Whoa, hier ist es ja wieder losgegangen.

Wird höchste Zeit, dass ich mich wieder einschalte, zumal ich sowieso noch einige ältere Beiträge beantworten wollte... Jetzt aber erstmal aktuell:
Aus meiner Sicht gibt es für Episode VII einige Grundvoraussetzungen, die m.E. große Teile des EU zwingend obsolet werden lassen.
Diese ultimative und kompromisslose Schlussfolgerung ergibt sich für mich überhaupt nicht aus Deinen Argumenten.
1. "Episode VII" ist mit Sicherheit nach Endor anzusiedeln.
Ja, und? Die Zeit ab ca. 45 ABY ist vollkommen unberührt.
2. Um die Verbindung zu Episode VI zu schaffen, müssen zwingend einige der Charaktere im neuen Film auftreten.
Ja, und? Das können sie in der Zeit ab 45 ABY, und es passt auch optimal zum Alter der Schauspieler, ohne peinliche Jugend-Maskerade und Kaschiererei.
3. Auf jeden Fall muss in irgendeiner Weise das Schicksal folgender Figuren aufgeklärt werden: Luke, Leia, Han Solo, Chewbacca, R2-D2, C3PO. Im Vergleich dazu sehe ich einige Nebenfiguren, wie Lando, Boba Fett oder Admiral Ackbar als zweitrangig an. Meine Annahme ist, dass der erste Film viel Zeit darauf verwenden wird, diese Schicksale zu klären.
Warum muss das Schicksal der Figuren aufgeklärt werden? Können sie nicht einfach da sein (oder auch nicht da sein), so wie etwa Obi-Wan in ANH da ist?
4. Zeitlich ist alles nach der Schlacht bei Endor möglich. Es wäre denkbar, dass die Macher auch mit komplett neuen Schauspielern als Luke etc. drehen, mit Personalwechseln, das zeigen zurzeit die Spiderman- und Batmanreihen, hat man momentan wenig Berührungsängste. Es kann auch auf die alte Schauspielerriege zurückgegriffen werden, wobei aber m.E. sie (vielleicht mit Ausnahme von Luke als weisem Jedi-Meister) eher Nebenfiguren sein werden. Es widerspräche den Blockbuster-Regeln, hier vornehmlich alte Leute zu sehen.
Wenn ich mir anschaue, wie ikonisch die OT-Schauspieler seit über 30 Jahren von den Fans verehrt werden, würde ich an Disneys Stelle das Heulen und Zähneklappern kriegen bei der Vorstellung, ihnen neue Schauspieler vorsetzen zu müssen... Das ist etwas anderes als bei Spiderman und Batman, wo zunächst einmal die Figuren ikonisch sind und wo die Schauspieler wesentlich kürzer auf das Fandom "eingewirkt" haben.
Du hast natürlich recht, dass man keinen Cast von alten Leuten haben kann, deswegen sollten die alten Helden ja auch nur kleine Rollen / Cameos haben (womit sich die umfassende "Aufklärung ihres Schicksals" weiter erübrigt) und stattdessen die neue Generation die Geschichte tragen.
5. Prinzipiell könnte jeder Jedi oder auch Darth Vader, eventuell sogar Sidious (mit neuem Plot-Twist, böse Machtgeister) als Machtgeister auftreten. Dies schließt natürlich gerade auch Windu, Qui-Gon, Yoda oder Kenobi ein. Ich hoffe aber, dass davon in der neuen Trilogie nur sehr sparsam Gebrauch davon gemacht wird. Rein storytechnisch bietet sich also die Möglichkeit, fast alle Hauptfiguren aller Filme (gänzlich fallen für mich nur Padme, Dooku und Jabba the Hutt weg) noch mal auftreten zu lassen. Auch das sollte aber tunlichst unterbleiben.
Was hat dieser Punkt mit der (Nicht-)Weiterexistenz des EU zu tun?
Weg mit dem ganzen Ballast, dann hat man eine bessere Grundlage für die Sequels und kann zukünftige Romane besser auf alles abstimmen. Das wäre auch endlich das Aus für dieses an den Haaren herbeigezogene Retconning.
Ich gäbe in diesem Fall dem Neubeginn des Retconning ungefähr ein Jahr, maximal bis zum Erscheinen des zweiten Filmes.
Ich wäre aber schon vollends glücklich, wenn der Kanon bis ROTJ bestehen bleibt. Der Verlust der Kanonität von KotOR, dem alten Klonkriegs-EU oder der Bane-Trilogie würde mich zugegebenermaßen stärker treffen als der Verlust von Thrawn.
Ich gehe davon aus, falls das Post-Endor-EU angegriffen wird, dass dann auch der Respekt für andere Äras verloren gehen und damit die Hemmschwelle sinken wird, auch sie zu annullieren. Wenn man der Meinung ist, mit Filmen in einem bestimmten Zeitraum / zu bestimmten Themen Geld machen zu können und existierende Bücher "stören", wird man im Zweifelsfall genauso mit der Dampfwalze drübergehen.
Kann ich nicht beurteilen, weil ich nichts davon gelesen habe. Ich bezog mich aber nicht auf die Qualität, sondern den Reboot an sich. Die meisten Comichelden wurden schonmal (oder öfters) rebootet, warum sollte es mit dem EU nicht passieren?
Weil, wie hier schon ausführlich diskutiert wurde, SW das
einzige Franchise ist (zumindest konnte bisher keiner ein anderes nennen), das über so lange Zeit und so viele Medien eine chronologische, konsistente, offizielle Kontinuität bewahrt hat. Das ist eine Errungenschaft und ein Alleinstellungsmerkmal und sollte nicht leichtfertig weggeworfen werden.
Erstens kann man so (und meiner Meinung nach nur so) gute Sequels und weitere Filme drehen, ohne sich unzähligen - und teils unterirdischen - Auflagen beugen zu müssen.
Ich habe es schon früher in diesem Thread (erfolglos) gefragt und tue es hiermit ein weiteres Mal: Welchen konkreten "unzähligen - und teils unterirdischen - Auflagen" müssten sich die Sequels beugen, wenn sie an das aktuell existerende EU, also bei 45 ABY, anschließen würden, welche konkreten Einschränkungen ergäben sich daraus und welche davon abweichenden Voraussetzungen müssten sich "freie" Sequels zu diesem Zeitpunkt selbst geben?
Weg mit allem nach ROTJ (inklusive der Zahn-Trilogie), weniger und qualitativ bessere, auf die Filme abgestimmte Romane schreiben lassen. Möglichst Autoren anheuern, die zuvor kein Sci-Fi geschrieben haben und ihre Standardideen reinpfeffern. Allein schon deswegen, um Technobabble wie bei Stackpole zu vermeiden.
Glaubst Du wirklich, dass man "wenige und qualitativ besser Romane" schreiben lassen würde? Ich schätze die Wahrscheinlichkeit sehr viel höher ein, dass man viel, schnell, billig und Kinder- bis Teenagerpublikum-orientiert auf den Markt schmeißen würde, solange es ein paar Dollar bringt. Das knallhart kommerzorientierte Gewinndenken hat in den letzten Jahren sehr zugenommen und ich bezweifle, dass heute noch ein provokant-philosophischer Roman wie Traitor oder generell eine ambitionierte Reihe wie die NJO grünes Licht bekäme.
In Hinblick auf das parallele Weiterlaufenlassen des EU als alternatives Szenario würde sich natürlich der Einfall anbieten, gewisse Kernelemente des EU - also vorrangig Schlüsselfiguren und vielleicht das eine oder andere Ereignis für die Sequels zu verwenden, nur halt mit neuer, alternativer Geschichte. Auf die Art könnte man den schlimmsten Groll der EU-Huldiger eindämmen, indem man ihnen Thrawn und andere geliebte Götzen zugesteht, und dem bisherigen Post-Endor-EU einen noch deutlicheren Status als alternatives "Was wäre, wenn... "-Universum einräumen. Ich persönlich würd's mir nicht so wünschen - lieber weg mit dem kompletten Ballast - aber denkbar wäre es.
Nun, zumindest
diese "EU-Huldigerin" wäre mit dieser Variante nicht zufriedengestellt, ich käme mir im Gegenteil ziemlich ver**scht vor.

