Klasse, die die Zukunft der Fregatten bildet, komplett außer Kontrolle geraten.
Außerdem sind viele dieser als Flugzeugträger bezeichneten Schiffe meist keine Flugzeugträger wie man sie von den Amerikanern kennt, sondern oft Hubschrauberträger. (So haben z.B. die japanischen Selbstverteidigungsstreitkräfte die Tatsache umgangen, dass ihnen nach dem 2. WK Flugzeugträger verboten worden sind (man fragt sich nur warum

))
Außerdem operieren unsere Streitkräfte international deutlich anders als es die Amerikaner oder selbst die Franzosen tun. Die Aktuellen Missionen der Deutschen Marine, im besonderen
ATALANTA und
UNIFIL, bzw. seit neuestem die Mission
SOPHIA benötigen keinen Flugzeugträger sondern die an Bord der Fregatten mitgeführten Hubschrauber vom Typ Sea-Lynx. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, Kampfjets gegen die kleinen Nussschalen der somalischen Piraten zu schicken. Vor allem da das auch dem Bundestag als Vorgesetzter der Bundeswehr nicht gefallen würde.
So toll die Idee auch wäre, in das aktuelle Konzept der Deutschen Marine passt sowas definitiv nicht. Vielleicht noch als Europäisches Projekt, wer weiß. Allerdings könnte man auch die
Charles de Gaulle als Flaggschiff eines Europäischen Trägerverbandes einstellen. Die Italienische Marine unterhält übrigens auch einen Flugzeug- und einen Hubschrauberträger (
Cavour und
Giuseppe Garibaldi), ebenso wie die Britische Marine, aber das ist wohl hier eher bekannt.
Fun Fact zu Flugzeugträgern: Ein amerikanischer Flugzeugträger besitzt mit ~85 Flugzeugen eine Größere Luftstreitkraft als die meisten Staaten, was das Konzept als Unterstützung von Landstreitkräften auch so effektiv macht
