Crado
machtsensitiver Cathar mit Hang zur hellen Seite
[ Coruscant-System | Coruscant | untere Ebenen | ein Arbeiterviertel | Wohnblock | Apartment „D-4567“ | mit Noomi ]
Blitzschnell verschwand Noomi in der Küche und kehrte nach wenigen Minuten zu der alten Couch zurück. Mit einem Lächeln nahm der junge Cathar den Teller entgegen. Ein dichter Dampf stieg von den vielen Spaghetti zur niedrigen Zimmerdecke auf. Dazu schwirrten ein paar Fliegen um die zwei essenden Jedi. Beiläufig verteilte das hungrige Katzenwesen mehrere Kleckse rote Soße auf seiner großzügigen Portion. Es war die erste richtige Nahrung, die er seit drei Tagen bewusst zu sich nahm und genoss. Nur durch die Macht – und die fürsorgliche Hilfe der Twi'lek – hatte er die letzten drei Tage ohne Schwierigkeiten überstanden. Sorgfältig musterte der Jedi-Ritter hin und wieder die ganz schweigsame Schülerin. Sie hatte ihm noch keine Antwort gegeben.
„Nun...“, brach die feingliedrige Nautolanerin das Schweigen. „Ich sollte einen Mord begehen, um die Imperialen aufzuhalten. Geht es noch tiefer? Ich habe es nicht getan und ich will es nicht. Ja – ich traue mir zu, all diese Taten begehen zu können. Doch ich als Jedi sehe es als meine Pflicht an, Leben zu bewahren, nicht sinnlos welches zu vernichten. Und warum versuchen wir überhaupt das unmögliche und wollen das Imperium da angreifen, wo es am stärksten ist?“
Nachdenklich nickte Crado und schlang mehrere Nudeln auf einmal herunter. Seine violetten Augen fixierten das grünhäutige, zierliche Wesen. In der Macht spürte er ihre Zweifel. Ihr Unbehagen. Der Jedi-Ritter legte seine benutzte Gabel zur Seite. Plötzlich schwirrte eine schwarze, dicke Fliege um seinen Kopf. Behutsam versuchte er mit seiner Pranke das nervtötende Insekt zur verscheuchen. Im selben Moment beschäftigte sich sein Verstand mit der Problematik, die Noomi mit ihren Worten aufgeworfen hatte. Hatten seine eigenen Zweifel etwa die Nautolanerin erreicht? Was sollte er bloß seinem Padawan antworten? Kurz unterbrach der Cathar den Blickkontakt. Besann sich für mehrere Minuten konkret auf seine wahre Aufgabe als Jedi. Dabei wurde seine Präsenz völlig ruhig. Es war als würde die Macht Crado in eine warme Decke einhüllen.
„Während meiner Abwesenheit hast du dich erfolgreich bewährt“, entgegnete der Jedi-Ritter, dabei griff er wieder nach seinem Besteck. „Manchmal unterzieht uns anscheinend Prüfungen, um einfach unseren Charakter zu testen. Manche scheitern an diesen dunklen Verführungen, du hingegen hast deine edle Seite gezeigt. Trotzdem sind deine derzeitigen Zweifel berechtigt. Wo ist die Grenze, die man bei diesen Missionen ziehen muss? Diese Frage stelle ich mir auch...“
Er brach kurzzeitig ab. Sortierte seine chaotischen Gedanken im Kopf. Crado fragte sich auf einmal, ob diese Offenheit gegenüber seinem Padawan eine richtige Entscheidung war. Noomi war erst seit sehr kurzer Zeit ein Mitglied im Jedi-Orden – durfte er sie da schon so sehr bedrängen? Erneut legte er seine dreckige Gabel zur Seite und musterte seine Gesprächspartnerin. Der Cathar grübelte einen kurzen Augenblick über diese Problematik. Wie war das bei ihm? Hatten seine Mentoren Mike oder Utopio auch solche Gedanken gehabt? Sein Blick irrte allmählich durch den Raum. Überall sah der Jedi-Ritter auf einmal zahlreiche Wasserflecken an der uralten Tapete. Die kleine Wohnung, welche man ihnen zur Verfügung gestellt hatte, war wirklich schmuddelig. Trotzdem störte sich Crado nicht daran. Er war – durch seine Vergangenheit auf Nar Shaddaa – noch schlimmere Räume gewohnt.
„Fast mein ganzes Leben habe ich in den Slums von Nar Shaddaa verbracht...“, gestand der kräftige Cathar nach einer Weile. „Dort habe ich schon früh aufgeschnappt, dass sehr viele Hintermänner in den Tiefebenen von Coruscant ihr Hauptquartier errichtet haben, um von diesem einen Planeten aus die gesamte Galaxie – jedenfalls deren Unterwelt – zu beherrschen. Der örtliche Widerstand könnte eventuell durch diese zwielichtige Unterstützung mehr Erfolge erreichen. Jedoch muss dieser Punkt noch mit Chesara abgesprochen werden. Selbstverständlich möchte ich dich auch in Zukunft keiner Gefahr aussetzen. Du sollst auch keinen Mord begehen... Darauf werde ich achten...“
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