Mir geht es nämlich nicht um "Thrawn und andere geliebte Götzen", mir geht es darum, dass die
Gesamtgeschichte, die ich 20 Jahre lang miterlebt habe, erhalten bleibt - nicht bis ins kleinste Detail, aber im Großen und Ganzen.
Figuren, die nicht die Figuren sind, wie ich sie kennengelernt habe, weil sie nicht dasselbe erlebt haben, braucht man auch keine altbekannten Namen aufzupappen. Sie können auch gleich ganz andere, neue Figuren sein, weil sie sowieso nicht dieselben sind. Die Charaktere sind mir doch nicht wegen Oberflächlichkeiten wie ihres Namens oder Aussehens ans Herz gewachsen, sondern wegen ihrer (natürlich fiktiven) Persönlichkeit.
In diesem Punkt stimme ich Dir ausnahmsweise zu: Bevor es so einen faulen, für echte EU-Fans geradezu beleidigenden Kompromiss gibt, dann lieber entweder das EU bis zu einem bestimmten Zeitpunkt 100% befolgen und dann einen klaren Schnitt setzen oder Sequels, die ab RotJ komplett neu aufbauen und vollkommen auf eigenen Füßen stehen, ohne sich durch Pseudo-EU-Bezüge wie inhaltsleeres Namedropping eigene Ideen zu sparen und Sympathien zu erschleichen.
Ich werde das dann sowieso als das Paralleluniversum betrachten, während das EU für mich die "wahre Geschichte" bleibt.
Falsche Einschätzung des EU, denn als die Romane von Timothy Zahn erschienen, war das ganze nur als ein "was wäre wenn" konzipiert und kein offizieller Teil der Saga.

Den offiziellen Stempel hat LFL dem ganzen erst später aufgedrückt.
Es bleibt dennoch Fakt, dass die Bücher jahrelang als offizielle Fortsetzung publiziert, gekauft und gelesen wurden.
Sicher keine sehr gute Entscheidung, aber als EU-Fan konnte man eigentlich immer ausrechnen, daß das EU im Falle weiterer Star Wars Filme nach ROTJ keine Rolle spielen wird.
Allerdings war die Vorstellung "weiterer Star Wars Filme", und insbesondere von Sequels, jahrzehntelang eine derartige Absurdität, dass man es sich eben
nicht ausrechnen konnte.
Micah