Aurelian
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Rat Queens Volume 1: Sass and Sorcery
Autor: Kurtis J. Wiebe
Zeichner: Roc Upchurch
Inhalt:
In einer bunten Fantasy-Welt voller Abenteurer, Orks, Trolle, Zwerge, Magie, Assassinen und Gildenorganisationen ist eine Gruppe vier junger Heldinnen, die Rat Queens, immer auf der Suche nach dem nächsten Quest oder der nächsten Kneipenschlägerei: Sehr zum Ärgernis der lokalen Verwaltung der Stadt Palisade, in welcher die Rat Queens und andere streit- wie abenteuerlustige Gruppen residieren und im Zuge ihrer Aktivitäten dann und wann ein wenig Unruhe stiften. Doch jemand scheint der Abenteurer mehr als überdrüssig zu sein und so müssen Betty, Dee, Hannah und Violet bald mit allen Mitteln (zu denen u.a. eine ganze Menge Beleidigungen gehören) ihre Haut gegen berufserfahrene Assassinen und andere Gefahren verteidigen.
Meine Meinung:
Rat Queens bringt vier taffe junge Damen zusammen, die dem Leser und ihrem fiktiven Umfeld sehr schnell und sehr unzweideutig klarmachen, dass sie sich die Butter nicht vom Brot nehmen lassen. In dieser ziemlich frechen, derben und wohltuend selbstironischen Weise, für die sich Wiebe entschieden hat, ist das sehr erfrischend und unterhaltsam, sofern man keine Probleme mit vulgärem Humor hat (ich habe sie definitiv nicht), denn so viele Fucks, Shits und Cocks habe ich schon lange nicht mehr gelesen – wenn überhaupt.
Eingebettet ist das in ein dem geneigten Fantasy-Leser (und vor allem P&P Rollenspieler) vertrautem Umfeld, das einen schnellen Einstieg in die mittelalterliche Welt mit Menschen, Magiern, Elfen, Orks, Trollen und all den ganzen Spezies und Typen ermöglicht, die man schon als zahllosen anderen Werken kennt. Daher ist es auch nicht weiter schlimm, dass die Welt nicht weitschweifig erklärt wird, sondern sich auf die Stadt Palisade, das nähere Umfeld und alle an der Handlung beteiligten Figuren beschränkt. Für mich geht das so vollkommen in Ordnung, zumal damit unterstrichen wird, dass es bei dem Handlungsstrang nicht um ein weltumspannendes Epos mit Bedrohungsfaktor Todesstern geht, sondern um ein kleines, dreckiges Abenteuer, dessen Ziel mal nicht die Rettung der Welt ist.
Einer der großen Stärken von Rat Queens liegt in der Auswahl, Konstellation und gut funktionierenden Dynamik der vier Protagonisten, nicht zuletzt aber auch deren individuellen Gestaltung. Zwar spart man sich die Details der Hintergrundgeschichten auf, trotzdem bekommen sie alle ausreichend individuelle Züge und es wird bereits für einige der Rat Queens angerissen, dass es ungelöste Konflikte aus der Vergangenheit gibt, die sich bald wieder bemerkbar machen werden. Um sie konkret beim Namen zu nennen, hätten wir da die „zwergische“ (sie sieht von den Zeichnungen her normal aus) Violet, die ihren Bart abrasiert hat, „bevor es cool wurde“, Wein statt Bier trinkt und eine ziemlich gute Schwertkämpfern ist. Weiterhin die Halblingsdame Betty, begnadete Diebin, liebevoll naiv und mit einer Schwäche für Süßigkeiten belastet (vor allem denen, die bewusstseinserweiternde Substanzen enthalten). Hannah ist eine studierte Elfenmagierin mit ziemlich tödlichen Fähigkeiten, während die atheistische Klerikern Dee die Truppe vor allem ihren Heilkräften unterstützt, die sie ironischerweise ihrer tiefgläubigen, dem Kult eines alten Gottes angehörigen Familie verdankt. Diese und andere Eigenarten führen zum einen zu einer Menge lustiger Szenen dieser in ihren Herzen guten Truppe, zum anderen sind sie auch Teil der zweiten großen Stärke des Bandes, nämlich des schon genannten Humors, der sich mal durch perfekte Situationskomik, makabere Szenenbilder, witzige Dialoge, fragwürdige Kriegsschreie, das lose Mundwerk der vorrangig weiblichen Besetzung und die immer wieder eingestreute Prise Selbstironie auszeichnet. Das sorgt nicht nur für gute Unterhaltung, sondern lockert die Geschichte auf, so dass die hin und wieder spritzende Hirnmasse, abgehackte Gliedmaßen, ausgestochene Augen und offene Brüche (nein, auch daran hapert es nicht) gar nicht mal so ins Gewicht fallen.
