Es stimmt, dass "die Menschheit" durchaus in der Lage ist, auch Regionen zu besiedeln, die lebensfeindlich sind. Und auch die Anpassung an veränderte Umweltbedingungen ist möglich. Diese Anpassungen sind aber
immer mit enormen Belastungen und Ressourcenaufwand verbunden und reichen bei extremen Situationen oft nicht aus, um Leben, Sicherheit und Wohlstand der Betroffenen zu garantieren. Z. B. ist angesichts steigender Meeresspiegel natürlich der Bau von Deichen möglich, aber nicht immer sind dafür die notwendigen Mittel verfügbar, der Bau kommt zu spät oder nicht ausreichend. Oder man kann Hitzeperioden mittels Klimaanlagen erträglicher machen - sofern das Stromnetz das mitmacht und sich Leute das leisten können. Das ist aber alles Symptombehandlung und
kein Ersatz für
Vorsorge.
Kurzum, es lohnt sich aus ganz pragmatischen Gründen, möglichst früh und möglichst umfassend die Faktoren, die den menschengemachten Klimawandel befeuern, zu reduzieren. Das schützt auf mittlere und lange Sicht Menschenleben, Gesundheit und Wohlstand. Man muss effizienter, sparsamer und weitsichtiger werden, und zwar in allen Bereichen und überall auf der Welt, als Unternehmen, als Staat und als Einzelperson.
Dazu gehören auch ein paar unbequeme Wahrheiten. So werden beispielsweise für ein Industrieprodukt in der VR China massiv mehr Ressourcen verbraucht und Schadstoffe erzeugt als in den USA oder Europa (also offenen Gesellschaften mit Umweltschutzgesetzen und moderner Technologie). Billiger ist es trotzdem, weil die Löhne und andere Nebenkosten im Vergleich absurd niedrig sind. "Armut" ist nicht gleichbedeutend mit "umweltfreundlich". Das "Auslagern" muss ebenso überdacht werden wie der Umgang mit Abfällen, aber auch so ein paar Heilige Grale wie "böses, böses Gen-Essen kommt mir nicht auf den Teller und die Stromtrasse soll überall gebaut werden, aber nicht in meinem Vorgarten!!!1!" sollten auf den Prüfstand. Und ja, als Brückenlösung gehört auch die gerne irrational verteufelte Atomenergie für mich dazu.
Da hier teils schon wieder vom Systemwechsel und "Maßnahmen, die für manche Leute Teufelszeug sind" und "Gruppen, die es nicht geben dürfte", geschrieben, möchte ich mal höflichst auf das ökologische Vermächtnis des Systems verweisen, das Dir
@Ashaar Khorda wahrscheinlich vorschwebt:
Bitterfeld. Tschernobyl. Aralsee. Einer Schätzung zufolge war die Luftverschmutzung durch Partikel Ende der 1980er Jahre in Mittel- und Osteuropa pro BIP-Einheit 13 Mal höher als in Westeuropa. Das Niveau der gasförmigen Luftverschmutzung war doppelt so hoch wie dieses. Die Abwasserverschmutzung war dreimal so hoch. In Ostdeutschland litten 60 Prozent der Bevölkerung an Atemwegserkrankungen. In Leningrad (heute St. Petersburg) hatte fast die Hälfte aller Kinder Darmerkrankungen, die durch verunreinigtes Wasser verursacht wurden. Bei Kindern in Polen wurde ein fünfmal höherer Bleigehalt im Blut festgestellt als bei Kindern in Westeuropa.
Sozialismus als politisches und wirtschaftliches System ist der letzte Dreck, was Umweltschutz angeht. Punkt. Wenn wir den Klimawandel bekämpfen wollen, dann bestimmt nicht mit den Rezepten aus der Mottenkiste, sondern mit ein bisschen Vertrauen in die Demokratie und die Entscheidungsfreiheit von Menschen. Können wir so weitermanchen wie bisher? Nein. Müssen wir, wie schon erwähnt, "schlanker" werden? Ja. Sind die Zeiten extremer Wachstumsraten auf Kosten der Substanz vorbei? Ja. Ich verweise aber auch auf folgendes: Ein Wachstum von 0,01 Prozent, das umweltfreundlich erfolgt, ist immer noch Wachstum und kann "ewig" laufen. So ganz absurd, wie manchmal getan wird, ist die Vorstellung vom "ewigen Wachstum" nicht.