Crado
machtsensitiver Cathar mit Hang zur hellen Seite
[ Coruscant | Industrieviertel | Fabrik | Halle | mit Noomi, den anderen Jedi und dem restlichen Anwesenden des Widerstands ]
Nach und nach hatte sich die alte Fabrikhalle, welche ziemlich groß war, gefüllt. Anscheinend hatte sich der rebellischen Untergrundbewegung eine große Anzahl an Nichtmenschen angeschlossen, da bei dieser geheimen Versammlung nur sehr wenige Menschen anwesend waren. Trotzdem schien sich keiner der Anwesenden an diesem Punkt zu stören. Eine bunte Mischung aus Sprachen, Tönen, Lauten und Dialekten erfüllte den Hintergrund. Manche waren sogar in farbenprächtige Gewänder gehüllt, während andere sich in schlichten grauen oder gar schwarzen Stoffen zeigten. Damit zeigte sich, dass sie alle das gleiche Ziel verfolgten, aber dennoch verschiedene Ansichten hegten. Für den Betrachter stellten diese unterschiedlichen Sichtweisen auch den Knackpunkt dar, welchen sich die rebellische Bewegung stellen musste.
Behutsam schlängelte sich die Gruppe, bestehend aus fünf Jedi sowie ein paar wichtiger Mitglieder der „Defender“, durch die anwesenden Massen. Viele hatten sich an diesem Ort zu Unterhaltungen, welche mehr oder weniger wichtig waren, zusammengefunden. Somit konnte man nicht von einem klaren Weg sprechen. In dieser Situation verließ sich Crado, der keinen der Anwesenden kannte, auf seine fünf Sinne sowie seine Fähigkeiten in der Macht. Aufmerksam schaute sich der Jed-Ritter um, damit er jede Bewegung bemerkte. Ihn störten die großen Schatten, die sich in den dreckigen Ecken bildeten. An seiner Seite ging Noomi. Man konnte ihr ansehen, dass sie sich hier an diesem Ort bei diesen Massen nicht richtig wohl fühlte. Plötzlich trat Chesara neben den Cathar.
„Wie wäre es, Crado...“, sprach ihn die Rätin an. „...wenn Ihr die abgestellten Wachposten ergänzen würdet?“
„Natürlich, Chesara“, entgegnete das Katzenwesen mit einem leisen Schnurren, wobei er sich leicht verneigte. „Noomi und ich werden etwas aufpassen, während Ihr und Tomm die Verhandlungen führt.“
Mit einem Lächeln nickte die blonde Jedi dem Cathar zu. Dann verschwand sie mit Tomm, Saahir und den vier „Defender“-Mitgliedern gänzlich in den Massen. Bloß in der Macht konnte man deren Präsenz weiterhin ausfindig machen – wenn man sich stark konzentrierte. Irgendwie störte sich der junge Jedi-Ritter an dieser Aufgabe nicht, da seine diplomatischen Fähigkeiten lediglich rudimentär ausgebildet waren. Leise atmete Crado auf. Danach bahnten er und Noomi sich einen direkten Weg zurück zur Tür, wo sie problemlos zu den Wachposten stoßen konnten. Im Hintergrund erklang eine tiefe Bassstimme. Anscheinend hatte der Veranstalter endlich die Gunst der Stunde ergriffen, um ein Wort an seine Gäste zu richten. Nach einigen Schritten hatten sie das Gedränge verlassen. Ab dieser Stelle konnten sie wieder etwas freier atmen sowie sich besser bewegen.
„Crado, meinst du, wir werden etwas erreichen auf Coruscant?“, richtete seine Schülerin auf einmal das Wort an ihn. „Ich weiß ja nicht, ob wir etwas gegen das Imperium ausrichten können.“
„Deine Zweifel sind gerechtfertigt, Noomi“, gestand das Katzenwesen mit dem orangefarbenen Fell und blieb kurz vor der Tür stehen. „Bei meiner ersten Mission, auf Ord Biniir, war ich mir ebenfalls nicht sicher. Die Jedi hatten auf diesem Planeten auch eine Widerstandsgruppe unterstützt. Doch das Imperium hatte einen vernichtenden Sieg davon gezogen. … Trotz dieser brutalen Niederlage habe ich die Hoffnung nicht aufgegeben. Bestimmt ist das eine zweite Chance, damit wir uns wirklich im Kampf gegen die Unterdrückung beweisen können...“
„… Andererseits, meine Tante hat gesagt, wenn jeder sein bestes gibt, kann man alles erreichen“, unterbrach ihn Noomi recht zaghaft. „Doch es wird nicht jeder sein bestes geben, oder? Die meisten Leute haben Angst oder sind sich einfach zu bequem. Ich will es trotzdem versuchen.“
Bei den weisen Worten von Noomis Tante dachte er einen Augenblick nach. Durfte man die Welt so einfach sehen? Herrschte eine Gratwanderung zwischen rechten und unrechten Handeln? Crado war sich in dieser Sache nicht sicher, aber völlig falsch lag die Tante auch nicht. Seine spitzen Ohren mit dem goldenen Ring, der das eine Ohr zierte, zuckten leicht. Er schaute sich um. In der Macht spürte er die wenigen Wachposten, die sich auf unterschiedlichen Ebenen in der Fabrik aufhielten. Manche bewachten das Innere der Halle, andere die Umgebung. Auf einer anderen Ebene der Wahrnehmung konnte man sogar „sehen“ wie die bewaffneten Wachposten, Männer wie Frauen, ihre persönlichen Runden drehten. Hin und wieder trafen sich zwei und man unterhielt sich kurz. Langsam kam er mit seiner Aufmerksamkeit zu Noomi zurück. Sein Padawan dürstete nach einer Antwort.