Als dritte Stärke werte ich die Ungezwungenheit und Konsequenz, mit der Wiebe Welt und Charaktere geschrieben hat. Seien es Rauschmittel, Alkohol oder Sexualität, die Rat Queens machen das, was sie wollen, und sie kümmern sich nicht um Konventionen oder traditionelle Vorbildfunktionen. Das gibt ihnen einen gehörigen Aufschlag Glaubwürdigkeit und für mich auch Sympathie (Rückschlüsse auf Verhaltensweisen des Autors dieser Rezension sind daraus nicht zu ziehen).
Fazit:
Mit Rat Queens bekommt man vier souveräne, Mädels, jede Menge unter die Gürtellinie zielenden und/oder makabren Humor, ausreichend Beleidigungen für das ganze Jahr und obendrein eine gute Portion Splatter-Action. Das Ganze ist kurzweilig und war für mich durch die Bank ein großer Spaß, aber Sittenwächter aufgepasst: Fromme, bibeltreue Helden müsst ihr woanders suchen. Ich freue mich jedenfalls schon auf den nächsten Band!
Bewertung:
4/5 bzw. 8/10
Auch hier erschienen.
Rat Queens Volume 2: The Far Reaching Tentacles of N'Rygoth
Autor: Kurtis J. Wiebe
Zeichner: Roc Upchurch
Inhalt: Rat Queens #6 - 10
Nachdem sich die Rat Queens mit einer gehörigen Portion Alkohol, bewusstseinserweiternder Substanzen und vorehelichem Geschlechtsverkehr von den Strapazen ihres letzten Abenteuers erholen, währt die Ruhe nicht lange, bis sich der nächste Antagonist aus dem Schatten regt und die Stadt Palisade für seinen persönlichen Rachefeldzug ausgesucht hat. Wer den ersten Band noch im Gedächtnis hat, der mag schon erahnen, inwiefern die Rat Queens hier ins Kreuzfeuer geraten, und um es mit den Worten von Violet zu sagen: „To the slaughter!“
Meine Meinung:
Als ich 2014 den ersten Band zum ersten Mal gelesen habe, hatte ich mich sofort in die Rat Queens verliebt, meine Rezension viel entsprechend positiv aus. Der zweite Band knüpft nahtlos an den ersten an und versucht nach dem sehr humorvollen, actiongeladenen Auftakt die Figuren tiefer zu ergründen. Grundsätzlich halte ich das nur für folgerichtig, da „Sass & Sorcery“ zwar unheimlich Spaß gemacht hat, aber eben Teil einer Serie ist, die es verlangt, mehr als nur Charakterskizzen (wenn sie auch gut sind!) zu liefern. Wer sich also bisher bei den Queens wohl fühlte, wird das auch mit dem zweiten Band tun und obendrein seine Figuren etwas besser kennenlernen. Im Fokus steht hierbei die vor allem die atheistische Klerikerin Dee, deren Religion bzw. die ihres Volkes hier eine tragende Rolle bekommt, und damit auch ihre ganz persönliche Vergangenheit, die sie letztendlich auch zu den Rat Queens führt. Auch Hannah und Violet erhalten etwas mehr Hintergrund und es deutet sich bereits an, dass von den Päckchen, welche sie beiden zu tragen haben, künftig mehr zu lesen ist. Mir hat diese Verknüpfung ganz gut gefallen, und auch wenn die Rahmenhandlung jetzt nichts ist, was man nicht schon dreiundzwölfzig mal gelesen oder gesehen hat, ist es nach wie vor das Charisma des Quartetts und die Ungezwungenheit Wiebes, welche die Stärken der Reihe ausmachen und die der Autor auch beibehalten kann. Gefühlt ging im zweiten Band über manche Strecken zwar etwas die Leichtigkeit verloren, wirklich geschadet hat das der Geschichte aber nicht. In puncto Explizitheit wird noch eine kleine Schippe draufgelegt und Wiebe macht nochmal klar, dass seine Serie nicht für kleine Kinder ist, und dass die Rat Queens auf ihre Brüste sehr gut alleine aufpassen können.
Fazit:
Auch der zweite Band weiß mit dem frechen Charme der Königinnen zu unterhalten, und es ist ein guter Schachzug, die einzelnen Herkünfte und Werdegänge der Rat Queens zu nutzen, um die Handlung weiterzuspannen und die Figuren nach dem lockeren Auftakt zu vertiefen. Es wird ein bisschen ernster, ein bisschen emotionaler, Spaß macht es aber weiterhin. [...].
Bewertung:
4/5 bzw. 7,5/10
Auch hier erschienen.
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