one shot
by exodus
-- Rrayn Barator | Mitglied der Defender --
[ Coruscant – untere Ebenen – alter Wohnblock – Wohnung 4B | Rrayn Barator ]
Rrayn saß in einem alten ausgewetzten Ledersessel, die Beine auf einem Schemel hochgelegt und die Augen geschlossen. Wohnung 4B war heute sehr ruhig, einzig das Summen des Herds und das Blubbern eines Kochtopfes drangen an sein Ohr. Rumer hatte beschlossen zu kochen. Ungewöhnlich für die Theelin, aber Rrayn wollte sich nicht beschweren. Seine Nase verriet ihm, dass sie ihren Job nicht ganz schlecht machte. Das Nerf-Fleisch roch zumindest ganz appetitlich.
Der Zabrak ließ den bisherigen Tag vor seinem inneren Auge Revue passieren. Er hatte mehrere Male nach dem Neuen geguckt, diesem menschlichen Söldner. Gestern hatten sie ihn angeschleppt, Rumer, Tehm und Seen’k. Der Typ war fast tot gewesen, kaum noch zu retten. Sie hatten ihn sofort in den Bacta-Tank gesteckt, obwohl Rrayn es im Stillen für Verschwendung gehalten hatte. Dieser Söldner hatte etwas Imperiales an sich und wenn sie ihn jetzt aufpäppelten, dann bestand bloß die Gefahr, den Standort der Wohnung 4B zu verraten.
Sie nannten diesen Unterschlupf auch ihr kleines Krankenhaus, denn hier wurden Verletzte aller Art von ihnen verarztet. Fünf kleine Zimmer standen ihnen zur Verfügung, in jedem stand ein Bett. Ein großer Bacta-Tank war im Wohnzimmer der Wohnung platziert worden. Teilweise kümmerten sie sich hier um eigene Leute, häufiger aber um Verletzte aus den Kämpfen. Wie dieser Söldner von gestern. Einen weiteren hatten sie heute Morgen entlassen. Der Feeorin hatte vier Tage hier verbracht, ehe sie ihn wieder auf den Beinen hatten. Solange unklar war, wessen Seite sie angehörten, hielten sie sich in den Gesprächen mit den Patieten bedeckt und versuchten den Schein einer halbwegs normalen Wohnung zu wahren. Im besten Fall konnten sie die Verletzten davon überzeugen, sich ihrer Sache anzuschließen. Manchmal gelang das aber auch nicht. So wie bei dem Feeorin. Ein typischer Söldner, der ohne Bezahlung nicht hatte an ihrer Seite kämpfen wollen. Sie hatten ihn mit verbundenen Augen weit in die unteren Ebenen gebracht und dort wieder ausgesetzt. Er war gesund und am Leben – mehr konnten sie nicht tun. Aber immerhin das mussten sie. Die Defender waren die Guten.
Die Gespräche mit den Anwesenden zu führen, das war sein Job. Rrayn war älter als die meisten anderen hier und hatte mehr Erfahrung. Beides resultierte in einer natürlichen Autorität, die von den meisten akzeptiert wurde. Grant hatte ihm die Verantwortung übertragen, darüber zu urteilen, wen sie in ihren Reihen aufnahmen und wen nicht. Wenn er an den Söldner dachte, der nebenan schlummerte, sah er allerdings schwarz. Der Typ würde sich ihnen nie und nimmer anschließen. In letzter Zeit war es ohnehin schwieriger geworden Rekruten unter den Verletzten zu finden. Das Imperium heuerte jetzt auch Söldner an, wie es hieß. Rrayn seufzte. Und er verschwendete hier seine Zeit damit, darauf zu warten, dass der Mensch aufwachte. Ramón, den er immer nur "Doc" nannte, war bis gestern hier gewesen und hatte sich um ihn gekümmert, aber jetzt konnten sie nur noch warten. Er fuhr sich gelangweilt durchs Haar, wobei die Spitzen seiner Hörner ein angenehmes Prickeln auf seiner Hand verursachten.
„Rrayn?“
Eine Stimme meldete sich und der Zabrak öffnete die Augen. Rumer stand vor ihm, den Kochlöffel noch in der Hand, aber offenbar von nebenan kommend. Er zog fragend die Augenbrauen hoch, schwang aber schon die Beine vom Schemel.
„Tehm sagt, der Mensch sei aufgewacht.“
„In Ordnung.“
bekundete Rrayn und stand auf. Ein heftiges Knacken seines Rückens begleitete die Bewegung. Wie lange hatte er hier gesessen? Er schätzte die Verantwortung die Grant ihm übertragen hatte, aber insgeheim sehnte er sich danach, mal wieder einen ordentlichen Straßenkampf auszutragen.
Mit großen, aber bedächtigen Schritten durchquerte er das Wohnzimmer und trat in das einzige Zimmer ein, in dem momentan ein Verletzter lag. Tehm stand neben dem Bett, der Mensch hatte die Augen geöffnet, sich aber noch nicht aufgerichtet. Er sah besser aus.
„Wie geht es Ihnen?“
fragte Rrayn ohne Begrüßung oder weitere Einleitung. Er hatte die Erfahrung gemacht, dass es besser war, sie nicht mit überflüssigen Informationen zu überfordern. Einfache Fragen, einfache Antworten. Das war das Spiel.
„Es sollte Ihnen schon wesentlich besser gehen.“
Es war ein freundlicher Satz, doch aus Rrayns Mund klang er fast wie eine Drohung. Tehm warf ihm einen Blick zu. Er musste sich zusammenreißen. Vielleicht schätzte er den Typen ja doch falsch ein.
[ Coruscant – untere Ebenen – alter Wohnblock – Wohnung 4B | Rrayn, Them und Cris ]
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