Simplizität kennt natürlich seine Grenzen, trotzdem ist das reduzieren auf den größten gemeinsamen Nenner nun mal eine Grundtugend der Wissenschaft.
Ich würde das nicht der Wissenschaft per se in die Schuhe schieben, auch in der Wissenschaft gibt es allgemeinere und detailliertere Realitätsbeschreibungen, das liegt eher an den begrenzten Fähigkeiten unseres menschlichen Gehirns.
Mal ganz davon abgesehen, dass die bloße Existenz der vielen verschiedenen Fachrichtungen und ihrer vielen verschiedenen Verzweigungen bereits ein Indiz dafür sein dürfte, dass "die" Wissenschaft sich nicht bloß mit einem gemeinsamen Nenner zufrieden gibt.
Die Tugend der Wissenschaft ist die Reproduzierbarkeit von Erkenntnis. Der Detailgrad dieser Erkenntnis kann dagegen je nach Ziel der Forschung sehr unterschiedlich ausfallen.
Börsenbewegungen psychologisch zu erforschen kann ganz interessant sein, aber findet man da grundlegende Antworten? Eher nicht.
Natürlich war das ein spezielles Beispiel aber ich glaube nicht, dass mit bloßer Physik jemals jemand auf die Idee kommen würde so etwas zu untersuchen und mit bloßer Physik überhaupt ein Fundament vorhanden wäre es untersuchen zu können.
Allgemeinbildung ist nicht nur das Grundlegenste der übrigen Wissenschaften, es ist auch das Fundament alle spezielleren Wissenschaft betreiben zu können. Schließlich bilden wir uns ganz pragmatisch betrachtet auf irgendein individuelles Ziel hin aus.
So wie die meisten Mathe nicht der Mathematik wegen betreiben sondern um sie auf anderes anwenden zu können sollte es auch Ziel der Allgemeinbildung sein ein Fundament zu schaffen am Ende entweder Generalist zu werden oder zumindest für jede Spezialisierung eine fundamentale Basis zu besitzen, sie sollte also über die Inhalte nur einer Disziplin hinausreichen.
Es darf außerdem auch die Frage erlaubt sein wozu wir Allgemeinbildung überhaupt benötigen oder ob es nicht reicht Spezialist eines Fachs zu werden, um letztlich die Summe aller vorhandenen Spezialisierungen zusammenzuführen und das ist dann die Realität?
Der große Bruder der Allgemeinbildung wäre dabei der Generalist. Und der Generalist hat nur eine Existenzberechtigung, wenn die Realität oder zumindest die derzeit erkennbare Realität mehr ist als die Summe allen bekannten Spezialwissens, zwischen den Disziplinen also irgendwo kein konsistenter oder für uns überschaubarer Übergang herrscht und diese Lücke irgendwie gefüllt werden muss, irgendwer auch das große Ganze betrachten können muss.