„Man sollte nicht am Engagement anderer zweifeln“, antwortete Crado nach einer Weile, wobei die violetten Augen die grazile Nautolanerin fixierten. „Deine Tante hat die Wahrheit gesprochen. Man kann durch die eigene Willenskraft eine Menge erreichen. … Doch lass uns nun eine günstige Stelle finden, wo wir unserer Aufgabe nachgehen können.“
Durch seine raubtierhafte Herkunft hatte der Cathar keiner Probleme sich in der Dunkelheit zu recht zu finden. Schnell hatten seinen aufmerksamen Augen eine Tür zum Treppenhaus ausfindig machen können. Fast geräuschlos ging das Katzenwesen zu der Tür. Dort hielt ein muskulöser Devaronianer zu diesem Zeitpunkt seine Wache ab. Kunstvoll waren dessen Hörner geschwungen. Ein teuflisches Grinsen zeigte sich auf dem Gesicht des Freiheitskämpfer als sich die beiden näherte. Anscheinend hatte der Devaronianer das ungleiche Paar schon seit einer Weile beobachtet. Als sich der struppige Jedi-Ritter sowie dessen grazile Schülerin näherten, richtete sich der Kerl auf. Crado ließ sich davon nicht beirren, obwohl der Wachposten seine geladene Waffe fester umklammerte.
„Hey, ihr kommt hier nicht durch...“, brummte der Wachposten. „Sucht euch einen anderen Ort zum Turteln. Verstanden?“
„Wir sind die Unterstützung...“, murmelte Crado und bewegte beiläufig seine Hand. „Du lässt mich und meine Begleitung ohne weitere Widerworte durch.“
„Ihr seid die Unterstützung...“, wiederholte der Devaronianer stumpf und ließ die beiden passieren.
Danach betraten Crado und Noomi das leere, finstere Treppenhaus. Vorsichtig tastete der Cathar die Wand ab und entdeckte einen Lichtschalter. Zwei, drei Lampen sprangen nach dessen Berührung in der nächsten Sekunde an. Schulterzuckend machte sich der Jedi-Ritter an den Aufstieg. Noomi war selbstverständlich dich hinter ihm. Zusammen erklomm man Etage für Etage. Sie befanden sich zu diesem Zeitpunkt im ehemaligen Verwaltungsgebäude der Fabrik. Durch die Türen zu den einzelnen Etagen konnte man die verlassenen Büroräume sehen. Scheinbar hatten die Besitzer das Gebäude in kürzester Zeit verlassen, denn etliche Dokumente lagen achtlos auf dem Boden. Umsichtig umging man den Dreck und suchte sich einen Platz in der Nähe zu einem ehemaligen Turboliftschacht. Nun befand man sich im zweiten Stockwerk. Aufmerksam musterte Crado die Umgebung. 'Keine Spur von anderem Leben', dachte er sich.
„Ich bin froh, dass du deine Fähigkeiten für den Kampf gegen das Imperium verwenden möchtest“, griff der Cathar die Unterhaltung wieder auf. „Seit etlichen Jahrtausenden haben die Jedi die Pflicht ihre Fähigkeiten in den Dienst der Gemeinschaft zu stellen. Wir erhalten den Frieden galaxisweit und wahren die Demokratie. Du folgst damit einer uralten Tradition – genau wie ich, mein eigener Mentor sowie dessen Meister.“
Das Katzenwesen schenkte der Nautolanerin ein Lächeln. Vielleicht hatten sie nun etwas mehr Zeit für weitere Lektionen. Crado lehnte sich an die kalte Mauer und blickte vorsichtig aus dem Fenster, denn in seinem Magen dominiert weiterhin ein dumpfes Gefühl. Automatisch wanderte seine Hand zu seinem deaktivierten Lichtschwert. Das kalte Metall gab ihm ein Gefühl von Sicherheit und der Kontrolle über die Lage. Nach einer Weile schaute er wieder zu Noomi, die ebenfalls aufmerksam aus dem kaputten Fenster blickte. Zwei andere Wachposten hielten sich bloß vier Räume von ihnen entfernt auf. Sie waren somit nicht allein auf diesem Stockwerk. Ruhig atmete der Cathar durch. Er wollte keine negativen Gefühle über das zarte Schüler-Meister-Band senden. Noomi sollte in dieser Situation ebenfalls die Ruhe bewahren.
„Hast du irgendwelche Fragen, Noomi?“, fragte er plötzlich mit einem breiten Grinsen. „Ich denke, wir haben jetzt etwas Zeit für die eine oder andere fixe Lektion.“
[ Coruscant | Industrieviertel | Fabrik | Verwaltungsteil | mit Noomi ]