Uiii, mal wieder eine Traviss/Mando-Diskussion.
Was ich lustig finde ist, das die Kritiker der RC/IC-Reihe immer ins Felde führen das es in den Büchern immer um "Mando hier, Mando da" gehen soll, aber wie ist es den anderstrum, da heißt es ja auch in den meisten fällen "Jedi hier, Jedi da".
Was ich dazu in der Vergangenheit geschrieben habe und auch nur immer wieder wiederholen kann, geht in eine ähnliche Richtung wie bei Spaceball: Seit dem ersten SW-Film, seit 1977, weiß man, dass die Jedi eine wichtige Gruppe im Universum sind. Sie wurden im Gegensatz zu den Mandos nicht erst im Nachhinein krampfhaft als eine bedeutende Kraft hineingeschrieben.
Daher weiß auch jeder, der auf Basis der Filme tiefer in das SW-Universum einsteigt, dass Jedi bzw. allgemein Machtnutzer dort eine wichtige Rolle spielen. Wenn er über diese Typen nicht lesen will, sollte er sich von vorneherein überlegen, ob das wirklich das richtige Universum für ihn ist, statt sich hinterher darüber zu beschweren, dass es da ja ständig um Jedi geht.
Auch wenn ich persönlich Jedi-Geschichten bevorzuge, habe ich aber natürlich nichts dagegen, wenn es SW-Bücher gibt, die sich mit anderen Gruppen beschäftigen und in denen Jedi nur am Rande oder gar nicht vorkommen. (Ob ich mich dann dazu aufraffen kann, sie zu lesen, ist eine andere Frage.

) Von mir aus kann sich auch Traviss in ihren eigenen Büchern / Reihen mit ihrem Mando-Fetisch austoben, solange LFL sie lässt und die Bücher ankommen.
Gestört hat mich allerdings diese massive Mando-Infiltration in eine Reihe mit komplett anderem Fokus wie LotF es war. Dort waren sie ein hineingekeilter Fremdkörper, der weder logisch zur Gesamthandlung noch allgemein zur Situation der Galaxis vorher und hinterher passte. Mit der "Spezialausbildung" Jainas ergab sich zwar am Ende noch eine Anbindung an die Haupthandlung, aber das ist für mich immer noch kein Grund, warum sie so exzessiv vorkommen mussten. Abgesehen davon war es nicht zwingend, dass Jaina diese besonderen Kampftechniken gerade von Mandos lernt; ich finde nach wie vor die Idee sehr viel reizvoller, dass sie sich bei den Yuuzhan Vong ausbilden lässt.
Öh... du findest kaum Bücher wo Jedi nicht Selbstkritik üben oder externe zugeschieben bekommen. Such mal das selbe bei nem Mando in nem Travissbuch.
ACK. Die Jedi, jedenfalls so wie ich sie gerne geschrieben sehe, definieren sich ja geradezu dadurch, dass sie ständig Selbstkritik üben und hinterfragen, ob sie in dieser oder jener Situation richtig gehandelt haben. Immer wieder wird thematisiert, wie problematisch ihre Fähigkeiten auch sein können, mit wieviel Verantwortungsbewusstsein sie sie einsetzen müssen, wie schnell ein Jedi auf die falsche Seite gerät und dann viel Schaden anrichten kann. Und gerade in den letzten Jahren sind die Jedi auch ständig Kritik oder gar Ablehnung und Verfolgung seitens der Bevölkerung und/oder Politik ausgesetzt.
Und das alles, obwohl die Jedi eigentlich einen moralisch-idealistischen, altruistischen Standpunkt vertreten, nämlich anderen zu helfen, sie zu schützen, sich in den Dienst der ganzen Galaxis zu stellen.
Den Mandos dagegen, wie ja hier auch schon ausgeführt worden ist, geht es nur um sich selbst. Die
eigene Familie schützen, dem
eigenen Clan helfen, sich in den Dienst des
eigenen Volkes stellen. Ihre Kultur ist ausschließlich und zutiefst egoistisch angelegt. Dazu kommt dann noch, dass diese egoistischen Interessen hauptsächlich mit Gewalt durchgesetzt werden.
Auch so ein Kriegervolk hat in einer Fiktion natürlich seine Daseinsberechtigung. Man kann damit durchaus interessante Geschichten erzählen. Sie dürfen sich auch gerne
selbst für das allertollste Volk der Galaxis halten und so dargestellt werden, wenn sie aus ihrer eigenen Perspektive geschildert werden. Von
außen aber muss IMHO eine Kritik an dieser Lebensweise erfolgen. Das kann z.B. passieren, indem sich positiv besetzte Charaktere ausdrücklich kritisch über sie äußern, oder indem es sich insgesamt aus der Darstellung ergibt, z.B. durch Kontrastierung mit moralisch besseren Handlungsweisen.
Das ist der Punkt, in dem Traviss versagt hat und den ich ihr in erster Linie vorwerfe: Dass in LotF (andere Bücher habe ich von ihr nicht gelesen, aber den Aussagen anderer Leser entnehme ich, dass es dort nicht anders ist) nicht nur die Mandos sich selbst, sondern auch alle anderen sie verherrlichen und überhaupt nichts von einer kritischen Betrachtung ihrer martialischen Kultur zu finden ist. Es kam immer so rüber, dass diese Gesellschaftsform völlig in Ordnung, ja sogar erstrebenswert ist.
SW-Bücher richten sich nun mal auch oder sogar vorrangig an beeinfluss- und formbare Jugendliche. Eine derartige Propaganda für primitiven Nationalismus und verherrlichende Kriegsideologie halte ich daher vom lesepädagogischen Standpunkt für hochgradig unverantwortlich. Und bedenklicherweise gibt es offenbar genug Leser, die diese Botschaft begeistert aufgenommen und mit Haut und Haaren verinnerlicht haben.
Ironischerweise wirft Traviss in den FAQs auf ihrer Webseite genau dieses unkritische Verhalten, das sie bei den Mandos an den Tag legt, den "Jedi-nutters" vor:
KT-FAQ "Is it true you hate Jedi?"
Das die Kritik gleich blanker Hass von Traviss auf die Jedi sein soll wie einige behaupten halte ich für unberechtigt,das war eigentlich das was ich damit meinte.
Ob sie Jedi hasst, weiß ich nicht, laut ihrem oben verlinkten FAQ-Eintrag glaubt sie nicht, dass man fiktionale Charaktere hassen kann. Sie sagt aber auch, dass sie bei den Jedi Dinge sieht, die sie in der realen Welt nicht mag.
Darüber hinaus interessiert sie sich offensichtlich ganz einfach überhaupt nicht für die Jedi. Sie versteht sie nicht und auch nicht die speziellen moralischen Dilemmata, die sich aufgrund ihrer besonderen Fähigkeiten und Position aufwerfen und die die ganze Sache - jedenfalls aus meiner Sicht - so überaus spannend machen. Für sie sind Jedi nur Typen, die von Geburt an, also ohne ihr eigenes Zutun und damit unfairerweise, anderen überlegen sind und das auch ausnutzen. Dass diese Fähigkeiten nicht nur ein Privileg, sondern auch eine enorme Bürde sind, sieht sie nicht. (Ihren Spiderman hat sie also offenbar nicht gelesen

).
Natürlich steht es ihr frei, so über Jedi zu denken. Aber dann hat sie nichts verloren in einem Autorenteam für eine Reihe namens Legacy of the
Force, die sich intensiv gerade mit diesen moralischen Fragen der Machtnutzung befasst...
Micah